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Verfasst am 17.11.2011 um 15:26, Autor: DH
Johannes Rogy über die Vorzüge Skandinaviens
„Solide Staatshaushalte, gute Fundamentaldaten und hohe Beschäftigungszahlen machen den Unterschied aus.“
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Johannes Rogy: Das große Problem für viele Staaten in der Eurozone ist die Umschichtung der Schulden des privaten Sektors auf die öffentliche Hand infolge der Finanzkrise des Jahres 2007. Dies hat zur Folge, dass sich heute viele Staaten am Rande der Belastungsgrenze befinden, da sie die überbordende Staatsverschuldung kaum noch managen können. Und es trifft vor allem diejenigen besonders hart, die bereits vor der Krise nicht sorgsam gewirtschaftet haben. Ganz anders stellt sich die Situation in der nordischen Region dar. Solide Staatshaushalte, gute Fundamentaldaten und im internationalen Vergleich sehr hohe Beschäftigungszahlen bestimmen das Bild.
DerBörsianer.com: Agiert die Politik dort geschickter oder wie erklären Sie sich die stabile Fiskalpolitik und die gute Wirtschaftslage?
Johannes Rogy: In den 1980ern und 1990ern befanden sich auch die skandinavischen Länder in einer tiefen Wirtschafts- und Finanzkrise. Aber alle Länder haben diese Krise als Chance genutzt. Es wurde frühzeitig erkannt, dass der Ausweg darin besteht, konkurrenzfähig zu sein und zu bleiben. So hat man sich zur Globalisierung bekannt und ein Handelssystem, in dem Protektionismus keine Rolle spielt, implementiert.
DerBörsianer.com: Was macht die Wirtschaft der einzelnen Staaten aus?
Johannes Rogy: Allen voran verfügt Norwegen über riesige Erdöl- und Erdgasvorkommen, die das Land zudem vollständig exportieren kann, da es seinen Energiebedarf komplett über heimische Wasserkraftwerke abdeckt. Norwegen gehört zu den weltweit größten Erdölexporteuren und hat seit der Erschließung dieser fossilen Rohstoffe eine enorme wirtschaftliche Entwicklung von einer armen, vor allem agrarisch ausgerichteten Volkswirtschaft hin zu einem Wohlstandsstaat vollzogen.
DerBörsianer.com: Und was macht Schweden, Dänemark und Finnland interessant?
Auch Schweden ist stark exportorientiert und die Wirtschaftsstruktur ist geprägt durch einige große und global ausgerichtete Firmen. Diese international leistungsfähigen Branchen erstrecken sich über die Holz-, Zellstoff- und Papierindustrie, die verarbeitende Industrie, also Fahrzeuge, Elektrotechnik und Pharma, bis hin zur IT, Biotechnik und erneuerbaren Energien.
Dänemarks Wirtschaft zeichnet sich durch viele mittelständische Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aus, die oft hoch spezialisiert, innovativ und exportstark sind und dabei auch noch technologisch ganz vorn liegen. In den letzten Jahren entwickelte sie sich in einem immer stärker globalen Umfeld weiter.
Finnland verfügt über die wohl exportorientierteste Volkswirtschaft aller vier nordischen Länder. Etwa 70% der finnischen Exporte entfallen auf die Holz- und Papierindustrie. Die größten Wirtschaftszweige befinden sich darüber hinaus in den Sektoren Telekommunikation und IT.
DerBörsianer.com: Viele Menschen denken zuerst an Ikea, Nokia, Volvo oder den Elchtest. Es gibt aber eine Vielzahl von Leitbetrieben. Vielleicht können Sie uns einige interessante nennen?
Johannes Rogy: Da gibt es sicherlich mehrere. Ein gutes Beispiel ist Carlsberg, die dänische und viertgrößte Bierbrauerei der Welt. Carlsberg ist nicht nur in seinen heimischen Märkten Nordeuropas stark vertreten, sondern auch in West- und Osteuropa sowie in Asien. Die Bilanzen sind solide und auch die Nachfrage dürfte aufgrund der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft und den olympischen Spielen 2012 steigen.
Dann gibt es auch noch Metso. Vielen Leuten ist das Unternehmen gänzlich unbekannt, aber Metso ist einer der interessantesten Industriebetriebe Skandinaviens. Er bietet Dienstleistungen und Technologien von Maschinen zur Rohstoffförderung und -verarbeitung über Kraftwerke zur Energiegewinnung bis hin zu Maschinen zur Papiererzeugung an. Auch hier liegen solide Bilanzzahlen vor und die Aufträge haben sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.
DerBörsianer.com: Wie können nun Anleger von der wirtschaftlichen Stärke profitieren?
Johannes Rogy: Da gibt es mehrere interessante Möglichkeiten. Insbesondere für die Anleger, die ihre Investitionen über den Euro hinaus diversifizieren wollen und dabei eher risikoavers sind, sind die norwegischen und schwedischen Märkte für Staats-, Unternehmens- und Hypothekenanleihen attraktiv. Denn sie bieten ein hohes Maß an Liquidität, eine sehr gute Bonität und attraktive Renditen. Investoren, die Aktienfonds bevorzugen, können von den soliden Unternehmen der diversifizierten Anlageregion profitieren. Hier bieten wir als eines der führenden Investmenthäuser, das im Norden zu Hause ist, den „Nordea 1 - Nordic Equity Fund“ und „Nordea 1 - Nordic Equity Small Cap Fund“ an.
DerBörsianer.com: Anleger sind massiv aus dem Euro geflüchtet. Sind Fremdwährungen wie die schwedische oder norwegische Krone eine echte Alternative zum Schweizer Franken?
Johannes Rogy: Seit die Schweizer ihre Währung an den Euro gekoppelt haben, ist das Interesse an der schwedischen und der norwegischen Krone deutlich gestiegen und viele Anleger sehen diese Währungen als sichere Häfen. Beide Währungen habe seit ihren Tiefs Ende 2008 aufgrund der Solidität der beiden Volkswirtschaften wieder deutlich aufgewertet. Wir bei Nordea sind der Meinung, dass die starken volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten dieser Staaten die jeweiligen Währungen auch auf lange Sicht stützen werden.
DerBörsianer.com: Wie Sie zuvor bereits erwähnt haben, ist das Sicherheitsbedürfnis bei der Geldanlage zur Zeit groß. Was haben die nordischen Anleihenmärkte zu bieten?
Johannes Rogy: Die norwegischen Märkte für Unternehmensanleihen und Covered Bonds sind in den vergangenen Jahren rasant auf 210 Mrd. Euro gewachsen. Insbesondere das Angebot an High Yield-Unternehmensanleihen ist in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen. Der Anleihenmarkt Schwedens ist mit rund 240 Mrd. Euro etwas größer. Die bedeutendsten Emittenten am schwedischen Anleihenmarkt sind der Staat sowie Hypothekeninstitute.
DerBörsianer.com: Die Diversifikation bei Investitionen wird immer wichtiger. Wie viel Skandinavien darf es in einem Depot sein?
Johannes Rogy: Es gibt keinen Grund, warum Skandinavien nicht in einem Depot sein sollte. Aber wie viel es exakt sein darf, lässt sich nicht pauschal beantworten. Hierfür muss die individuelle Situation des Anlegers betrachtet werden, am besten im Zuge eines Beratungsgesprächs.
DerBörsianer.com: Welche Produkte werden bei Ihnen aktuell stark nachgefragt?
Johannes Rogy: Derzeit werden nahezu 39 Mrd. Euro in festverzinslichen, skandinavischen Wertpapieren verwaltet. In Verbindung mit der aktuellen Marktsituation ist es daher nicht verwunderlich, dass insbesondere unsere nordischen Anleihenlösungen besonders beachtet und nachgefragt werden.
DerBörsianer.com: Ihre Mutterkonzern Nordea zeigt sich in der Krise, im Gegensatz zu viele anderen Banken, sehr stabil. Was steckt hinter der soliden Performance?
Johannes Rogy: Die Nordea Bank hat eine bessere Eigenkapitalausstattung als ihre meisten europäischen und amerikanischen Konkurrenten, hat besseren Zugang zu den Kapitalmärkten und überdies ein geringeres Ausfallrisiko. Also eine gute Voraussetzung in den aktuellen Märkten und ein solides Fundament für die Zukunft.
DerBörsianer.com: Erleben wir 2012 eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte Skandinavien?
Johannes Rogy: Norwegens und Schwedens Anleihemärkte werden Investoren nach Einschätzung unserer Experten auch 2012 hohe Liquidität bieten. Denn wenngleich die nordischen Länder ihre Staatsverschuldung kontinuierlich abbauen, werden sie die Anlegernachfrage weiterhin adäquat bedienen können. Als exportstarke Länder wird für Norwegen und Schweden 2012 viel vom Verlauf der Weltwirtschaft abhängen. Wir gehen allerdings in unserem Basis-Szenario davon aus, dass die Weltwirtschaft allgemein und die Eurozone im Besonderen nicht in eine Rezession zurückfallen werden.
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