Verfasst am 09.02.2012 um 11:06, Autor: dj
KORREKTUR: Neuer Aurubis-Vorstand will schlummernde Potenziale wecken
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An Arbeit wird es Peter Willbrandt in den nächsten Jahren nicht mangeln. Europas größter Kupfererzeuger Aurubis bietet nach Einschätzung des neuen Vorstandsvorsitzenden eine Vielzahl von internen und externen Wachstumsmöglichkeiten. Und diese will er nutzen, um weiterhin einer der führenden integrierten Kupfererzeuger und -verarbeiter weltweit zu bleiben.

Der oberste Aurubis-Manager, der sein neues Amt am 1. Januar angetreten hat, setzt bei seinen Wachstumsplänen vor allem auf Möglichkeiten im eigenen Haus. "Es gibt noch eine ganze Menge guter Ideen, intern zu wachsen", sagte er. Die Umsetzungen erforderten hohe Investitionen, die Aurubis aber dank ihrer guten finanziellen Verfassung stemmen könnte.

Dabei müssen sich alle Projekte aber rechnen und die Investitionen wieder hereinbringen. Grundlage dafür ist ein geforderter ROCE von 15 Prozent. Diese Vorgabe für die Kapitalrendite gilt auch für Zukäufe. Willbrandt bevorzugt gegenwärtig aber das Wachstum aus eigener Kraft. Zum einen berge es weniger Risiken als Akquisitionen, zum anderen sei die Integration der vor einiger Zeit erworbenen Luvata-Flachproduktsparte noch nicht abgeschlossen.

Als Beispiel für hausinterne Investitionen nannte der seit über 23 Jahren im Unternehmen tätige 49-Jährige die Beschleunigung des Kupfererzeugungsprozesses in Hamburg. So könnten die im Anodenschlamm enthaltenen Edelmetalle schneller verkauft werden und würden damit weniger Kapital binden. Außerdem nennt Willbrandt hier den am Standort Lünen im Sommer 2011 in Betrieb genommenen neuen Ofen zum Recyceln sehr komplexer Materialen.

Mögliche Zukäufe müssen nach Einschätzung des Vorstands "perfekt" zur Aurubis passen und sich somit auf die Erzeugung oder die Weiterverarbeitung des roten Goldes beziehen. Den Erwerb einer Kupfermine schließt er damit aus. "Wir sind kein Minenunternehmen und wollen es auch nicht werden", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Nicht mehr ausgeschlossen und damit anders als zu Zeiten von Willbrandts Vorgänger Drouven ist ein Engagement in China. Während der ehemalige Unternehmenslenker sich aus diesem Land mit Blick auf einen möglichen Knowhow-Verlust stets fern gehalten hat, will sich Willbrandt Chancen in diesem Land nicht so kategorisch verschließen. "Es kommt auf die Ausgestaltung der Verträge an", sagte der Manager.

Mit Blick auf die bestehenden Standorte sagte er: "Wir fühlen uns in Europa sehr wohl". Dieser Kontinent sei der zweitgrößte Kupfermarkt der Welt. In Europa gebe es ausreichend Kapazitäten zur Erzeugung des Kupfers und außerdem viele Abnehmer. Die eigenen Anlagen zur Kupferproduktion und -weiterverarbeitung bezeichnete der Metallurge als "state of the art". Aurubis habe immer investiert und modernisiert.

Einige Wermutstropfen macht Willbrandt aber gegenwärtig für den Standort Europa aus. Dazu zählen Belastungen, die dem Unternehmen aufgrund von bestehenden oder künftigen Gesetzen aufgebürdet werden, wie beispielsweise die Einbeziehung in den Emissionshandel oder die geforderte Ressourceneffizienz. Diese politischen Vorgaben dürften nicht so groß werden, dass Aurubis mit Unternehmen in geschützten Märkten, wie beispielsweise China, nicht mehr konkurrieren könnte, forderte der Manager.

Außerdem macht dem Vorstandsvorsitzenden die in Deutschland beschlossene Energiewende Sorgen. Sie berge Versorgungslücken. Denn derzeit reichten die Stromerzeugungskapazitäten noch nicht aus, um die bisher von den Atomkraftwerken gelieferten Mengen zu ersetzen.

Zudem spürt das Hamburger Unternehmen weiterhin die Schuldenkrise in Europa. "Die Kunden sind verunsichert", sagte Willbrandt. Sie bestellten äußerst kurzfristig und knapp. Keiner wisse, wie es weiter gehe. Der Vorstandsvorsitzende hofft aber, dass sich die Situation in Südeuropa nun stabilisiert und sich die Auswirkungen auf die Realwirtschaft nicht weiter verschärfen.

Zurück nach Hamburg. "Meine Liebe ist die Aurubis", sagte Willbrandt mit Blick auf seine langjährige Unternehmenszugehörigkeit. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet er mit einem zufriedenstellenden Ergebnis und bekräftigte damit zuvor gemachte Angaben. Der operative Gewinn, der als Kernkenngröße im Konzern verwendet wird, wird aber das Vorjahresniveau nicht erreichen. 2010/11 sei einfach ein ausgesprochen gutes Jahr gewesen, erklärte der Vorstandsvorsitzende.

- Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires,

+49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com 


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