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Der Rubel rollt: Spasiba, Towarisch Seele!

4.4.2017 Kommentar

Geschätzte Paternosterfahrer,

letztens befinde ich mich auf der Heimfahrt von unserem Zweitwohnsitz im Salzkammergut und telefoniere mit meiner Frau. Es war schon dunkel, und durch die dichten Wolken schimmerte apokalyptisch der Vollmond. Wir diskutieren über die Zukunft unserer Töchter, die beide in den USA studieren. Da sie am Women’s March in Washington teilgenommen haben und sich in der Protestbewegung gegen den 45. US-Präsidenten Donald Trump engagieren, hegen wir nicht zu Unrecht Sorge um sie. „Sie hat Trump den Präsidenten mit dem explodierten Hamster auf dem Kopf genannt“, nuschelt meine Frau, „stell dir vor, sie veröffentlicht das in der Zeitung, für die sie schreibt. Dann geht’s ihr wie der Stefanie Sargnagel mit der ,Kronen Zeitung‘“, und als ich schon antworten möcht, blinkt die Warnleuchte vom Tank.

Nach dem Tanken geh ich ins Restaurant und kauf mir einen Kaffee. Und wie es der Zufall so will, seh ich dort den OMV-General Rainer Seele allein an einem Tisch am Fenster sitzen bei einem Paar Frankfurter mit Senf und Kren. Gedankenverloren stochert der Piefke mit dem Würschtel im Senf herum. Ich starte sofort los in seine Richtung. „Servus Rainer, darf ich mich setzen?“, frag ich dezent. – „Selbstredend, nimm Platz Gekko, wie lange haben wir einander schon nicht mehr gesehen?“, gibt der Rainer zur Antwort. Und schon entwickelt sich ein unterhaltsames Gespräch.

Das geht so lang gut, bis wir bei Trump angelangt sind. Da wird der Rainer plötzlich laut und echauffiert sich über die jetzige protektionistische Politik der USA. „General Motors verkauft Opel an PSA um 1,3 Milliarden Euro, stell dir vor, da tut sich gewaltig was“, hebt er an und zieht noch mehr her über den neuen US-Präsidenten, dass man sich nicht wundern dürfe, wenn niemand mehr dort investieren wolle. Ja, es sei für europäische Unternehmen sogar politisch bedenklich, wenn man sich dort momentan zu engagieren versuche. Und es ginge auch gar nicht an, dass ein Präsident den in seinem Land ansässigen Unternehmen vorschreibt, wo sie produzieren lassen sollen und was sie zu tun hätten. „Das ist doch reiner staatlicher Monokapitalismus!“, brüllt sich’s der Seele beinah schon aus dem Leib.

Da muss ich ihn in voller Fahrt unterbrechen: „Erstens“, beginne ich meine abendliche Keynote, „gilt Russlands Wirtschaftssystem schon seit langem als staatlicher Monokapitalismus, wo du, zweitens, eben erst einen Deal mit Gazprom eingefädelt hast, der, drittens, teurer ist als der gesamte Opel-Verkauf an PSA, und viertens ist es wohl auch politisch höchstbrisant, in Russland zu investieren, da du gegen die außenpolitischen Interessen der EU arbeitest.“ – „Aber unser Altbundeskanzler Gerhard Schröder hat doch gesagt, Wladimir Putin sei ein lupenreiner Demokrat“, entgegnet mir der Rainer. Er beißt in die Wurst und fährt fort: „Von lupenreinen Diktatoren trennen wir uns, siehe Türkei. Dort haben wir das Tankstellengeschäft abgestoßen, wie du doch sicher weißt.“

„Dann hältst du die Lupe wahrscheinlich verkehrt rum!“, sag ich bestimmt. Der Rainer blickt auf und sagt: „Wieso?“ – „Weil die Türkei und Russland eben erst ein Abkommen zum Ausbau der Handelsbeziehungen geschlossen haben, Towarisch!“, sag ich. Darauf zieht er nachdenklich die Augenbrauen zusammen, scheint sich zu fangen, bekommt ein Leuchten in den Augen und sagt: „Das ist mir neu, do war isch noch nicht.“

In diesem Sinne,

„Cash up!“

Der Börsianer

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