Verfasst am 30.01.2012 um 00:00, Autor: Die Wirtschaft
Finanzierung auf Umwegen
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Ein niederösterreichischer Unternehmer errichtet eine Solaranlage. Ein Kärntner Musiker baut neue Effektgeräte für elektrische Gitarren. Geld von der Bank brauchen sie dafür nicht. Denn es lassen sich auch abseits ausgetrampelter Pfade Investoren finden.Wenn Johannes Gutmann über Kredite redet, dann redet er gern lange und viel. Er spricht von Banken, die nur Geld herborgen, wenn man sich für dreimal so viel verbürgen kann. Dass man für eine gute Idee kaum etwas bekommt. Im Kleinen anfangen muss, die Dinge anders machen, neue Wege beschreiten. So wie er mit seinem Betrieb Sonnentor. Da handelt er mit Kräutertee, Gewürzmischungen, ­Zucker aus Blüten und Kaffee. Alles bio, alles von Bauern aus dem Waldviertel. Und das mit so wenig geborgtem Geld wie möglich. Alternativen zum BankkreditSich einen Kredit von der Bank zu holen ist vor allem für KMU nicht immer einfach. Die Geldinstitute verlangen oft, dass 100 Prozent der Kreditsumme über Häuser, Grundstücke oder Freunde verbürgt werden. Wer eine Firmenhalle ausbaut, neue Maschinen braucht oder ein anderes neues Projekt plant, muss aber nicht gleich zur Bank gehen.Denn wenn Johannes Gutmann fremdes Geld braucht, geht er gern eigensinnige Wege. Seine jüngste Idee: eine Solaranlage, die er sich von seinen Kunden finanzieren lässt. 110 Quadratmeter Fläche, das kostet rund 180.000 Euro. Der Strom fließt in das Bürohaus im kleinen Dorf Sprögnitz, das nur ein paar Kilometer südlich des niederösterreichischen Zwettl liegt. Nebenbei betreiben die Sonnenkollektoren zwei Tankstellen für elektrische Autos und Fahrräder. „Das soll ein Beispiel für die ganze Region sein", sagt Gutmann, dessen Betrieb zu einem der größten Arbeitgeber in Zwettl avanciert ist. Gutscheine statt KreditratenEin Beispiel, in das man sich einkaufen kann. Denn Gutmann lässt sich die Solaranlage über Anteilsscheine finanzieren. Einer kostet 300 Euro, 400 Stück hat er ausgelegt. Macht insgesamt zwei Drittel der Summe, die die Anlage gekostet hat. Wer da zuschlägt, bekommt über die nächsten vier Jahre Gutscheine für Produkte von Sonnentor, insgesamt 400 Euro. „Das ist im Vergleich eine großartige Verzinsung, wir haben uns das genau ausgerechnet", sagt der Mittvierziger, der nebenbei mit dieser Methode auch noch Kunden an sich und seine Produkte bindet. „Noch dazu ist die Solaranlage klimaschonend, und man kann sich sein Investment jederzeit bei uns ansehen. Das würde ich mir auch bei vielen Banken wünschen." Seit vergangenem September stehen die Sonnenkollektoren und produzieren insgesamt rund 30 Kilowattstunden Strom. Nur einen Haken hat die alternative Geldquelle: Gutmann musste die Summe für den Bau zuallererst selbst aufbringen.Er finanziert ihn aus dem Cashflow, der bei überdurchschnittlichen zehn Prozent im Jahr liegt. Als die Anlage schon stand, verkaufte er dann die Anteilsscheine. „Das kommt auf die Vorlaufszeit an und darauf, wie man es bewirbt", sagt der Waldviertler. „Wir haben kaum Werbung gemacht, die Leute haben von Erzählungen davon gehört und sind dann auf uns zugekommen." Gutmann glaubt, dass diese Finanzierungsmethode Zukunft hat. Auch wenn er ihr noch keine wirklich großen Projekte zutrauen würde. „Da geht es in erster Linie um die Idee", sagt er. „Wenn es wirklich zu einem Rechtsstreit kommen würde, bin ich mir nicht ganz sicher, ob das rechtlich halten würde." Schließlich ist jeder Investor auch Besitzer von einer halben Fotovoltaikplatte seiner Anlage. So steht es in einer eigenen Urkunde. „Wir hatten auch schon Anfragen, ob man bei uns einmal mehr investieren kann, da ging es um Beträge bis zu 250.000 Euro", sagt Gutmann. „Da bin ich aber noch vorsichtig. Da kann es dann schnell zu einem Streit kommen." Friends, Fools and AngelsVorsichtig war auch Michael Sternad. Lieber einmal einen Investor ablehnen, auf den richtigen warten. Vor drei Jahren hat der Kärntner sein Unternehmen M*AD-Technics gegründet. Damals war er gerade einmal 18 Jahre alt. „Ich bin ein richtig junger Jungunternehmer", sagt er. Sternad baut Equipment für Musiker und Studios, seine neueste Erfindung ist ein Gerät, mit dem analoge Effektgeräte und Verstärker durch ein automatisiertes System gesteuert und kontrolliert werden. Etwas, das es so noch nicht gab. „Ich habe mich überall umgehört, das Internet durchsucht, aber nichts gefunden", sagt der Kärntner, der selbst Gitarre spielt. „Also hab ich mir gedacht, ich baue das selbst." Dafür musste er ein Patent anmelden, Mitarbeiter anwerben, sich die Produktionslinie durchdenken. Alles in allem braucht er einen sechsstelligen Eurobetrag, wie viel genau will er nicht sagen. Er beantragte Förderungen in langwierigen Prozessen und bekam sie auch.Jetzt musste er nur noch die Restsumme auftreiben. Der Haken: Die Banken wollten von ihm genau so viel an Sicherheiten, wie er an Kredit haben wollte. „Wenn ich als Teenager ein paar Häuser besitzen würde, dann müsste ich das Unternehmen auch nicht über Kredite finanzieren", sagt Sternad. Also ging er einen anderen Weg. Er suchte sich einen Investor. Und fand gleich mehrere. Zwei von ihnen über die „i2-Börse für Business Angels" der aws, wo Geschäftsleute mit Geld in Beteiligungsgesellschaften und Stiftungen an Firmen mit Ideen vermittelt werden. Sternad schickte ihnen seine Unterlagen, wartete, schickte noch mehr und bekam schließlich einen Termin. Einen Engel lehnte er ab, mit zwei anderen wurde er sich einig. Doch das versprochene Geld reichte immer noch nicht ganz. Also klapperte er seine Musikernetzwerke in Kärnten ab. Stellte die Idee seinen Freunden vor, versuchte so vielen wie möglich zu erzählen, was er da macht und wie sie dabei sein können. Friends, Fools und Family, die drei F. So heißt das Konzept im Englischen.„Der Nachteil ist, dass man sich bei so vielen Investoren bei Entscheidungen mit vielen Leuten absprechen muss", sagt Sternad. Es ist ein mühseliger Weg: persönliche Termine, ein guter Businessplan, das angemeldete Patent vorzeigen. Der junge Kärntner hat von Leuten gehört, die so etwas auch über das Internet organisieren. Crowdfunding heißt der Fachbegriff. „Ich bin mir aber nicht sicher, für wie seriös man gehalten wird, wenn man mal größere Summen braucht", sagt er. Noch dazu unterstützen Crowdfunding-Seiten wie www.respekt.net nur Projekte, die sich zivilgesellschaftlich engagieren. Michael Sternad hat es auch so geschafft – seine Idee ist heute fast ausfinanziert. „Eine Summe in der Höhe eines Autos fehlt mir noch", sagt der 21-Jährige. „Wenn jemand Interesse hat, kann er sich gern bei mir melden." 


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