Verfasst am 30.01.2012 um 00:00, Autor: Die Wirtschaft
Erfolgsfaktor Schönheit
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Es gibt Menschen, die wesentlich erfolgreicher, beliebter und charismatischer sind als andere. Woran es liegt, dass sie so viel besser ankommen?  An ihrem erotischen Kapital, meint die Soziologin Catherine Hakim, und bricht für den gezielten Einsatz der Schönheit eine Lanze. Die zentralen Ergebnisse ihrer Analyse im Überblick.Dank Schönheit nach obenIntelligenz, Bildung, Fachwissen, Disziplin, soziale Vernetzung – das sind allgemein bekannte gesellschaftliche Erfolgsfaktoren, mit denen man es weit bringen kann. Es gibt aber noch ein weiteres persönliches Attribut mit immensem Erfolgspotenzial, das vielfach verkannt und unterschätzt wird: das erotische Kapital. Seine Bedeutung ist laut Hakim, die an der renommierten London School of Economics forscht, enorm gewachsen und mittlerweile genauso wichtig wie ökonomisches, kulturelles und soziales Vermögen. Woraus erotisches Kapital bestehtDoch was kann man sich darunter vorstellen? Erotisches Kapital ist eine Kombination aus Schönheit, Sex-Appeal, Temperament, Charme und der Begabung, sich geschmackvoll zu kleiden, garniert mit sozialer Kompetenz. Es ist ein Zusammenspiel aus körperlicher und sozialer Attraktivität. Ob und wie attraktiv jemand wahrgenommen wird, hängt also von mehreren Faktoren als nur einem hübschen Gesicht ab. Ohne soziale Kompetenz, Manieren, einer positiven Selbstdarstellung, dem passenden Outfit, Humor sowie körperlicher Fitness ist die hübsche Physis nur die halbe Miete. Soll das erotische Kapital voll ausgereizt werden, müssen alle Faktoren gepusht werden. Doch dann wirken sie gewaltig. Wie sich erotisches Kapital entwickeltDer Aufbau des erotischen Kapitals beginnt schon in der frühesten Kindheit, erklärt Hakim. Hübsche Kinder wachsen in einer wohlwollenden Umgebung auf, die ganze Welt lächelt ihnen zu, und sie lernen zurückzulächeln, um Gefallen zu bitten und zu verhandel, wenn sie etwas wollen. Dieser Kreislauf schenkt ein Leben voller kleiner Vorteile. So entwickeln sie früher und rascher Kompetenzen, weil ihnen das Erreichen von Bildungszielen leichter fällt und sich das erlernte gesteigerte Selbstbewusstsein durchwegs positiv äußert. Wie sehr sich erotisches Kapital auszahltAttraktive Menschen stechen hervor. Andere Menschen bemerken Sie, fühlen sich von ihnen angezogen, begegnen ihnen freundlich und zugewandt. Übrigens in allen Kulturräumen. Und das schafft soziale und finanzielle Vorteile. Der Grund dafür: Wer attraktiv, charmant und beliebt ist, hat mehr Einfluss auf andere Menschen und folglich auch mehr Erfolg in Beruf und Privatleben. Auch wenn Schönheit und Attraktivität kulturell unterschiedlich definiert werden, ihre sozialen Auswirkungen sind überall messbar. So verdienen attraktive Männer und Frauen im Schnitt zehn bis zu 20 Prozent mehr als ihre weniger attraktiven Kollegen und Kolleginnen – bei sonst gleichen Voraussetzungen und Qualifikationen. Bei Männern fällt der Schönheitsbonus übrigens noch höher aus als bei Frauen. Der Grund: Offenbar herrschen gewisse Vorbehalte und eine diskriminierende Haltung gegenüber schönen und charismatischen Frauen. Weniger Geld für MauerblümchenAuch wenn der Gerechtigkeitssinn dagegen rebelliert: Studien aus Nordamerika haben eindeutig gezeigt, dass unscheinbare Menschen weniger verdienen als durchschnittlich aussehende, und die wiederum weniger verdienen als gutaussehende Männer und Frauen. In den USA verdienen attraktive Männer zwischen 14 und 27 Prozent mehr als unattraktive. Besonders stark aus ­geprägt ist das Phänomen übrigens bei den jüngeren Altersgruppen bis 30 Jahre. Übergewicht hat keinen Einfluss auf die Chancen, einen Job zu bekommen, verringert allerdings ebenfalls den Ver­dienst. Wie sich gutes Aussehen im Management auswirktStudien haben gezeigt, dass hochattraktive qualifizierte Bewerberinnen als weniger qualifiziert angesehen werden als attraktive qualifizierte männliche Bewerber. Das Vorurteil, das dahinter steckt: Attraktive Frauen könnten sich leichter durch Heirat mit einem erfolgreichen Mann vom Kurs abbringen lassen. Für Frauen wird Attraktivität auf den oberen Stufen der Karriereleiter also gelegentlich zum Stolperstein.Tatsache ist aber auch, dass attraktive Frauen und Männer grundsätzlich mit höheren Einstiegsgehältern, aber auch mit rascheren Gehaltssteigerungen rechnen dürfen. Der Grund dafür: Physische Attraktivität wird häufig mit gesteigerter Produktivität gleichgesetzt, was laut Catherine Hakim darauf zurückzuführen ist, dass es sich mit attraktiven Menschen besser arbeiten lässt, weil diese ihr Umfeld leichter überzeugen können. Soziale Kompetenz als Element von erotischem Kapital wird hier zum Schlüsselfaktor, gepaart mit der Fertigkeit, sich selbst zu präsentieren. Tall is beautifulAttraktivität bringt finanziellen Lohn, Größe aber auch. Mitunter sogar noch mehr als die soziale und physische Anziehungskraft. Besonders Männern hilft es, groß zu sein. Größere Menschen werden leichter bemerkt und von Kindesbeinen an häufig wie Anführer behandel, sodass sie selbst in diese Rolle schlüpfen. Sie werden in Organisationen leichter Geschäftsführer und Topmanager als ihre kleineren Kollegen. Schönheit vs. IntelligenzDie Befunde sind eindeutig: Attraktivere Menschen verfügen über höhere Einkommen, haben mehr Selbstvertrauen und bessere berufliche Qualifikationen. Intelligenz aber ist ein noch machtvolleres Gut zur Hebung von Selbstvertrauen, Bildung und Einkommen. Doch selbst wenn man die Intelligenz berücksichtigt, trägt gutes Aussehen immer noch zur Erhöhung des Einkommens bei, zum Teil, weil es das Erreichen von Bildungszielen erleichtert und weil es das Selbstvertrauen stärkt. Der Gesamteinfluss der Attraktivität auf das Einkommen ist in etwa gleich dem von Bildung oder Selbstvertrauen, aber weit geringer als der von Intelligenz allein. Attraktive Menschen sind lockerer im sozialen Umgang mit anderen, wirken überzeugender und sind dadurch im Privatleben ebenso wie in der Öffentlichkeit erfolgreicher. Ein hohes erotisches Kapital hat zudem maßgeblichen Einfluss auf die Einstellung und Beförderungsquote. Daran zu arbeiten zahlt sich also aus. 


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