Verfasst am 28.09.2011 um 11:29, Autor: NH
RCM-Analyst Loacker sieht kein Ende der Lebensmittel-Rallye
"Aufbau strategischer Reserven könnte Preisanstiege am ehesten eindämmen"
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Die Preise für Lebensmittel verzeichneten im heurigen Jahr sehr starke Anstiege. Im Oktober soll nun der Zuckerpreis um 20 Prozent angehoben werden, wie der Zuckerkonzern Agrana zuletzt bestätigt hat. DerBörsianer.com sprach mit Hannes Loacker, Analyst im Team "Aktien Global" der Raiffeisen Capital Management, über zu erwartende Entwicklungen bei den Lebensmittelpreisen.DerBörsianer.com: Die Lebensmittelpreise bleiben konstant auf hohem Niveau, weitere Anstiege werden erwartet. Wo liegen hier die eminenten preistreibenden Faktoren?
 
Hannes Loacker: Als wichtigster preistreibender Faktor fungiert die Nachfrage. Wenig überraschend ist in erster Linie der Nachfrageanstieg aus den Emerging Markets gemeint, der wiederum lässt sich mit dem Bevölkerungswachstum in diesen Ländern erklären. Ein gestiegenes Einkommen in den so genannten Schwellenländern wirkt sich ebenfalls auf die globale Nachfrage aus.
 
DerBörsianer.com: Die OECD sieht vor allem aufgrund der schnell wachsenden Bevölkerungszahlen in den Entwicklungsländern die Gefahr eines langfristigen Nachfrageüberschusses. Mit welchen Auswirkungen müsste dann gerechnet werden?
 
Hannes Loacker: Ein weiterer Anstieg der Nachfrage, vor allem in den Emerging Markets, ist unbestritten. Die entscheidende Frage ist viel mehr, inwieweit das Angebot Schritt halten können wird. Soll heißen, um einen deutlichen Preisanstieg zu vermeiden, bedarf es Produktionssteigerungen in den Entwicklungsländern.
 
DerBörsianer.com: Welche Regulierungsmaßnahmen, real- wie finanzwirtschaftlicher Natur, könnten die Preisniveaus prophylaktisch stabilisieren?
 
Hannes Loacker: Am ehesten könnten über den Aufbau strategischer Reserven deutliche Preisausschläge eingedämmt werden.
 
DerBörsianer.com: Der Preis für Reis verzeichnete innerhalb der letzten zwölf Monate einen Anstieg von 42 Prozent. Wie lauten Ihre Prognosen für den weiteren Verlauf?
 
Hannes Loacker: Wir haben keine konkreten Prognosen für den Reispreis. Zuletzt hat aber Indien das Exportverbot für „Nicht-Basmatireis“ aufgehoben. Das sollte das Aufwärtspotenzial zumindest begrenzen.
 
DerBörsianer.com: Analysten wie Charttechniker sehen auch wieder deutlich höhere Preise für Weizen und Mais. Welche unmittelbaren Folgen sind hierdurch für Nahrungsmittel- und Futtermittelindustrie zu erwarten?
 
Hannes Loacker: Diese Industrien werden so weit als möglich die höheren Preise weitergeben.
 
DerBörsianer.com: Ist kurzfristig mit einem Boom bei Zucker, der derzeit auf hohem Niveau liegt, zu rechnen?
 
Hannes Loacker: Es stimmt, dass sich der Zuckerpreis auf einem hohen Niveau befindet, wenngleich dieser zuletzt deutlich nachgegeben hat. Beleuchtet man die generelle Angebots- und Nachfragesituation in Brasilien, so sollte es 2012 nur zu einem geringen Produktionsüberschuss kommen. Dadurch bleibt der Markt anfällig für etwaige Produktionsausfälle. Das wiederum sollte den Preis unterstützen.
 
DerBörsianer.com: Wie beurteilen Sie die Auswirkungen des EU-Quotensystems in Hinblick auf die Preisentwicklung bei Zucker?
 
Hannes Loacker: Exporteinschränkungen wie sie bis dato bei Zucker in Europa vorherrschen, können das globale Zuckerangebot einschränken und bewirken damit sicher keine niedrigeren Preise.
 
DerBörsianer.com: Summa Summarum wird mit anhaltend hohen Niveaus bei Lebensmittelpreisen zu rechnen sein – wie können Privatanleger daran partizipieren?
 
Hannes Loacker: Unter anderem können die Anleger mit dem Kauf von Aktien von Lebensmittelproduzenten und Zertifikaten von hohen Lebensmittelpreisen profitieren.
 
DerBörsianer.com: Welche Unternehmen aus der Lebensmittelproduktion stellen langfristig eine attraktive  Investitionsmöglichkeit dar?
 
Hannes Loacker: Südzucker profitiert logischerweise von steigenden Zuckerpreisen. Eine weitere Möglichkeit wäre der Kauf von K+S, da Düngemittelproduzenten sehr stark mit der Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen korrelieren. 


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