Verfasst am 26.01.2012 um 17:18, Autor: dj
EADS-Verwaltungsrat beruft Enders an Konzernspitze
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Der europäische Raumfahrtkonzern EADS hat den Weg für Airbus-Chef Tom Enders an die Konzernspitze freigemacht. Der Manager wurde vom Verwaltungsrat zum Nachfolger des scheidenden CEO Louis Gallois berufen. Sein französischer Vize Fabrice Brégier soll als Enders-Nachfolger an die Airbus-Spitze aufrücken. Eine weitere stark beachtete Personalie ist die Nominierung des früheren EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet zur Wahl in den Verwaltungsrat. Den Vorsitz des Gremiums soll, wie erwartet, Arnaud Lagardère von Bodo Uebber übernehmen.

Mit diesen Entscheidungen hat der Verwaltungsrat einen Schlussstrich unter die anhaltenden Spekulationen gezogen. Die beiden Großaktionäre Deutschland und Frankreich hatten dem Vernehmen nach seit Monaten um die Besetzung der Führungspositionen im Vorstand und im Verwaltungsrat gestritten. Dabei galt es schon seit langem als ausgemacht, dass zur Wahrung des nationalen Gleichgewichtes der deutsche Verwaltungsratsvorsitzende Uebber sein Amt an den Franzosen Lagardere abgibt. Damit einhergehen sollte auch der Wechsel im Vorstand.

"Tom Enders zeichnet sich nicht nur durch seine breite Erfahrung in unseren Geschäftsfeldern aus, sondern auch durch seine herausragenden Führungsqualitäten, sein Charisma und seine erzielten Erfolge", sagte EADS-CEO Louis Gallois.

Eine weitere Personalie ist die des Finanzvorstands. Harald Wilhelm übernimmt - zusätzlich zu seiner derzeitigen Funktion als CFO von Airbus - die Position des CFO von EADS.

Die Verzögerung der früher erwarteten Entscheidung soll auch durch Pläne Enders hervorgerufen worden sein. Er will Medienberichten zufolge eine engere Verzahnung zwischen EADS und Airbus und erwägt eine Zusammenlegung der Finanz- und Personalressorts von Mutter und Tochter. Dies soll Verlustängste bei den Franzosen hervorgerufen haben.

Die Vorschläge, die der Verwaltungsrat für die Besetzung des Gremiums gemacht hat, müssen von der Hauptversammlung abgesegnet werden. Diese soll am 31. Mai im Amsterdam stattfinden.

Bei der Gründung von EADS im Jahr 2000 hatten Deutschland und Frankreich in einem Beherrschungsvertrag vereinbart, dass beide Nationen zu gleichen Teilen an dem Konzern beteiligt sind. Aus diesem Grund werden die Spitzenpositionen bei EADS und Airbus traditionell zu gleichen Teilen von Franzosen und Deutschen besetzt.

Gegenwärtig halten die Sogeade (Lagardere und die französische Staatsholding Sogepa) und Daimler jeweils 22,36 Prozent der Aktien. Weitere 5,44 Prozent sind in den Händen der spanischen Staatsholding SEPI. EADS hält 0,44 Prozent eigene Aktien und 49,34 Prozent sind im Streubesitz.

Der Verwaltungsrat von EADS besteht aus elf Mitgliedern. Ihre Amtszeit endet mit Ablauf der diesjährigen Hauptversammlung. Dem Kontrollgremium gehören die vier unabhängigen Mitglieder Hermann-Josef Lamberti, Lakshmi N. Mittal, Sir John Parker und Michel Pebereau an. Ein weiteres Mitglied, Juan Manuel Eguiagaray, wurde von der spanischen Aktionärin SEPI ernannt, jeweils zwei weitere von Daimler (Rolf Bartke, Wilfried Porth) und Sogeade (Arnaud Lagardere, Dominique D`Hinnin), die die deutsche beziehungsweise französische Interessensvertretung wahrnehmen.

Der Chairman des Verwaltungsrates (Bodo Uebber) und der EADS-CEO (Louis Gallois), der auch einen Platz in diesem Gremium hat, werden von Daimler und Sogeade gemeinsam ernannt.

Die Vorstände von EADS und Airbus plädieren seit geraumer Zeit für eine Reduzierung der staatlichen Beteiligungen. Bisher ist es aber noch nicht gelungen, private Investoren zu finden, die entsprechend große Aktienpakete übernehmen wollen. Außerdem wollen sich Frankreich und Deutschland nur gleichzeitig zurückziehen.

In nächster Zeit wird der staatliche Anteil aber noch steigen. Die Daimler AG will sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und ihre Beteiligung von 15 Prozent verkaufen. Damit das deutsch-französische Gleichgewicht gewahrt bleibt, übernimmt Deutschland zunächst ein 7,5-Prozent-Paket über die KfW. Das Automobilunternehmen übt weitere Stimmrechte von 7,5 Prozent aus, deren wirtschaftlicher Eigentümer das Investorenkonsortium Dedalus ist, an dem die KfW bereits beteiligt ist. Auch hier wird es eine Veränderung geben, da einige Investoren aus dem Konsortium aussteigen wollen.

-Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires;

+49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com

(Stefanie Haxel in Frankfurt hat zu der Meldung beigetragen.) 


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