Verfasst am 09.12.2010 um 17:07, Autor: dj
XETRA-SCHLUSS/Knapp behauptet - Abgaben bei Zyklikern lasten auf DAX
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Deutlichere Abgaben bei Zyklikern haben am Donnerstag die Kurse am deutschen Aktienmarkt belastet. Händler sprachen hier von Gewinnmitnahmen. Neue Sorgen um die schwelende Schuldenkrise in der Eurozone belasteten ebenfalls leicht. Berichte, wonach die irische Opposition gegen das Rettungspaket stimmen könnte, verschreckte die Anleger und führte zeitweise zu deutlicheren Abgaben bei Euro und Aktien. Der DAX verlor 0,2% oder 12 auf 6.964 Punkte und schloss damit knapp behauptet. Umgesetzt wurden auf dem Handelssystem Xetra insgesamt 139,8 Mio DAX-30-Aktien im Wert von rund 4,53 Mrd EUR. Am Mittwoch waren es 86,1 Mio Aktien im Volumen von 3,1 Mrd EUR.

Daneben wurde die Entwicklung an den Rentenmärkten weiter genau beobachtet. Die starke Ausweitung der Renditen an den Anleihemärkten in den vergangenen Tagen habe für Verunsicherung gesorgt, hieß es. Nun werde erst einmal die weitere Entwicklung abgewartet. Man könne diese positiv interpretieren, wonach die Investoren mehr Vertrauen in das Wachstum in den USA haben, nachdem die Steuererleichterungen für alle Einkommensklassen verlängert wurden.

Die negative Interpretation wertet den Anstieg allerdings als Warnsignal vor einer weiteren Verschlechterung der fiskalischen Situation in den USA. So sieht die Ratingagentur Moody's das "AAA"-Rating der USA derzeit zwar nicht in Gefahr. Das könnte sich allerdings in zwei bis drei Jahren ändern, sollten die Steuererleichterungen permanent verankert werden und nicht durch entsprechende Einsparungen im Haushalt ausgeglichen werden.

"Solange die 6.900er Marke hält, bleibt die Situation bullish", sagte ein technischer Analyst. Kurzfristig sei der DAX schon bei 6.950 Punkten unterstützt, meinte ein Händler. Aus technischer Sicht wäre bei einem Überwinden des Jahreshochs bei 7.043 Punkten der Weg frei bis 7.200 Punkte, ergänzte ein Händler. Unterstützt sei der DAX um 6.900 Punkte.

Stärkere Verluste im DAX wurden durch die gute Entwicklung bei Banken, Versicherern und Versorgern verhindert. Deutsche Bank stiegen um 2,2% auf 39,40 EUR, für die Commerzbank ging es um 2,5% auf 5,87 EUR nach oben. Allianz rückten 3,2% auf 90,87 EUR vor, für Munich Re ging es 1,6% auf 114,00 EUR nach oben und Hannover Rück gewannen 3,7% auf 39,90 EUR. Bankenaktien waren international gesucht.

Händler verwiesen unter anderem auf eine Einschätzung von Goldman Sachs, nach der die US-Banken wieder verstärkt Kredite ausgeben. Mit Blick auf die Versicherer wurde von Teilnehmern auch die günstige Bewertung des Sektors angeführt. Auch die wieder steigenden Renditen an den Anleihemärkten, sollten sie sich denn als nachhaltig erweisen, wären eine gute Nachricht für Versicherer und Banken.

Im Handel zeigte man sich aber noch zurückhaltend: "Der Anstieg der Renditen ist noch viel zu frisch und fragil, um zu hoffen, dass das Leiden der Lebensversicherer unter dem Niedrigzinsumfeld damit ein Ende haben könnte", kommentierte ein Beobachter. Bei Versorgern war von einer technischen Gegenbewegung die Rede, die allerdings erst noch bestätigt werden müsse. E.ON gewannen 0,8% auf 22,59 EUR und RWE kletterten um 1,9% auf 49,41 EUR.

Unter den Gewinnern im DAX waren auch adidas, die um 2,4% auf 50,86 EUR zulegten. Credit Suisse hat die Aktie mit "Outperform" und einem Kursziel von 55 EUR gestartet. Ansonsten kam es bei Zyklikern aber zum Teil zu heftigen Gewinnmitnahmen. BASF gaben um 1% auf 60,39 EUR nach, Infineon fielen um 4,6% auf 6,97 EUR, Siemens verloren 1,4% auf 89,76 EUR und die Aktien von ThyssenKrupp reduzierten sich um 1,6% auf 30,44 EUR.

Die stärksten Abgaben musste allerdings der Automobilsektor hinnehmen. "Anlass ist ein Bericht aus China", so ein Händler. Demnach will die chinesische Regierung im kommenden Jahr die Steuervergünstigungen bei Autokäufen auslaufen lassen. "Da die Margenaussichten der deutschen Hersteller sehr gut sind, sollte das die Kurse aber nicht längerfristig belasten", hieß es. BMW verloren 2,8% auf 60,20 EUR, VW fielen um 3,9% auf 124,20 EUR und MAN gaben um 2% auf 90,21 EUR nach. In der zweiten Reihe ging es für Continental sogar um 6,5% auf 60,47 EUR nach unten.

Nach einer Abstufung durch Morgan Stanley auf "Equalweight" von "Overweight" fielen Lufthansa um 4,8% auf 16,91 EUR und waren damit schwächster Wert im DAX. Die Verkehrszahlen für November haben derweil den positiven Trend der vergangenen Monate bestätigt. Eine Abschwächung ist nach Einschätzung eines Analysten nicht erkennbar. Im TecDAX kam es bei Solartiteln zu einer kräftigen Erholung: SolarWorld gewannen 6,8%, Nordex 9% oder centrotherm 4,1%. Für Q-Cells ging es um 10,9% nach oben. 


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