Verfasst am 03.02.2012 um 14:15, Autor: dj
Lufthansa-Vorstand Lauer mahnt in Tarifverhandlungen zur Eile
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Wenige Tage vor der Präsentation des neuen Konzernsparprogramms hat Vorstandsmitglied Stefan Lauer mit Blick auf anstehende Tarifverhandlungen die Beschäftigten zum Handeln aufgefordert. "Die Wettbewerber werden auf uns keine Rücksicht nehmen", sagte er in einem Interview mit der Konzernzeitung "Lufthanseat". Andere Airlines würden sich zunehmend aggressiv gegen Lufthansa in Stellung bringen.

Aus diesem Grund müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber an einem Strang ziehen. "Der Fokus der Tarifparteien in dieser Situation kann nicht die Maximierung des eigenen Kuchenstücks sein, sondern stattdessen mit dazu beitragen, dass der Kuchen selbst größer wird".

Lauer kritisierte, dass die Flugbegleiterorganisation UFO im Gegensatz zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di keinen neuen Tarifvertrag unterzeichnet hat. "Die UFO muss sich auch hier die Frage gefallen lassen, ob sie die Anforderungen an eine kalkulierbare und konstruktive Sozialpartnerschaft erfüllen will. Ihr heutiger Zustand steht uns allen nicht gut zu Gesicht und dient auch ganz sicher nicht den Interessen der Mitarbeiter", beklagte Lauer.

Lufthansa hatte allen Beschäftigten am Boden und in der Kabine 3,5 Prozent mehr Gehalt und ein höheres Urlaubsgeld geboten. ver.di stimmte diesem Vorschlag zu, UFO nicht. Deswegen gilt der neue Tarif mit einer Laufzeit von 13 Monaten zunächst nur für die 33.0000 Lufthansa-Beschäftigten am Boden, bei Lufthansa Systems, der Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo.

Die Verhandlungen für das Kabinenpersonal sollen mit UFO zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt werden. Die Flugbegleiter hatten das Angebot des Unternehmens als untragbar bezeichnet, sich aber weiterhin verhandlungsbereit erklärt.

Konzernvorstand Lauer zeigte sich besorgt über den Alleingang von UFO und befürchtet die weitere Zersplitterung von Arbeitnehmern. So haben bereits die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) und die Technik Gewerkschaft Luftfahrt (TGL) ihren Anspruch auf einen Platz am Tariftisch unterstrichen. "Das entzweit die Mitarbeitergruppen, fördert Neid und Missgunst und erschwert Lösungen oder macht sie sogar unmöglich", befürchtet der Verhandlungsführer. Lufthansa sei hier an einem kritischen Punkt angelangt.

Lufthansas Probleme sind Lauer zufolge die massiven strukturellen Veränderungen der Branche. "Wir müssen uns den weiter erstarkenden und erfolgreichen Low-Cost-Carriern sowie dem neuen interkontinentalen Wettbewerb stellen", forderte er. Für die Lufthansa-Gruppe müssten wettbewerbsfähige Prozesse und Strukturen geschaffen werden. "Hier werden wir mit Costcutting der herkömmlichen Art allein nicht weit genug kommen", befürchtete er.

Trotz steigender Erlöse erzielt Lufthansa seinen Angaben zufolge seit vielen Jahren im Durchschnitt nur eine Rendite von rund drei Prozent. "Das wird schon rein rechnerisch nicht ausreichen, Lufthansa in der Champions League zu halten", sagte Lauer. Eine Rendite weiterhin in dieser Höhe werde Lufthansa im Weltluftverkehr in die zweite Liga abrutschen lassen. Das wolle und müsse der Vorstand verhindern.

Unterdessen untermauerte Vorstandsvorsitzender Christoph Franz während eines Besuchs bei Lufthansa Technik in Hamburg seine Forderung nach einer höheren Gewinnmarge. Der Konzern müsse mit dem Wachstum im gesamten Markt Schritt halten und mitwachsen. Nur so könne die eigene Marktposition behauptet und die erforderliche Flottenvergrößerung finanziert werden.

Das Alter der Konzernflotten bezeichnete Franz im Gegensatz zu früher mit elf bis zwölf Jahren als "durchschnittlich" - mit sinkender Tendenz. Für die Flottenerneuerung und -vergrößerung seien Investitionen von zweieinhalb bis drei Milliarden Euro jährlich notwendig. Der Vorstandsvorsitzende betonte die Notwendigkeit, die erforderlichen Veränderungen für ein profitables Wachstum schnell und entschlossen anzugehen, auch wenn sie schmerzhaft seien. Das Produktangebot müsse sich an attraktiven Märkten orientieren.

Franz zeigte noch einmal mögliche Handlungsalternativen auf. Falls Bereiche trotz Investitionen keine schwarzen Zahlen schreiben würden und keine Perspektiven bestünden, müssten die notwendigen Konsequenzen gezogen werden. Als Beispiele nannte er die Auflösung von Lufthansa Italia oder den Verkauf von British Midland (bmi).

- Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires,

+49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com 


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