Verfasst am 21.10.2011 um 12:29, Autor: NH
Agrana: CEO Marihart sieht Afrika als Zukunftsmarkt
"Hohes Wachstumspotential"
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Nach den zuletzt guten Zahlen sowie der Eröffnung des zweitgrößten Zuckersilos Europas verteidigt Agrana derzeit die Erhöhung des Zuckerpreises im Oktober. Welche Prognosen es für das allgemeine Marktumfeld gibt und welche neuen Märkte man bei Agrana ins Visier nimmt, wollte DerBörsianer.com von CEO Marihart wissen.DerBörsianer.com: Bei den kürzlich veröffentlichten Halbjahresergebnissen wurden markanten Steigerungen ausgewiesen. Worin liegen die Ursachen für die positive Entwicklung?
 
Johann Marihart: Zu dieser positiven Entwicklung trugen alle drei Segmente - Zucker, Stärke und Frucht - bei. Einerseits wirkten sich die in den Vorjahren eingeleiteten Optimierungsmaßnahmen positiv aus, andererseits profitierten wir in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres von guten Marktbedingungen.
 
DerBörsianer.com: Welche Rolle haben die Unternehmens-Segmente jeweils für den wirtschaftlichen Erfolg gespielt?
 
Johann Marihart: Die überdurchschnittliche Steigerung des operativen Ergebnisses war zum Großteil vom Zuckersegment getragen. Hier ließen die gestiegenen Weltmarktpreise und die durch die EU-Zuckerpolitik geschaffene Importabhängigkeit der EU vom Weltmarkt das EU-Preisniveau stark ansteigen. Agrana konnte durch rechtzeitige Rohstoffdeckung alle Vereinbarungen mit ihren Kunden hinsichtlich Preisen und Mengen einhalten. Diese Maßnahmen, zusammen mit konsequenter Marktorientierung sowie Marktflexibilität – etwa bezüglich der zusätzlichen Importmöglichkeiten oder des Absatzes von Nicht-Quotenzucker im EU-Food-Markt aufgrund der Quotenumwandlung durch die Europäische Kommission – führten zu einem markanten Anstieg des operativen Ergebnisses.
 
Innerhalb des Segments Frucht war der Fruchtsaftkonzentratbereich hauptverantwortlich für die EBIT-Steigerung um rund 45 Prozent. Im Segment Stärke konnte ein Zuwachs beim operativen Ergebnis um knapp 18 Prozent erreicht werden. Höhere Verkaufspreise konnten Rohstoffkostensteigerungen kompensieren.
 
DerBörsianer.com: Mit welchen Entwicklungen wird bei Agrana für den weiteren Jahresverlauf gerechnet?
 
Johann Marihart: Agrana rechnet für das Gesamtjahr 2011/12 aufgrund eines positiven Marktumfeldes und basierend auf den starken Ergebnissen des ersten Halbjahres mit einem erhöhten Konzernumsatz und einem deutlich gesteigerten operativen Ergebnis. Dieses wird voraussichtlich primär von den Segmenten Zucker und Stärke getragen und soll unter anderem auch durch weitere Prozessoptimierungen und Energieeffizienzsteigerungen erreicht werden. Die anhaltende Volatilität der Rohstoffpreise erschwert eine exakte Prognoserechnung für das zweite Halbjahr.
 
DerBörsianer.com: Wie wird sich das allgemeine Marktumfeld in den nächsten Quartalen präsentieren?
 
Johann Marihart: Im Segment Zucker wird weiterhin mit einer hohen Volatilität des Weltmarktpreises, der sich durch die Importnotwendigkeit der EU immer stärker auch auf den Binnenmarkt auswirkt.
 
Im Segment Stärke ist mit einer anhaltend hohen Marktnachfrage - insbesondere im technischen Bereich, bei Isoglukose, Bioethanol und Nebenprodukten - zu rechnen. Bedingt durch die aktuellen Entwicklungen am Zuckermarkt kann im Bereich Stärkeverzuckerungsprodukte, wie Glukose und Isoglukose, ebenfalls mit einer hohen Marktnachfrage gerechnet werden.
 
Im Bereich Fruchtzubereitungen kann grundsätzlich von einem weiteren Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauches ausgegangen werden. Das gilt insbesondere für die Länder Russland, Ägypten, Südafrika und China, aber auch für Nord- und Lateinamerika.
 
DerBörsianer.com: Nicht nur in Zentral- und Osteuropa, sondern auch in Asien gibt bzw. gab es Engagements der Agrana. Welche Regionen stellen in näherer Zukunft attraktive Märkte dar?
 
Johann Marihart: Agrana sieht beispielsweise in Afrika – vor allem Nord- und Südafrika - einen Zukunftsmarkt mit hohem Wachstumspotential. Ihren Produktionsstandort in Ägypten, welchen Agrana im Rahmen ihres Joint Ventures mit dem ägyptischen Unternehmen Nile Fruits unter dem Firmennamen „Agrana Nile Fruits“ betreibt, hat Agrana Ende Mai 2011 in Betrieb genommen. In Südafrika betreibt Agrana bereits seit 2006 in Kapstadt ein Werk für Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentrate, in Johannesburg wird ein weiteres Werk für Fruchtzubereitungen Ende des Monats in Betrieb gehen.
 
DerBörsianer.com: Zuletzt wurde durch Agrana am Standort Tulln der zweitgrößte Zuckersilo Europas eröffnet. Welche wirtschaftliche Bedeutung hat dieses Projekt?
 
Johann Marihart: Mit Inbetriebnahme des neuen Zuckersilos, welcher der Lagerung von 70.000 Tonnen Kristallzucker dient, ergibt sich am Standort Tulln damit eine Lagerkapazität von insgesamt 180.000 Tonnen Kristallzucker. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 11 Mio. Euro.
 
DerBörsianer.com: Welche logistischen Vorteile ergeben sich daraus?
 
Johann Marihart: Durch den neuen Silo wird der Transport von 70.000 Tonnen Kristallzucker in die bisher für diesen Zweck verwendeten Lagersilos in Enns und Petöhaza in Ungarn vermieden, womit nicht nur Transportkosten gespart werden, sondern auch eine erhebliche jährliche CO2-Emissionsreduktion erzielt wird. Darüber hinaus kommt bisher ungenutzte Abwärme aus der Zuckerproduktion zur Beheizung und Konditionierung des Silos zum Einsatz, was zusätzlich 330.000 kWh Primärenergie in Form von Erdgas  bzw.  entsprechende CO2-Emissionen spart.
 
DerBörsianer.com: Mit den österreichischen Rübenbauern hat man sich im September auf eine Nachzahlung verständigt. Welche Beweggründe haben diese Einigung seitens Agrana getragen?
 
Johann Marihart: Mit Einigung auf höhere Rübenpreise werden die Rübenbauern an den gestiegenen Verkaufserlösen für Zucker, von denen Agrana aufgrund hoher Weltmarktpreise profitiert, beteiligt. Gleichzeitig bedeutet die  Nachzahlung eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Zuckerrübe gegenüber Konkurrenzkulturen wie Getreide und Mais, deren Preise ebenfalls angestiegen sind.
 
DerBörsianer.com: Wie stehen Sie einer Liberalisierung des Zuckermarktes gegenüber?
 
Johann Marihart: Mit den derzeit kursierenden Überlegungen, die Kernelemente der Zuckermarktordnung nur noch bis zum 30. September 2015 beizubehalten, riskiert die EU-Kommission einen weiteren Rückgang der Zuckererzeugung aus Rüben und erhöht die Volatilität sowie Versorgungsunsicherheit auf dem EU-Zuckermarkt.
 
Die Liberalisierung des Zuckermarktes würde zum Einen den Verlust der Planbarkeit für die Zuckerproduzenten, insbesondere der Rübenbauern, welche, anders als Getreidebauern nur einen Abnehmer für ihr Produkt haben, und zum Anderen eine Preis- und Versorgungsunsicherheit für die Konsumenten bedeuten. Bei einer weiteren Reduktion der Produktionsquoten liefert man sich noch mehr den kaum vorhersehbaren und zunehmend erratischen Bewegungen des Weltmarktes aus.
 
DerBörsianer.com: Welche Schlussfolgerung gibt sich daraus für Agrana?
 
Die Agrana betont im Interesse der Aufrechterhaltung einer nachhaltigen Rüben- und Zuckererzeugung und der Versorgungssicherheit für die europäischen Verbraucher die Notwendigkeit zur Fortsetzung der gegenwärtigen Zuckermarktordnung.
 
DerBörsianer.com: Warum sollten Anleger ein Auge auf die Agrana-Aktie haben?
 
Johann Marihart: Wir sehen unsere Aktionäre als langfristige Partner in der Realisierung unserer Unternehmensziele und bieten ihnen eine längerfristig ausgerichtete attraktive Anlagerendite bei ausgewogener Risikolage selbst in einem volatilen Umfeld. Gerade in einer aktuell turbulenten Zeit an den Börsen profitiert die Aktie von ihrem defensiven Charakter, dem konservativen Geschäftsmodell und der stabilen Eigentümerstruktur. Das zeigt auch konkret die Kursentwicklung zuletzt - während der ATX im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres um 21 Prozent verlor, stieg der Kurs von Agrana um 5,3 Prozent.
 
DerBörsianer.com: Gibt es sprichwörtliche „Zuckerl“, die den Aktionären bereits jetzt in Aussicht gestellt werden können?
 
Johann Marihart: Wenn Sie damit das Thema „Dividende für 2011/12“ ansprechen wollen, kann ich dazu sagen, dass wir unter anderem bei unserer HV im Juli und auch im aktuellen Geschäftsbericht angeführt haben, die langfristige Unternehmenspolitik einer Ausschüttungsquote von rund 35 bis 40 Prozent zu verfolgen. 


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