Verfasst am 12.01.2012 um 11:45, Autor: APA
Agrana spürt Konjunkturflaute und Mitbewerber im Fruchtsegment
Kräftiger Gewinnsprung im Zuckersegment - Interesse an Hellenic-Sugar-Übernahme gemeinsam mit Südzucker - Höherer Dividenden-Vorschlag geplant als im Jahr davor
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Der börsenotierte Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana bekommt den konjunkturellen Abschwung und stärkeren Wettbewerb im Fruchtsegment stark zu spüren. Der Absatz von Fruchtzubereitungen, unter anderem für Joghurts, ging in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011/12 im Vergleich zur Vorjahresperiode zurück. Teilweise rückläufige Märkte und ein neuer Mitbewerber in Russland hätten zu diesem Rückgang geführt. Einerseits würden die Konsumenten weniger Fruchtjoghurts kaufen, andererseits hätte man die "höheren Preise nicht im Markt unterbringen können", sagte Agrana-Chef Johann Marihart im Gespräch mit der APA.Der Umsatz im Fruchtsegment erhöhte sich im dritten Quartal 2011/12 im Vergleich zum Vorjahresquartal zwar noch um 3,5 Prozent auf 212,3 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (Betriebsgewinn) hingegen ging von 13,7 auf 4,8 Mio. Euro zurück. In den ersten drei Quartalen erhöhte sich der Umsatz im Fruchtsegment um 5,3 Prozent auf 673,4 Mio. Euro und das operative Ergebnis stieg nur leicht um 2,3 Prozent auf 36,2 Mio. Euro. Die in der ersten Jahreshälfte verbesserten Margen bei Fruchtsaftkonzentraten sind laut Agrana durch weiter rückläufige Absatzmengen bei Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentraten aufgezehrt worden. Für das Gesamtjahr 2011/12 rechnet der Agrana-Chef mit einem 20 Prozent niedrigeren operativen Gewinn im Fruchtsegment als im Jahr davor.

Ein hoher Welt-Marktzuckerpreis pushte den Gewinn der Agrana in den ersten drei Quartalen. Der Betriebsgewinn schnellte im Vergleich zur Vorjahresperiode um 262,7 Prozent auf 94,3 Mio. Euro hinauf und die Erlöse stiegen um 23,4 Prozent auf 691,4 Mio. Euro. Zum guten Ergebnis hätten "vor allem der verfügbare Nicht-Quotenzucker, die rechtzeitige Zuckerbeschaffung vom Weltmarkt und eine konsequente Marktbearbeitung" sowie die positiven Marktbedingungen beigetragen. Agrana-Chef Marihart rechnet mit einem weiterhin hohen Niveau des Weltmarkt-Zuckerpreises, unter anderem wegen der angespannten Produktionslage in Brasilien.

Gemeinsam mit Südzucker will Agrana bei der Privatisierung der griechischen Hellenic Sugar Industry zuschlagen, die auch Zuckerfabriken in Serbien betreibt. "Wir gehen das gemeinsam an", sagte Marihart. Derzeit studiere man die Unterlagen im Datenraum. Mit einer Entscheidung rechnet der Agrana-Chef in einem halben Jahr. Südzucker hält indirekt knapp 38 Prozent anAgrana. Die österreichische Zucker Invest GmbH aus dem Raiffeisen-Konzern hält wiederum 10 Prozent an Südzucker.

Auch im Stärke-Segment konnte Agrana zulegen. In den ersten drei Quartalen stiegen die Erlöse um 38,4 Prozent auf 587,5 Mio. Euro und das operative Ergebnis erhöhte sich um 56,8 Prozent auf 68,2 Mio. Euro. "Der Zuwachs bei Umsatz und Ergebnis war hauptsächlich auf höhere Verkaufspreise bei allen wesentlichen Haupt- und Nebenproduktgruppen zurückzuführen, die damit die gestiegenen Rohstoffpreise überkompensieren konnten", so dieAgrana. Insbesondere die Agrana Stärke GmbH sowie die Stärkefabriken in Ungarn und Rumänien hätten ein "sehr gutes Ergebnis" erwirtschaftet. Der Umsatz der Bioethanol-Sparte als Teil des Stärke-Segments belief sich laut Marihart auf 159 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr werden 200 Mio. Euro anvisiert.

Insgesamt erhöhte sich der Umsatz um ein Fünftel auf 1,952 Mrd. Euro. Auch Dank des hohen Weltmarkt-Zuckerpreises verdoppelte sich das Konzernperiodenergebnis auf 129,7 Mio. Euro. Für das gesamte Geschäftsjahr 2011/12 rechnet Agrana weiterhin mit einem Umsatz von rund 2,5 Mrd. Euro (2010/11: 2,17 Mrd. Euro) und bekräftigt die Erwartung einer "signifikanten" Ergebnisverbesserung. Der Dividenden-Vorschlag wird laut Marihart die Vorjahresdividende von 2,40 Euro pro Aktie übersteigen. Das Ergebnis für das vierte Quartal werde wegen den Kosten für die Zuckerrübenernte traditionell "etwas schwächer ausfallen".

Agrana-Aktien notierten am Vormittag an der Wiener Börse mit einem Plus von 1,3 Prozent bei 80 Euro. 


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