Verfasst am 30.01.2012 um 00:00, Autor: Die Wirtschaft
Wirtschaften unterm Kruzifix
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Ist die katholische Kirche eine Unternehmerin wie jede andere? Nicht ganz. Zwei Beispiele zeigen, dass wirtschaftliches Handeln nach den Normen des Glaubens dennoch erfolgreich sein kann.In 900 Jahren Firmenhistorie werden mannigfach Legenden gewoben. „Maximilian I. soll die Kurfürsten des römisch-deutschen Reichstages mit Klosterneuburger Stiftswein betrunken gemacht haben, damit sie seinen Sohn zum König wählen", erzählt Gutsleiter Wolfgang Hamm beim Gang durch die verwinkelten dunklen Kellergänge, die gut 30 Meter unter dem Stift die gewaltigen Ausmaße des anhängigen Weinguts erahnen lassen. Mehr als 100 Hektar Weingärten stehen derzeit im Ertrag.  Die Geschäfte laufen gut, denn dank einer aufwändigen Modernisierung – die durch den Einsatz vieler elektronisch gesteuerter Maschinen augenscheinlich wird – hat man seine Stellung als einer der größten Weinproduzenten des Landes bewahrt. Denn das 1114 gegründete Weingut, das so alt wie das Stift Klosterneuburg selbst ist, ist für die Erfüllung der religiösen, sozialen und kulturellen Aufgaben des Augustinerordens notwendig. Der Profit ist also nötig, um das Tagesgeschäft des Stifts zu finan-zieren. Christliches Gewinnstreben.„Wir sind ein Wirtschaftsbetrieb wie jeder andere. Ein Betrieb, der Gewinn machen muss", meint auch der zuständige Wirtschaftsdirektor der Stiftsbetriebe, Andreas Gahleitner, fast ein wenig desillusionierend. Immerhin gilt es, das Stift zu erhalten, insgesamt 25 dazugehörende Pfarren zu finanzieren sowie den vielfältigen sozialen Aufgaben nachzukommen, die man sich auferlegt hat. Neben dem Weingut betreibt man deshalb noch einen Land- und Forstbetrieb, eine Immobilienverwaltung, die touristische Nutzung des Stifts sowie einen Kleinverlag, die zusammen einen jährlichen Umsatz von rund 25 Millionen Euro erwirtschaften. Bitter benötigtes Geld, verschlingt doch allein schon die laufende Restaurierung des Klosters mehr als eine Million pro Jahr. Um den Ansprüchen auf wirtschaftlichen Erfolg gerecht zu werden, hat das Stift die Glaubensarbeit strikt von dem von Laien geführten Wirtschaftsbereich getrennt. Unter den 200 Mitarbeitern befinden sich auch Muslime oder Protestanten. „Sie kommen, um zu arbeiten, das Beten übernehmen wir", soll der Kämmerer als oberster geistlicher Vertreter gern bei Vorstellungsgesprächen erklären.Dass katholisches Wirtschaften aber doch unter besonderen Regeln erfolgt, zeigt ein Blick ins Detail. Einzigartig in der Branche sind etwa die Sozialklauseln der Immobilienverwaltung, welche den Verträgen zu Miete und Pacht der rund 700 Wohnungen und 4.000 Liegenschaften zugrunde liegen und eine Mietreduktion in sozialen Notphasen vorsehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem schonenden Umgang mit Wäldern und Ackerflächen. So folgt man beim Forstbetrieb im Ernstfall lieber ökologischen anstatt ökonomischen Bedürfnissen. Auch das Weingut steht auf ökologisch nachhaltigen Beinen und wird dank einer eigenen Biomasseanlege als Erstes seiner Art komplett CO2-neutral betrieben. „Unseren Wirtschaftsbetrieb gibt es seit 900 Jahren, unsere Aufgabe und Verantwortung ist es, dafür zu sorgen, dass er noch weitere 900 Jahre besteht", meint Gahleitner auf die langfristigen Geschäftsgebarungen der ihm unterstellten Wirtschaftsbetriebe angesprochen. Quartalszahlen und Ähnliches spielen im Geschäftsleben der Stiftsbetriebe, solange der Ausblick passt, nämlich keine Rolle. Es geht um langfristige Erfolge. Wie auch im folgenden Beispiel. Bankhaus GottesIn einem mit dunklem Holzmobiliar bestückten Büro unweit des Wiener Stephansdoms arbeitet Günter Bergauer, Vorstandsdirektor der katholischen Privatbank Schellhammer & Schatterer. Der Mann im Dreiteiler, mit Krawatte, Stecktuch und Schnauzbart erzählt vom magischen Dreieck der Finanzwelt „Ertrag, Risiko und Verfügbarkeit", das in seiner Bank mit dem Punkt Ethik und Nachhaltigkeit zu einem Quadrat geworden ist. „Ich halte es auch in der Wirtschaft für zeitgemäß, sich Fragen der Bibel zu stellen. Wir fühlen uns dem System der katholischen Soziallehre verbunden. Das ist die Grundlage unserer Unternehmensführung." Für das Tagesgeschäft heißt das, dass etwa die Wertpapierveranlagung zu hundert Prozent in nach ethischen Kriterien zertifizierten Fonds erfolgt. Diese definieren sich klassisch für solche Anlageformen über sogenannte Ausschlusskriterien für menschenrechtsverletzende, unökologische und in katholischem Sinne sündige Investitionen. Verantwortungsvolle GeschäfteVerantwortung lautet das Schlagwort, das Bergauer gern verwendet. Damit meint er ein gerechteres Wirtschaften, als dies in den vergangenen Jahrzehnten Mainstream war: „Schauen Sie in unsere Bilanzen. Wir sehen unsere Steuerpflicht als unternehmerische Verantwortung", setzt Bergauer einen Seitenhieb auf manche steuerschonende Konstrukte bei Konkurrenzunternehmen. Verantwortung heißt aber auch, Einfluss zu nehmen. Dabei versucht Schellhammer & Schatterer über die Veranlagung der Eigenmittel direkten Einfluss auf die Wirtschaft zu nehmen. Über ethisch orientierte Anlegervereinigungen versucht man auf Hauptversammlungen Druck zu machen, um gewisse Themenbereiche voranzubringen.Natürlich steht man auch in einer Verantwortung den eigenen Aktionären gegenüber. Neben 15 Prozent Streubesitz hält die katholische Kirche 85 Prozent der Aktien. Klarerweise wird auch Rendite gefordert.„Es geht um den Kirchenerhalt und die Bestanderhaltung oder die Finanzierung der Sozialsysteme im Ordensbereich", sagt Bergauer. Verantwortung heißt daher, durch eine solide Geschäftstätigkeit diesen Beitrag regelmäßig zu leisten. Der Weg dorthin ist bei Schellhammer & Schatterer auch im finanztechnischen Sinne konservativ gewesen. „Wir sind immer beim Kerngeschäft geblieben und haben nie auf sinnlose Finanzprodukte gesetzt", meint Bergauer. Während der fetten Börsenjahre ist man damit der risikoreicheren Konkurrenz hinsichtlich des Ertrags hinterhergelaufen. In den Krisenjahren hat sich aber wieder einiges zurechtgerückt. Die via Basel III festgelegten Eigenkapitalquoten, die manchem heimischen Institut zu schaffen machen, kosten Bergauer jedenfalls nur ein Lächeln: „Wir sind schon jetzt fit für Basel VIII!" 


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