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Leserfragen

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Leserfrage: Ich bin ein begeisterter Analysen-Leser. Welche Parameter werden bewertet? Welche Hilfsmittel haben Sie und was für ein Zeitaufwand ist damit verbunden?

Wie Aktienanalysen von Unternehmen entstehen

Unser Aktienresearch betreibt in Österreich und CEE ein sogenanntes Primärresearch, das bedeutet, dass unseren Schätzungen (Excel-)Modelle zugrunde liegen, aus denen wir Ergebnisschätzungen, aber auch Kursziel und Empfehlungen ableiten.

Mit den Unternehmen, die wir covern (bzw. analysieren) stehen wir in permanenten Verbindung, meist über die Investor-Relations Abteilung. Informationen zur Strategie etc. erhalten wir auch vom Management (z.B. bei Analystenveranstaltungen, Ergebnispräsentationen, Roadshows, etc.).

Unsere Modelle basieren in erster Linie auf DCF Bewertungen, daneben kommen aber auch Dividend Discount Modelle und andere sogenannte Residual Income Modelle (z.B. Equity Excess Return Modelle) zum Einsatz. All diese Bewertungen werden als direkte Bewertungsmethoden bezeichnet, da sie sich aus den Schätzungen (Ergebnisschätzungen, Dividendenschätzungen, etc.) ableiten. Neben einem detaillierten Planungshorizont (ca. 4-5 Jahre) schätzen wir ein normalisiertes Ergebnis (für den Terminal Value).

Daneben stehen uns auch dank einer Datenbank Konsensus-Schätzungen vergleichbarer Unternehmen zu Verfügung, die wir für Peergroup Vergleiche heranziehen.

Für unsere Modelle werden viele Parameter berücksichtigt, wie z.B. Wachstum, Strategie, Umsatz (Preise, Volumina), Kosten, Rohstoffe, Finanzierung, Investitionsplanung, usw., daneben gilt es das Makroumfeld, Konkurrenz, Kunden, etc. zu berücksichtigen.

Als Hilfsmittel stehen und neben Informationssystemen (Reuters, Bloomberg, Datastream), Datenbank und anderen Medien vor allem die Unternehmen selbst zu Verfügung.

Unsere Analysten covern im Schnitt 7-8 Unternehmen, der Zeitaufwand lässt sich schwer abschätzen, da wir wie gesagt im ständigen Kontakt zu den Unternehmen stehen.

Leserfrage: Ich rechne mit einer Verschnaufpause (gleichbleibendes Kursniveau) an den Märkten. Wie kann ich neben long und short von einem neutralen Kursverlauf profitieren?

Zertifikate, wenn die Märkte seitwärts laufen

Im Vergleich zu einer Aktie eignen sich bestimmte Zertifikate bestens für seitwärts tendierende Märkte. Aktienanleihen, Bonus- und Discount-Zertifikate sind mit der richtigen Ausgestaltung eigentlich prädestiniert für gleichbleibende Kursniveaus.

Die größte Nachfrage verspürten wir in den letzten Jahren nach Bonus-Zertifikaten, zumeist mit tiefen Barrieren. Der Mechanismus ist schnell erklärt: sofern eine im Vorhinein festgesetzte Barriere nicht berührt oder unterschritten wird kommt es zur Auszahlung eines Bonusbetrags. Fällt der Basiswert entgegen der eigenen Marktmeinung und die Barriere wird berührt bzw. unterschritten, so wird die Performance des Basiswerts 1:1 abgebildet, was letztendlich das Risiko von Bonus-Zertifikaten darstellt.

Die Raiffeisen Centrobank startete beispielsweise im Herbst 2010 mit der "Bonus&Sicherheit"-Serie, welche sich noch immer großer Beliebtheit erfreut. Hierbei handelt es sich um Bonus-Zertifikate mit sehr tief angesetzten Barrieren.

Leserfrage: Der Artikel „US-Baubranche so optimistisch wie vor der Finanzkrise“ macht mir Hoffnung. Ihnen auch?

US-Immomarkt als Frühindikator für Europa

Anmerkung zum Artikel: Der Hausmarktindex der National Association of Home Builders (NAHB) stieg im Juni zum Vormonat um acht Punkte auf 52 Punkte. Dies ist der höchste Stand seit März 2007.

Die aktuelle Situation in den USA zeigt den nicht untypischen Ablauf bei Immobilienzyklen. Seit 2007 ging der Markt nach unten, jetzt dreht es wieder nach oben. Die Entwicklung nach unten hatte ihren Ursprung in den USA (Stichwort: Subprime-Krise) und ist mit etwa einem Jahr Verzögerung nach Europa geschwappt. Wir hoffen sehr, dass auch diesmal die Entwicklung in den USA ein Frühindikator für Europa sein wird.

Leserfrage: Wir diskutieren in einer privaten Unternehmerrunde öfter welche Konjunkturpakete wir uns von der Politik für die österreiche Wirtschaft wünschen. Jetzt würde uns Ihre Ideen hierzu interessieren?

Strukturreformen wichtiger als Konjunkturpakete

Konjunkturpakete im alten Stil sind derzeit eher nicht angesagt. Speziell wenn sie nur von einem kleinen Land wie Österreich gemacht werden. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wäre ungünstig.

Wichtiger sind wohl Strukturreformen (etwa Verwaltung, aber auch weitere Liberalisierungen in einigen Bereichen). Impulse sollten zudem vor allem dort gesetzt werden, wo davon tatsächlich Vorteile für den Standort Österreich ausgehen. Derzeit vor allem Wohnbau, aber auch Bildung und teilweise auch Infrastruktur.

Sicherlich gibt es auch im steuerlichen Bereich noch Möglichkeiten, vor allem Arbeit zu entlasten. Leider geht es hier wohl eher um "Fine Tuning" als um große Änderungen.

Es sollte nicht vergessen werden, dass einer der Gründe, warum Österreich relativ gut durch die Krise kam auch der war, dass der Wohlfahrtsstaat einer der am stärksten ausgebauten der Welt ist, ablesbar an der Einkommensverteilung. Viel Spielraum hat man hier nicht mehr, es geht vielmehr diesen zu erhalten angesichts der Herausforderungen der Globalisierung, die uns diesen hohen Lebensstandard brachte.

Leserfrage: Vor 5 Jahren (2008) hatte die Immobilienkrise ihren Höhepunkt. Wie hat sich der Immomarkt seit dem entwickelt, in welcher Phase befinden wir uns jetzt und wie beurteilen Sie die Spätfolgen des Crashs?

Zentral- und Südosteuropa schlagen sich unter Wert

Die Hauptursache der Immobilienkrise war, dass Objekte im Osten stark überbewertet waren, vor allem auf Grund der fast schon lemminghaften Investitionswut vieler westlicher Player, aber auch vieler Glückritter. Die Preise waren überteuert und das Risiko wurde verdrängt. In Westeuropa hingegen waren die Märkte eigentlich immer realistisch bewertet. Die Krise hat – wenn man ihr etwas Gutes abgewinnen möchte – sicherlich dafür gesorgt, dass jetzt Vernunft und gesundes Wachstum im Vordergrund stehen. Die Branche konzentriert sich nun wieder auf jene Investoren, die mit Sorgfalt, nachhaltig und langfristig agieren.

Einige Märkte haben sich nach der Krise sehr gut entwickelt – vor allem der Wohnungssektor in Deutschland und Österreich hat davon sehr profitiert. Trotzdem braucht man sich hier nicht vor einer Blasenbildung zu fürchten, da großteils mit Eigenkapital finanziert wird. Im Gegenzug dazu haben die Märkte in Zentral- und Südosteuropa sehr gelitten und befinden sich zum Teil immer noch in der Talsohle und unter ihrem fundamentalen Wert.

Erst wenn das Vertrauen der Investoren zurückkehrt und Osteuropa wieder als attraktiv erkannt wird, kann die Krise endgültig überwunden werden. Ich für meinen Teil bin überzeugt davon, dass gerade in den substanziell und gesamtwirtschaftlich gesunden Ländern in Zentral- und Südosteuropa das größte Wachstumspotenzial liegt – nur eben in einem gesunden, realistischen Tempo.

Leserfrage: Zypern, Gold, es tut sich immer etwas an den Börsen. Worin liegen momentan die Herausforderungen bei der Geldanlage und welche Regionen, Assetklassen oder Titel sagen Ihnen zu?

Streuung hat in unsicheren Zeiten Priorität

Das niedrige Zinsniveau führt dazu, dass Anlageklassen mit geringem Risiko kaum Ertrag abwerfen. Ein realer Verlust (Ertrag geringer als die Inflation) ist vorprogrammiert. Wer mehr Ertrag möchte muss mehr riskieren.

Das wichtigste dabei ist die Streuung. Gerade in relative unsicheren Zeiten ist das die oberste Prämisse. So sollten neben konservativen Anleihen oder Sparbüchern Assetklassen wie Aktien und High Yield Anleihen in einem Portfolio nicht fehlen. Zusätzlich ist auf eine Streuung von Regionen und Währungen zu achten.

Wieder einmal kann ich nur Investmentfonds empfehlen, die mit ihrer gesetzlich vorgegebenen Streuung von Einzeltitel schon einen wesentlichen Vorteil gegenüber Einzelinvestment darstellen. Sucht man sich noch dazu einen globalen Aktienfonds, HighYield Fonds oder gemischten Fonds aus, so hat man schon einen sehr hohen Grad an Streuung erreicht.

An dieser Stelle einzelne Regionen oder Assetklassen hervorzuheben ist eine zu kurzfristige Betrachtung. Langfristig wird man wahrscheinlich in den wirtschaftlichen Wachstumsregion die besten Erträge erzielen können.

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