Verfasst am 22.02.2011 um 10:30, Autor: dj
ThyssenKrupp sieht Europa erst 2014 auf Vorkrisenniveau
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Deutschlands größter Stahlhersteller ThyssenKrupp geht von einem anhaltend starken Wachstum der Nachfrage nach Flachstahl aus. Im Kernmarkt Europa werde das Niveau vor der Wirtschaftskrise aber erst 2014 wieder erreicht werden, sagte Jost Massenberg, der Vertriebsvorstand des europäischen Stahlbereichs, am Dienstag. Der Manager warnte zugleich vor neuen Höchstpreisen bei Rohstoffen und sieht in dem Bereich erst mittelfristig eine Entspannung.

Massenberg zitierte in einem vorab verteilten Redemanuskript zur Handelsblatt-Jahrestagung "Stahlmarkt 2011" das Forschungsinstitut CRU. Dieses gehe im Flachstahlbereich, auf den sich ThyssenKrupp konzentriere, von jährlichen globalen Wachstumsraten zwischen 6% und 7% bis 2015 aus. Der eigene Kernmarkt Europa solle vergleichbare Raten aufweisen, wegen der niedrigeren Ausgangsbasis aber erst 2014 das Vorkrisenniveau erreichen. "Wir halten diese Einschätzung für realistisch", sagte Massenberg.

Der Manager verwies auf die "sehr gute" Auslastung der Kundenindustrien, insbesondere des Automobilbaus. Der steigende Bedarf sei bereits klar erkennbar. "Im Schlussquartal 2010 und zu Beginn dieses Jahres hat der Markt weiter kräftig angezogen", sagte Massenberg.

Ein Risiko der Überhitzung mit anschließendem Einbruch sei aktuell nicht auszumachen. Die Lagerbestände der Kunden lägen auf konstantem Niveau und deutlich unter dem Niveau des Jahres 2008, sagte Massenberg. Auch von der Importseite drohten derzeit keine Gefahren. Die Einfuhren blieben bisher relativ moderat. "Wir unterstellen, dass sie sich weiterhin marktkonform entwickeln", sagte das Manager. Hierbei wirkten der schwächere Eurokurs sowie hohe Stahlpreise in Asien und Europa unterstützend.

Der Vorstand warnte gleichzeitig vor anhaltenden Risiken beim Rohstoffeinkauf. So seien die Eisenerzpreise in den ersten drei Quartalen 2010 um 140% gestiegen. "Nachdem die Preise zum Jahresende hin etwas nachgegeben haben, sehen wir jetzt schon wieder neue Höchststände auf uns zukommen", blickte Massenberg voraus. Bei Kokskohle sei eine parallele Entwicklung zu beobachten.

Die Umstellung der Rohstofflieferanten auf quartalsweise Preissetzung zwinge ThyssenKrupp zu einer Anpassung der Verträge auf Kundenseite, um die größeren Schwankungen abzusichern. "Jahresverträge lassen sich nur mit einer flexiblen Rohstoffkomponente realisieren", skizzierte Massenberg einen Ausweg. Die Alternative seien kürzere Vertragslaufzeiten. "Wir bieten Halbjahres- oder Quartalsverträge an", erklärte der Manager.

Eine Entspannung des Eisenerzmarktes ist laut Massenberg erst ab 2015 zu erwarten. Dann würden die neu erschlossenen Kapazitäten der Minenbetreiber zu einer Mengenbalance zwischen Angebot und Bedarf führen. "Bis dahin haben wir noch ein paar turbulente Jahre vor uns", sagte Massenberg. 


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