Verfasst am 31.10.2011 um 08:56, Autor: DH
Peter Pavlicek: „Diese Krise ist real“
Schuld am negative Image in der Öffentlichkeit sind die typischen Investmentbanken
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Die Wirtschafts- und Finanzkrise kratzt gewaltig am Image der Banker. Die Kritiker sparen nicht mit Schelte, wenn es um die Geldhäuser geht. DerBörsianer.com spricht mit BAWAG P.S.K Invest Geschäftsführer Peter Pavlicek über Ursachen, Herausforderungen und Chancen an den Märkten. DerBörsianer.com: Herr Pavlicek, wie ist die Stimmung an den Märkten?

Peter Pavlicek: Die massive Unsicherheit ist seit dem Gipfel in Brüssel vergangenen Mittwoch einer fundierten Hoffnung gewichen. Wie bei einer Krebskrankheit wurde der erste Tumor beseitigt. Jetzt kommt die Chemo und hoffentlich keine neuen Geschwüre. Psychologisch und monetär wichtige Entscheidungen dürfen über anhaltende Probleme jedoch nicht hinwegtäuschen.

DerBörsianer.com: Wie lange dauert es Lösungen herbei zu führen?

Peter Pavlicek: Die Problematik kann nicht schnell gelöst werden. Große Geduld ist gefragt.

DerBörsianer.com: Wie viel von der Krise ist herbeigeredet und tatsächlich real?

Peter Pavlicek: Da ist alles sehr real und ich fürchte, es wird noch einiges aufpoppen. Ich denke da an die generelle Verschuldungsthematik, besonders in den USA, die Kapitalisierung der EZB, die Entwicklung der Pensionssysteme und die allgemeine Konjunkturentwicklung.

DerBörsianer.com: Das Image der Banker ist am Boden. Sind sie wirklich an allem Schuld? 

Peter Pavlicek: Da sollte man zwischen Wirtschaftskrisen, Immobilienblase, USA und Lehman Brothers unterscheiden. Teilweise aber ja, wobei die Urschuld sicher in den typischen Investmentbanken zu finden ist. Mittlerweile wurden diese harmloser, Institutionen und Hedgefonds sind jedoch nach wie vor eine große Unbekannte.

DerBörsianer.com: Wer hat die Krise in Europa ausgelöst? 

Peter Pavlicek: Die Krise in Südeuropa wurde größtenteils durch verfehlte Politik ausgelöst. Es ist falsch und Thema eines fehlenden Lobbying, Banken zu verdammen, besonders die heimischen Vertreter der systemerhaltenden Banken. Regulieren ja, verurteilen nein. Banken sind für Volkswirtschaften unverzichtbar und es geht nicht ohne ein Miteinander.

DerBörsianer.com: Stichwort Politik, ist diese nicht hilflos und unentschlossen? 

Peter Pavlicek: Sehr lange war das so. Langsam kommt Bewegung in die europäische Politik. Ich hoffe, der „Drive“ zur versuchten Einigkeit nimmt noch zu. Auf lange Sicht wird Europa nur bestehen, wenn es einig auftritt.

DerBörsianer.com: Welche Herausforderungen bringt die Zeit für Asset Manager mit sich?

Peter Pavlicek: Mehr Flexibilität als je zuvor ist notwendig und ein genaues Abklären des Kundenwunsches ist hinsichtlich Risikovermeidung extrem wichtig. Rendite kann und soll nicht außer Acht gelassen werden, aber die Parameter, wie diese erzielt werden kann, haben sich geändert.

DerBörsianer.com: Welche Bedürfnisse und Sorgen haben Ihre Kunden?

Peter Pavlicek: Sicherheit, Sicherheit und nochmals Sicherheit. Jedes Investment soll natürlich einen Return bringen, aber das Hauptthema lautet „Tilgungswahrscheinlichkeit“. Es wird von allen Kunden priorisiert und nachgefragt.

DerBörsianer.com: Erleben wir heuer noch eine Weihnachts-Rally an den Aktienmärkten?

Peter Pavlicek: Es würde mich freuen, ich bin vorsichtig optimistisch aber viele Fragen sind noch offen. Einigen guten Börsentagen können sehr rasch mehr negative folgen. Die Reaktionszeiten sind aktuell extrem kurz.

DerBörsianer.com: Wir werden sich die Anleihenmärkte entwickeln?

Peter Pavlicek: Da gut 75 % der Portfolios österreichischer Kunden in Anleihen sind, bleibt das der spannende Faktor für 2012. Die Entwicklung wird maßgeblich von der Konjunktur beeinflusst. Die Inflation in Österreich ist im September mit 3,6 % und in Europa mit 3 % wieder deutlich gestiegen. Es sind eher Zinssenkungen zu erwarten. Die Lohnabschlüsse werden hoch bleiben und der Ölpreis wird wieder steigen. Ich glaube, dass Qualität bei Anleihen, zum Beispiel Mündelsicherheit, stark nachgefragt bleiben wird. High Yield Bonds bilden ebenso eine Alternative. In diesen Produktbereich sind wir sehr gut aufgestellt. 

DerBörsianer.com: Von welchen Anlageregionen werden wir im nächsten Jahr hören?

Peter Pavlicek: Von den gleichen wie immer, da breit diversifizierte Portfolios in den meisten Asset Klassen vertreten sein müssen. Auf der Anleihenseite Hervorstechen werden einerseits Covered Bonds und mündelsichere Anleihen. Anderseits kommt mit einer Verstärkung der Konjunktur das Thema Inflation stärker hervor und beeinflusst langlaufende Anleihen(-Fonds).
Auf der Aktienseite wird sich die Frage stellen, ob Blue Chips die Unternehmenserfolge prolongieren können und ob Unternehmen aus Schwellenländern wie Osteuropa mithalten werden können.   

DerBörsianer.com: Die Handelsumsätze an der Wiener Börse sind gering, wie kann man den heimischen Kapitalmarkt zukünftig stärken? 

Peter Pavlicek: Dieser sollten eigentlich durch vergleichsweise geringes Engagement in den Krisenregionen gestärkt hervorgehen, eine initiative Wiener Börse und eine offene Interessensvertretung, wie wir sie seit Jahren haben, sind eine gute Basis für erstarkende Kapitalmärkte wenn die Krise vorbei ist. 

DerBörsianer.com: Welche Wünsche haben Sie von der heimischen Politik?

Peter Pavlicek: Gemeinsam mit den Banken arbeiten und die Finanzbranche fördern. Nachhaltigkeit forcieren, keine Alleingänge produzieren, die den Finanzplatz Österreich schwächen (zum Beispiel öffentliches Nachdenken über neue Österreichischer Steuerthemen oder immer wieder Unsicherheit bezüglich Stiftungen hervorrufen) und nur im internationalen Kontext akkordierte Maßnahmen umsetzen. 


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