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Verfasst am 30.09.2011 um 06:17, Autor: NH
Telekom-CEO Ametsreiter: Leadership gefragt
„Erwirtschaften soliden Cashflow“
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DerBörsianer.com: Im Zuge der Ergebnisveröffentlichung zum ersten Halbjahr im August wurde seitens des Unternehmens von schwierigen ersten sechs Monaten gesprochen. Kann man diese Aussage konkretisieren, bzw. quantifizieren?
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Hannes Ametsreiter: Die Telekom Austria Group hat im ersten Halbjahr 2011 eine gute operative Performance hingelegt, vor allem Slowenien, die Republiken Serbien und Mazedonien sowie Weißrussland in der lokalen Währung zeigten eine positive Umsatzentwicklung.
Der Verlust von 59,2 Mio. Euro im ersten Halbjahr ist vor allem auf den Restrukturierungsaufwand von 218,6 Mio. Euro, der in den kommenden Jahren eine nachhaltige Entlastung der Personalkosten mit sich bringt, und auf die Währungsabwertung in Weißrussland zurückzuführen; der weißrussische Rubel hat im Mai 54 Prozent seines Wertes verloren! Darüber hinaus gab es negative Effekte aus der Senkung der Roaming- und Interconnectiontarife, dem starken Wettbewerb und dem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld in manchen CEE-Ländern.
DerBörsianer.com: Der avisierte Ausblick für die Geschäftsentwicklung der Telekom Austria wurde zurückgenommen, die in Aussicht gestellte Dividende allerdings beibehalten. Mit welchen Entwicklungen wird für die zweite Jahreshälfte gerechnet?
Hannes Ametsreiter: Die Ergebnisse des ersten Halbjahres waren im Rahmen der Erwartungen, es gab also auf der operativen Ebene keinerlei Überraschungen. Wir gehen davon aus, dass sich das Umfeld im zweiten Halbjahr nicht signifikant ändern wird. Womit wir nicht rechnen konnten, war die Abwertung des weißrussischen Rubels um 54 Prozent im Mai 2011, die auf mangelnde Liquidität zurückzuführen ist. Die negativen Effekte der
Währungsabwertung in Weißrussland auf das bereinigte EBITDA schätzen wir für das Gesamtjahr auf 40 bis 50 Mio. Euro.
DerBörsianer.com: Die osteuropäischen Engagements bilden einen wesentlichen Faktor der strategischen Unternehmensausrichtung. Mit welchen Plänen wird das Unternehmen hier in Zukunft aufwarten?
Hannes Ametsreiter: Wir setzen auf die Konvergenz von Festnetz und Mobilfunk. Das bedeutet, wir kombinieren das Beste beider Welten miteinander. In Österreich haben wir mittlerweile mehr als eine Million Kunden, die unsere Kombi-Produkte – Festnetz, SIM-Karte und Internet – verwenden, als Add-on gibt’s dann noch A1TV.
DerBörsianer.com: In welchem strategischen Kontext steht Konvergenz für die Telekom Austria?
Hannes Ametsreiter: Den in Österreich erfolgreich durchgeführten Schritt in Richtung Konvergenz haben wir auch in Bulgarien und Kroatien gesetzt, und zwar mit Hilfe von Akquisitionen: In Bulgarien haben wir zwei Anbieter von Glasfaserinfrastruktur gekauft, in Kroatien den größten Kabelnetzbetreiber des Landes. Wir selektieren potentielle Akquisitionsziele in Abhängigkeit vom Reifegrad des jeweiligen Marktes, wir kaufen nicht um jeden Preis.
Der Börsianer.com: Welche weiteren Kernthemen werden das operative Geschäft mittelfristig prägen?
Hannes Ametsreiter: Ein weiterer Markttrend sind die Smartphones: Die kleinen Taschencomputer werden immer mehr zu Alleskönnern, die großen Displays erlauben problemloses Surfen. Damit verbunden sehen wir einen signifikanten Anstieg der mobilen Datenvolumina.
Zum Thema Datenkommunikation gibt es eine weitere gute Nachricht: Wir haben vor kurzem die Telekom Austria Group M2M GmbH gegründet. Dieses hoch spezialisierte Unternehmen widmet sich den Zukunftsthema Machine-to-Machine, also der automatisierten Datenkommunikation zwischen Endgeräten und einer zentralen Plattform. Ericsson und Cisco sprechen von bis zu 50 Milliarden vernetzten Geräten im Jahr 2020. Wir sehen bei M2M gute Marktchancen auf dem europäischen Markt, das heißt, wir bewegen uns über unseren eigenen CEE-Footprint hinaus. Das neue Unternehmen hat die Aufgabe, dieses neue Geschäftsfeld zu entwickeln.
DerBörsianer.com: Welche weiteren Märkte stellen mittelfristig attraktive Optionen für ein Engagement dar?
Hannes Ametsreiter: Wir konzentrieren uns auf den vorhandenen Footprint in Zentral- und Osteuropa, verschließen uns aber nicht gegenüber interessanten Business Opportunities.
DerBörsianer.com: Warum hat man sich bei der Telekom Austria für die dominante Orientierung hin zur Marke A1 entschieden?
Hannes Ametsreiter: Als konvergenter Anbieter macht eine Positionierung mit zwei Marken, die noch dazu für unterschiedliche Technologien stehen, keinen Sinn. A1 stellt daher den Kunden in den Mittelpunkt. Die technische Basis ist für die meisten Kunden irrelevant, es zählen Qualität, Bandbreiten und Verfügbarkeit.
DerBörsianer.com: Das eher ungeliebte Segment Festnetz konnte zuletzt wieder zulegen – gibt es für diese Entwicklung Ursachen, die nicht aus der Bündelung von Produkten resultieren?
Hannes Ametsreiter: Das Festnetz erlebt eine Renaissance, die vor allem mit dem Hunger nach immer höheren Bandbreiten zu tun hat, die Sprachtelefonie spielt im Festnetz keine bestimmende Rolle mehr, denn Voice ist mobil. Dem Kundenbedarf nach hohen Bandbreiten kommen wir mit den neuen Gigaspeed-Angeboten nach, die auf Glasfaser basieren und schon bald Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s erlauben. Ein konkretes Beispiel, um zu veranschaulichen, was eine derartige Bandbreite bedeutet: Mit ADSL dauert der Download einer Musik-CD elf Minuten, mit den 100 Mbit/s ist das in einer Minute erledigt. Neben den Kombiangeboten ist also schnelles Internet der Treiber der wieder wachsenden Anschlusszahlen im Festnetz.
DerBörsianer.com: Wie will man in Anbetracht der stärker werdenden Konkurrenz Kunden für sich gewinnen?
Hannes Ametsreiter: Zuerst zum österreichischen Markt: Auf diesem relativ kleinen Markt tummeln sich vier Anbieter mit eigener Infrastruktur. Deswegen gilt der österreichische Mobilfunkmarkt als der härteste in ganz Europa. Und deswegen sticht er auch durch ein Preisgefüge bar jeder betriebswirtschaftlichen Vernunft hervor.
Wir positionieren uns mit A1 als Anbieter qualitativ hochwertiger Produkte und Services. Das beste Netz ist in Zeiten von Smartphones auf jeden Fall ein großer Vorteil. Ergänzend zur Premium-Marke A1 sprechen wir mit bob ein sehr junges und preissensibles Kundensegment erfolgreich an.
DerBörsianer.com: Welche Potenziale kann ein Telekommunikationskonzern, wie die Telekom Austria AG, aus dem sukzessive stärker werdenden Markt für mobile Endgeräte und Smartphones generieren?
Hannes Ametsreiter: Die steigende Anzahl mobiler Endgeräte und Smartphones bewirkt einen rasanten Anstieg der Datenvolumina. Das kann in schwach dimensionierten Datennetzen zu Problemen für die Kunden führen und die User Experience empfindlich stören. In England kam es nach dem Launch des iPhones bei einem Mobilfunk-Provider zu Netzausfällen, weil die Kapazitäten einfach nicht auf das intensive Surf-Verhalten der Apple-User ausgelegt waren. Man kann sich also in Zeiten der Smartphones mit einem leistungsfähigen Netz vom Mitbewerb abheben. Wir setzen auf hohe Qualität und das beste Netz. Die Top-Position wurde uns im aktuellen Connect-Test auch erneut bestätigt, aus einem europaweiten Benchmark gingen wir als Nummer Zwei hervor.
DerBörsianer.com: Warum sollten bestehende und potenzielle Aktionäre nach wie vor auf ein Investment in Aktien der Telekom Austria vertrauen?
Hannes Ametsreiter: Die Telekom Austria Group erwirtschaftet einen soliden Cashflow, wir generieren heuer bis zu 800 Mio. Euro operativen Free Cashflow. Wir bieten den Aktionären eine bestätigte Dividendenuntergrenze von 0,76 Euro je Aktie für die Jahre 2011 und 2012. Das entspricht momentan einer Dividendenrendite von über 10 Prozent, ein mehr als attraktiver Wert.
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