Porträt. Als Präparator haucht Michael Flasch toten Tieren eine Brise Leben ein. Dass man seine Geschäftsidee selbst einst als eine zum Sterben verurteilte betrachtete, war ihm völlig egal. Und er sollte damit recht behalten.Ein einladendes Geschäft sieht anders aus. Tritt man in Michael Flaschs Laden, findet man sich in einem skurrilen Sammelsurium lebloser Tiere wieder, die den Verkaufsraum zu einer morbiden Menagerie machen. Das Licht ist gedämpft, denn die Schaufensterläden sind heruntergeklappt. Präventiv, da ihm Tierschützer in der Vergangenheit öfter mal die Fenster mit unliebsamen Parolen beschmiert haben. Dabei behauptet Michael Flasch selbst, ein Tierfreund zu sein. Sogar Zoologie wollte er früher einmal studieren. Weil ihn das Antlitz unterschiedlicher Tiere von jeher faszinierte. Doch die Profession des Zoologen sei ein Hungerleiderjob, erklärt Flasch, wieso er letztlich doch einen etwas anderen beruflichen Weg eingeschlagen hat. Der EnthusiastHeute will der 42-Jährige Erinnerungen stiften. Er sieht sich als eine Art Bildhauer, der für seine Kunden die letzten Lebenssequenzen der von ihm verarbeiteten Tiere einzufrieren vermag. Flasch ist einer von drei Tierpräparatoren, die sich heute in den Wiener Gelben Seiten finden lassen. In 20 Jahren Selbstständigkeit sind dabei von Löwen, Elefanten über Wild und Vögel bis hin zu diversen Haustieren die unterschiedlichsten gehäuteten Tiere über seinen Werkstatttisch gewandert. Auf Partys und in Gesellschaft stieße man mit so einem Beruf schon einmal auf distanzierte Ablehnung, erzählt Flasch, während er durch die engen Räume seiner Firma führt.Das macht dem 42-Jährigen, der eigentlich um einige Lenze jünger aussieht, aber längst nichts mehr aus. Wenn er von seiner Arbeit spricht, hört man Enthusiasmus in seiner Stimme. „Diese Tätigkeit ist immer abwechslungsreich. Nie setze ich die Raspel gleich an. Jede Haut ist anders, hat einen anderen Zug. Das ist das Spannende daran." Flasch ist einer, der von seiner Profession überzeugt ist. Das war er schon immer, speziell in der Anfangszeit, in der niemand seiner Idee, sich nach erfolgreicher Lehre und Meisterprüfung als Präparator selbstständig zu machen, recht viel abgewinnen konnte. Ein lebloses Gewerbe?Dass die Familie für seinen Plan der Geschäftsgründung wenig Gegenliebe aufbringen konnte, erwartete er noch. Doch auch der Berater vom Jungunternehmerservice machte dem angehenden Unternehmer nicht gerade Mut: Das Geschäft gehe binnen eines Jahres den Bach runter, erklärte man ihm. Nachdem alle von der Selbstständigkeit als Präparator strikt abgeraten hatten, stand Flasch vor 20 Jahren vor der Frage, ob er sich denn wirklich in ein unsicheres Unterfangen stürzen wolle, für das niemand eine geschäftliche Zukunft gesehen hat. Er blieb stur, glaubte an seine Idee und gründete. Die ersten Jahre waren hart, meint Flasch. Schließlich wechsle die einschlägige Kundschaft, die in erster Linie aus Jägern besteht, ihren Präparator ähnlich selten wie andere den Hausarzt oder Frisör.Für Quereinsteiger ist da normalerweise kein Platz – außer man ist so zäh, wie es Michael Flasch war. Wie er das schaffte? Sein Geschäftskonzept liegt in der größtmöglichen Flexibilität gegenüber dem Kunden. Er berät vor der Jagd, macht dabei für die gestandene Jagdkundschaft schon einmal den Innenausstatter. Bei anderen Kundenwünschen arbeitet er mit Tischlern oder Schlossern zusammen oder lässt Gemälde und Schilder anfertigen. Oft keine leichte Aufgabe, denn die klassischen Handwerker, die ihre Arbeit nach Flaschs Anforderungen erfüllen, werden allmählich rar. „Mir geht es immer darum, dass die Kunden selbst ihre Ideen mit einbringen, um dann gemeinsam eine Umsetzung zu finden. Beratung ist der Schlüssel zum Erfolg", erklärt Flasch. Mittlerweile ist sein Geschäft eine rentable Sache. Über persönliche Empfehlungen treten immer mehr Kunden via Internet an ihn heran, sodass er sich mit seinen beiden Mitarbeitern auch aussuchen kann, welche Aufträge angenommen werden. Wo Körper entstehenWenn man Flasch bei seiner Arbeit über die Schulter sieht, erkennt man den Facettenreichtum seiner Tätigkeit. Denn die Zeiten, in denen die Tiere noch klassisch mit Holzwolle ausgestopft wurden, sind vorbei – weshalb die Bezeichnung „Ausstopfen" genau genommen längst überholt ist. In der Werkstatt werden exakte Duplikate des Tieres konstruiert. Über feine Drahtkonstruktionen lässt sich dabei die Mimik anpassen. Bei größeren Tieren kommt auch schon mal eine vorgefertigte Körper- und Kopfform aus PU-Schaum zum Einsatz, worauf Fell, Federn und Augen in Feinarbeit aufgesetzt werden. „Es ist schön, einen Körper entstehen