Verfasst am 02.02.2011 um 09:40, Autor: NH
Deutsche Bank Chefvolkswirt Mayer warnt vor galoppierender Inflation
Der kurzfristige Konjunkturausblick ist günstig, die hohen Staatsschulden belasten bis 2020
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Der Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe, Thomas Mayer, zeigte sich vor geladenen Medienvertretern bei seiner Wien-Visite im Hilton Plaza für die nächsten 2 Jahre optimistisch aber warnte gleichzeitig vor zu hohen Erwartungen und einer erdrückenden Schuldenlast. Der Experte erwartet zukünftig ein Ansteigen wirtschaftlicher Schwankungen, ein niedrigeres Trendwachstum, bedingt durch das „Reparieren“ von Bilanzen, eine Bedrohung durch steigende Inflation sowie eine starke Belastung durch die Staatsschulden, welche vermutlich noch bis 2020 Auswirkungen zeigen werden.
Den kurzfristigen Konjunkturausblick bewertet Mayer als günstig. Für heuer erwartet er ein globales Wachstum von 4%, für 2012 sogar ein Wachstum in Höhe von 4,2%. Treibende Kräfte dieser Entwicklung sind vor allem die Schwellenländer, für die im aktuellen Jahr ein Wachstum von 6,25% und für 2012 von 6,5% gesehen wird. Im Vergleich dazu hinken die Industrieländer hinterher. Für diese prognostiziert der Ökonom 2011 ein Wachstum von 2,25%.

In der Zeitrechnung von Mayer befinden wir uns derzeit im Jahr 4 der Krise. Die einzelnen Stadien definiert der Ökonom wie folgt: 1. Immobilienkrise, 2. Geldmarktkrise, 3. Bankenkrise, 4. Staatsschuldenkrise. Ein Ende der Krise ist für den Chefvolkswirt momentan nicht absehbar. Das 5. Stadium könnte in einer Ausweitung der Euro-Staatsschuldenkrise über Europa hinaus, sowie in einer galoppierende Inflation liegen.

Die Inflationsrate wird für 2011 bei 3,5% und für 2012 bei 3,25% gesehen. Auch hier sind die Schwellenländer – mit einer durchschnittlichen Inflation von mehr als 5% – treibende Kraft.

„In der Eurozone herrschen regional sehr unterschiedliche, wirtschaftliche Rahmenbedingungen vor“, betonte der Volkswirt. Zu unterscheiden ist einerseits die Kernregion („Deutschland & Nachbarn“), mit guten Wachstumsprognosen, wozu auch Österreich zählt, andererseits die Peripherie von Euroland, welche an einer Immobilien-, Banken- und Staatsschuldenkrise laboriert. Aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen ergibt sich für die europäische Zentralbank die Schwierigkeit eine Europolitik umzusetzen, die alle Bedürfnisse befriedigt – es existiert ein Dilemma Peripherie/Kernland.

„Eine symmetrische Politik der EZB müsste vor allem eine Institution zur Vermeidung von Zahlungsausfällen an der Peripherie beinhalten – woran bereits gearbeitet wird, um der Entwicklung von unkontrollierbaren Eigendynamiken vorzubeugen. Einstweilen ist eine asymmetrische Politik notwendig geworden, um Ausfälle zu verhindern“ analysierte der Fachmann.

Als wesentliche Eckpunkte zur Krisenbewältigung hält Mayer eine starke Zentralbank für die gesamte Eurozone, und nicht eine, die sich nur an den Schwächsten orientiert für notwendig. Sowie  die Schaffung einer Organisation zum Zahlungsausfallsmanagement ähnlich einem IWF für die EWU, mit Beteiligung der Staaten.

Eine Leitzinsanhebung durch die EZB ist laut dem dem Deutsche Bank Experten im 2. Halbjahr 2011 möglich. 


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