Verfasst am 09.02.2012 um 09:47, Autor: NH
Erste-Analyst Artner: "Nachhaltige Wende vollzogen"
Wir seheneine große Zurückhaltung internationaler Investoren bei österreichischen Aktien
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Günther Artner, Co-Leiter des gesamten CEE Equity Research der Erste Group, erwartet ein klar positives Jahr für die Wiener Börse. Welche Trends und Entwicklungen er im Detail sieht, darüber sprach er mit DerBörsianer.com.DerBörsianer.com: Nach einem sehr durchwachsenen Jahr 2011 hat das Jahr 2012 für an den Börsen bisher leichte Tendenzen nach oben gezeigt. Welche Entwicklungen erwarten sie heuer an der Wiener Börse?
 
Günther Artner: Wir erwarten uns in Summe ein klar positives Aktienjahr, wenngleich Rückschläge mit Sicherheit eingeplant werden müssen. Die Charttechnik signalisiert aber eindeutig, dass eine nachhaltige Trendwende vollzogen ist und dass der mittelfristige Trend nach oben zeigt.
 
DerBörsianer.com: Das konjunkturelle Umfeld wird den Prognosen zufolge 2012 nicht einfach. Welche Branchen bzw. Sektoren sind in diesem Kontext besonders attraktiv?
 
Günther Artner: Mit soliden industriellen Werten, die mit der Finanzkrise wenig direkten Zusammenhang haben, und die noch dazu wenig verschuldet sind, kann man wohl nicht viel falsch machen. Das wären zum Beispiel eine Lenzing, OMV, RHI, voestalpine, Kapsch TrafficCom, AMAG oder Polytec. Aus dem Immobilienbereich würde ich noch eine Immofinanz nennen. Der Finanzbereich wird sicher weiterhin volatil bleiben. Hier ist eine Vienna Insurance Group als defensiverer Wert zu favorisieren, aber auch eine Raiffeisen Bank International wird das Jahr 2012 aller Voraussicht nach mit schönen positiven Vorzeichen schließen. Bankwerte dürften im Jahr 2012 das Salz in der Suppe werden.
 
DerBörsianer.com: Wie lautet Ihre Prognose für das Kursziel des ATX im heurigen Jahr?
 
Günther Artner: Als konservatives Ziel würde ich für das Jahr 2012 2.250 Punkte nennen. Wenn es mehr wird, umso schöner. Im Jahr 2013 sehe ich den ATX dann auch wieder mindestens auf Niveau des Buchwerts, der Ende 2013 bei rund 2.500 Punkten liegen dürfte.
 
DerBörsianer.com: Wird 2012 ein Jahr für IPOs in Wien?
 
Günther Artner: Das erste Halbjahr sicher noch nicht. IPOs brauchen üblicherweise eine Vorlaufzeit von einigen Monaten mit stabil positiver Börsentendenz. Im zweiten Halbjahr könnten IPOs ein Thema sein.
 
DerBörsianer.com: Welche Auswirkungen könnte die Wiedereinführung der Börsenumsatzsteuer für den Finanzplatz Wien haben?
 
Günther Artner: Hier würde ich mir deutliche negative Auswirkungen für den Finanzplatz erwarten. Ein weiterer Abzug der Liquidität in Richtung von alternativen Handelsplätzen wäre die Folge. Es sollte aber genau das Gegenteil das Ziel sein, nämlich möglichst viel der Umsätze wieder an die Börse zurückbringen.
 
DerBörsianer.com: Die Wiener Börse AG ist international in Zentral- und Osteuropa engagiert - welche Chancen und Risiken könnten sich im laufenden Jahr daraus für die Marktteilnehmer ergeben?
 
Günther Artner: Zentral- und Osteuropa wird von Investoren derzeit neutral bis leicht negativ beurteilt, obwohl - Ungarn einmal ausgenommen - sich die Region in dieser Phase der Finanzkrise sehr stabil erwiesen hat. Das Wachstumsdifferenzial zu Westeuropa ist nach wie vor positiv, wenngleich nicht mit Asien oder Lateinamerika zu vergleichen. Wir hoffen, dass die CEE-Region im Laufe des Jahres 2012 von Investoren wieder vermehrt als Chance wahrgenommen wird, wie es vom wirtschaftlichen Standpunkt eigentlich auch sein sollte.
 
DerBörsianer.com: Welche Bedürfnisse sind aktuell bei den Anlegern zu erkennen?
 
Günther Artner: Dies ist sehr unterschiedlich. Prinzipiell sehen wir noch eine größere Zurückhaltung internationaler Investoren bei österreichischen Aktien. Erste Privatinvestoren versuchen jedoch schon auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Die breite Masse der Privatanleger ist noch immer eher an festverzinslichen Produkten mit einer etwas über den Staatsanleihen liegenden Verzinsung interessiert.
 
DerBörsianer.com: Welche Auswirkungen sind durch den Triple A Verlust zu erwarten?
 
Günther Artner: Die Auswirkungen dieser Entscheidung auf der Anleihenseite waren gleich Null. Der Aktienmarkt ist seit dem Downgrade interessanterweise eigentlich fast nur gestiegen. 


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