Verfasst am 13.02.2012 um 16:31, Autor: dj
Kirch-Vergleich belastet Deutsche-Bank-Ergebnis
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Sollte der Vergleich der Deutschen Bank mit den Erben von Medienmogul Leo Kirch tatsächlich umgesetzt werden, über den in den Medien spekuliert wird, könnte dies dem Institut ein Loch in die Bilanz reißen. Zwar käme die Deutsche Bank mit der kolportierten Summe von 775 Millionen Euro relativ glimpflich davon, hatte Kirch doch ursprünglich mehrere Milliarden Euro Schadensersatz gefordert. Doch wurden bei der Bank dafür bisher keine Rückstellungen gebildet.

Nach Meinung von Philipp Hässler, Analyst bei Equinet, dürfte der Betrag daher den Gewinn der Bank direkt schmälern. "Der berichtete Betrag von fast 800 Millionen Euro klingt sehr hoch", sagte er. Hässler geht davon aus, dass der Betrag im ersten Quartal 2012 verbucht werde. Allerdings werde die Zahlung von dem Institut sicherlich nur dann geleistet, wenn die Kirch-Seite damit alle weiteren Ansprüche zurückziehen. "So viel Geld zahlt die Deutsche Bank nur, wenn in der Lösung - soweit möglich - alles drin ist", sagte der Analyst.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher wollte die Marktgerüchte gegenüber Dow Jones Newswires nicht kommentieren. Das Frankfurter Institut hat allerdings auch noch nicht alle rechtlichen Schritte ausgeschöpft. Zum einen ist noch ein Befangenheitsantrag gegen den zuständigen Richter beim Oberlandesgericht München anhängig. Zum anderen könnte die Deutsche Bank noch den erneuten Gang zum Bundesgerichtshof (BGH) wagen.

Der BGH hatte 2006 geurteilt, dass die Aussage des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer in einem Fernsehinterview prinzipiell dazu geeignet sei, eine Schadenersatz-Zahlung auszulösen. Kirch müsse dazu nachweisen, dass die Äußerung Breuers zur Insolvenz der Kirch-Gruppe geführt habe.

Investoren beeindruckten die Neuigkeiten wenig. Die Aktie reagierte kaum und notierte gegen Börsenschluss leicht positiv mit 0,9 Prozent bei 33,76 Euro.

Sollte es tatsächlich zu einer Einigung kommen, würde ein Mammutprozess zu Ende gehen, der vor zehn Jahren begann. Die Wurzeln liegen in der damals größten Firmenpleite. 2002 schlitterte die Kirch-Gruppe mit rund 10.000 Mitarbeitern und mehr als sechs Milliarden Euro Schulden in die Insolvenz. Medienzar Kirch sah in einem Fernsehinterview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer die Ursache für die Insolvenz.

Ausgangspunkt der gerichtlichen Schlacht war die Aussage Breuers: "Was alles man darüber hören und lesen kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Breuer habe damit die Kreditwürdigkeit des Kirch-Konzerns öffentlich in Frage gestellt, argumentierte Kirch, was dann zur tatsächlichen Insolvenz geführt habe.

Im November hatte es noch Durchsuchungen in den Büros von Josef Ackermann und anderen Top-Managern der Bank gegeben. Der Vorwurf war Prozessbetrug. Für Ackermann wurde mit der Durchsuchung der angepeilte Weg in den Aufsichtsrat seines Bankhauses endgültig versperrt. Im Dezember folgte dann die Einstellung des Strafprozesses gegen Breuer. Das Landgericht München beendete das Verfahren ohne Urteil gegen eine Geldauflage von 350.000 Euro.

Kirch war vergangenen Sommer verstorben. Seither hatten die Erben die Klage fortgeführt.

-Von Alexandra Edinger, Dow Jones Newswires,

+49 69 29 725 112, alexandra.edinger@dowjones.com 


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