Verfasst am 03.02.2011 um 14:31, Autor: dj
UPDATE 3: Ackermann stellt Weichen für Rekordgewinn
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Wenn Vorstandschef Josef Ackermann spätestens im Jahr 2013 die Führung der Deutschen Bank an seinen Nachfolger übergibt, soll Deutschlands größte Bank beim Gewinn neue Superlativen erreichen. Das bereits als ambitioniert geltende Gewinnziel für dieses Jahr soll keine einmalige Sache sein, sondern vielmehr ein "Sprungbrett" für die darauf folgenden Jahre, sagte Ackermann am Donnerstag in Frankfurt. Details wollte er bei der Bilanzpressekonferenz nicht verraten, räumte aber ein, dass das wirtschaftliche Umfeld noch Risiken und Unwägbarkeiten berge.

Seine zuletzt vorsichtige Haltung mit Blick auf ein Renditeziel in der Größenordnung von 25%, das Politiker als überzogen kritisiert hatten, behielt Ackermann bei. Die Kapitalanforderungen an Banken hätten sich in der Zwischenzeit verschärft und damit habe sich die Grundlage geändert, erklärte er. Selbst für die besten Banken sei dieses Ziel derzeit nicht realistisch.

Für das anvisierte Rekordergebnis hat Ackermann die Bank bereits im vergangenen Jahr in Position gebracht: Er verbuchte einen Kostenblock für Restrukturierung sowie beschleunigte Investitionen bereits im Schlussquartal und nahm damit einen Anstieg der Kosten um 50% auf 6,3 Mrd EUR in Kauf. Das ließ die Gewinne im vergangenen Jahr zwar deutlich niedriger ausfallen als von Analysten erwartet, doch der Weg für das ambitionierte Gewinnziel von 10 Mrd EUR im operativen Geschäft ist laut Analysten nun damit frei. Allerdings dürfe jetzt nichts schiefgehen und das Geschäft müsse sowohl im Investment- als auch Private Banking deutlich anziehen, damit dieses Ziel erreicht werden könne, sagte ein Analyst.

Den Löwenanteil zum Gewinn soll weiter das Investmentbanking unter der Leitung von Anshu Jain beitragen. Der Bereich Corporate Banking & Securities wird in diesem Jahr, wenn alles nach Plan läuft, 6,4 Mrd EUR beisteuern und damit 100 Mio EUR mehr als ursprünglich anvisiert. Ob der Londoner Investmentbanker Jain sich damit unentbehrlich macht und tatsächlich die Nachfolge von Ackermann antreten wird, ist allerdings weiter unklar. Ackermann selbst wollte die Spekulationen um seine Nachfolge jedenfalls nicht weiter anfachen und sagte zu entsprechenden Fragen schlicht: "Mein Vertrag läuft bis 2013."

Als Nachfolgekandidat wird nach der Übernahme der Postbank neuerdings auch der Privatkundenvorstand Rainer Neske gehandelt. Mit 1,6 Mrd EUR soll sein Bereich in diesem Jahr der zweitgrößte Ertragsbringer sein. Neben der Postbank sollen auch die neuen Töchter Sal. Oppenheim sowie das Firmenkundengeschäft von ABN Amro ihren Beitrag leisten. Jeweils eine Mrd EUR fallen auf das Global Transaction Banking und das Vermögensmanagement.

Mit Hilfe der neuen Töchter konnte die Deutsche Bank ihre Erträge bereits im vierten Quartal um 34% auf 7,4 Mrd EUR erhöhen und damit ein Rekordniveau erreichen. Gewinnbringer war erneut das Investmentbanking: Die Corporate and Investment Bank erhöhte die Erträge um 31% auf 4,6 Mrd EUR, im Sales & Trading stiegen die Erträge um 30%. Allerdings blieb das Handelsergebnis mit minus 169 Mio EUR weit hinter den Erwartungen zurück. Hier bekam die Bank die geringe Kundenaktivität und makroökonomische Unsicherheit deutlich zu spüren. Insgesamt hatte die Frankfurter Bank im vierten Quartal mit einem Vorsteuergewinn von 707 Mio EUR die Analystenerwartungen enttäuscht.

Leicht hinter den Erwartungen lag die Bank mit ihrer geplanten Dividende von 0,75 EUR. Von Dow Jones befragte Analysten hatten mit 0,80 EUR gerechnet. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft sank auf 406 Mio EUR von 560 Mio EUR. Der Nettogewinn blieb, wie bereits angekündigt, mit 605 Mio EUR deutlich hinter den Erwartungen. Dies hatte die Bank bereits am Montagabend mitgeteilt und damit dem Aktienmarkt die Richtung für die endgültigen Zahlen vorgegeben.

Die Reaktion fiel gelassen aus: Analysten zeigten sich trotz der schwächer als erwartet ausgefallenen Zahlen eher davon beeindruckt, dass sich die Bank auch in schwierig laufenden Geschäftsbereichen gut geschlagen hat.

"Die Erträge der Bank sind recht gut, gerade wenn man auf die Entwicklung der vergleichbaren Institute in den USA schaut", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Zwar habe die Bank im Investmentbanking auch bei den festverzinslichen Wertpapieren Einbußen verzeichnet, sie habe dies aber im Aktiengeschäft ausgleichen können, sagte er. "Unter dem Strich sind die Rückgänge geringer als bei den US-Banken", sagte der Analyst.

Die Aktie stieg im Nachmittagshandel um 2,1% auf 45,35 EUR. Die Deutsche Bank habe ein überzeugenderes Ergebnis als die US-Konkurrenz geliefert, lobte ein Händler. Auch das bekräftigte Gewinnziel sei an der Börse gut angekommen. 


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