Verfasst am 13.02.2012 um 12:15, Autor: dj
Bilfinger profitiert von Dienstleistungsgeschäft
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Bei der Bilfinger Berger SE laufen die Geschäfte rund: Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr höhere Gewinne. Weniger rosig sieht es dagegen bei Hochtief, dem anderen großen Konzern der deutschen Bauindustrie aus, der derzeit mit Verlusten kämpft. Der Grund liegt in unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Die Konzentration auf das profitable Dienstleistungsgeschäft macht sich für Bilfinger nun bezahlt.

Für den Bilfinger-Großaktionär Cevian zahlt sich das Engagement bereits nach wenigen Monaten aus. Der schwedische Finanzinvestor, der im vergangenen Jahr mit knapp 13 Prozent bei den Mannheimern eingestiegen ist, darf sich auf eine höhere Dividende freuen. Auch für die kommenden Jahre verspricht Bilfinger-Chef Roland Koch weiter steigende Gewinne - auch Zukäufe sollen dazu beitragen.

Das vergangene Jahr schloss Bilfinger erfolgreich ab. Robust zeigte sich dabei das größte Geschäftsfeld Industrial Services. Vor allem das Instandhaltungsgeschäft habe sich erfreulich entwickelt, so Bilfinger. Aber auch der Bereich Power Services profitierte von einer guten Nachfrage, insbesondere aus dem Ausland.

Der Verkauf der australischen Valemus spülte rund 160 Millionen Euro zusätzlich in die Kassen. Das Konzernergebnis wuchs daher überproportional um rund 40 Prozent auf 394 Millionen Euro, etwas mehr als von Analysten erwartet. Bereinigt um den Veräußerungserlös verdienten die Mannheimer mit 222 Millionen Euro 7 Prozent mehr.

Dank des Valemus-Verkaufs wird Bilfinger Berger ihren Aktionären einen Bonus von 90 Cent und insgesamt eine Dividende von 3,40 Euro je Aktie zahlen. Analysten hatten hier mit erheblich weniger gerechnet. Vergangenes Jahr wurden 2,50 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Bilfinger Berger hat das Baugeschäft durch den Valemus-Verkauf erheblich zurückgeführt. Der Bereich soll weiter verkleinert und neue Aufträge sollen nur selektiv hereingenommen werden - einen prestigeträchtigen Auftrag zogen die Mannheimer kürzlich mit dem Neubau einer Berliner U-Bahnlinie an Land. Andererseits hat Bilfinger die Beteiligung an Julius Berger in Nigeria gesenkt - eine weitere Rückführung ist geplant.

Der Mannheimer Konzern konzentriert sich auf das höhermargige, weniger konjunkturanfällige und weniger risikoreiche Dienstleistungsgeschäft, das durch Akquisitionen weiter ausgebaut werden soll. Mehr als 1 Milliarde Euro sollen bis 2016 in Zukäufe gesteckt werden. Einige kleinere Zukäufe wurden bereits getätigt. So stieg Bilfinger zum Beispiel in den indischen Markt für Industriedienstleistungen ein. Weitere Akquisitionen sollen folgen, auch in Indien.

Bilfinger fährt damit mittlerweile eine andere Strategie als etwa der zweite große deutsche Baukonzern Hochtief. Die Essener sind zwar auch im Dienstleistungssektor tätig, sind aber weiter von ihren Bauaktivitäten abhängig, etwa in den Wachstumsmärkten Australien oder im Nahen Osten. Dies sorgt in guten Zeiten für sprudelnde Gewinne, kann jedoch auch schief gehen. Bilfinger hat dies selbst erlebt: Fehlschläge bei verschiedenen Projekten, etwa in Katar oder die Pfuschvorwürfe im Zusammenhang mit dem Kölner U-Bahnbau.

Diese bittere Erfahrung musste jüngst auch Hochtief machen, deren australische Tochter Leighton sich mit mehreren Milliardenprojekten verhob, hohe Wertberichtigungen vornehmen musste und den Essener Mutterkonzern 2011 in die Verlustzone zog. Genaue Zahlen wollen die Essener Ende Februar auf ihrer Bilanzpressekonferenz vorlegen. Aber auch 2012 wird nicht alles wieder eitel Sonnenschein: Leighton enttäuschte Anleger am Montag mit einem schwächeren Ausblick: Für das laufende Kalenderjahr prognostizierte der Konzern einen Nettogewinn in der Größenordnung von 600 bis 650 Millionen Australischen Dollar, weniger als Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Zudem muss sich Leighton mit Korruptionsvorwürfen im Irak auseinandersetzen.

Für das laufende Jahr zeigen sich die beiden Konzerne denn auch unterschiedlich optimistisch: Hochtief will früheren Aussagen zufolge wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Operativ - ohne dass Sondereffekte das Ergebnis verzerren - geht der Konzern von einem leicht niedrigeren Niveau im Vergleich zum Rekordjahr 2010 aus. Damals hatte der vom spanischen Bauriesen ACS kontrollierte MDAX-Konzern einen Vorsteuergewinn von rund 757 Millionen Euro und einen Konzerngewinn von 288 Millionen Euro erzielt.

Bilfinger erwartet dagegen trotz der Unwägbarkeiten der europäischen Schuldenkrise ein weiteres Gewinnplus: Dabei profitiert der Konzern auch von dem Verkauf von 18 öffentlich-privaten Betreiberprojekten an einen Infrastrukturfonds. Hier wird Bilfinger voraussichtlich im ersten Quartal einen Veräußerungsgewinn von rund 50 Millionen Euro verbuchen.

Das Konzernergebnis soll 2012 "erheblich" über dem um das Ergebnis aus nicht fortzuführenden Aktivitäten bereinigten Wert von 220 Millionen Euro liegen. Dabei würden steigende Margen und die erwähnten Veräußerungsgewinne zu einer deutlichen Erhöhung des EBITA führen, prognostizierte Bilfinger.

Die Leistung des Konzerns soll - ohne Berücksichtigung möglicher Akquisitionen - durch die weitere Rückführung des Baugeschäfts und die Entkonsolidierung des Nigeriageschäfts zurückgehen.

Die Wachstumsprognose für 2016 bekräftigt Bilfinger. Bis dahin soll die Leistung um bis zu 50 Prozent gesteigert und das Konzernergebnis verdoppelt werden.

Die Aktie von Bilfinger zeigte sich am Mittag mit 2 Prozent im Plus. Bei Hochtief zögerten die Anleger hingegen: Das Papier notierte die überwiegende Zeit in der Verlustzone.

-Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires,

+49 69 29725119, natali.schwab@dowjones.com 


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