Verfasst am 01.05.2010 um 10:17, Autor: MB
Q-Check: Griechenland wird um jeden Preis gerettet
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MONEY.AT - Europa werde alles daran setzen das in eine akute Schuldenkrise geschlitterte Griechenland zu retten, so das Fazit von Fondsstrategen, Analysten und Ökonomen bei dem von APA-Finance und "Der Börsianer" erstmals veranstalteten Expertenforum "Q-Check" am 28. April in Wien."Die Gefahr eines Flächenbrands ist extrem groß", glaubt Erste-Sparinvest-Chefökonom Gerhard Winzer. Verunsicherte Investoren könnten über Anleihenverkäufe Staatsanleihen weiter unter Druck bringen. CA Cheuvreux-Chefanalyst Alfred Reisenberger sieht hingegen keine Ansteckungsgefahr: "Jedes Land hat seine eigenen Probleme", so Reisenberger. In Griechenland und den Sorgenkinden Spanien und Portugal seien jeweils länderspezifische Gründe für die Staatsschulden verantwortlich. Die Länder der Eurozone werden jedenfalls alles daran setzen Griechenland zu retten, auch wenn es "500 Mrd. Euro kostet".
 
Auch Alfred Strebel, Chef von Fidelity International für Österreich und die Schweiz, sieht keine akute Ansteckungsgefahr auf andere Länder. Gefährlich werde es erst, wenn auch große Volkswirtschaften wie die USA in Mitleidenschaft gezogen werden. "Griechenland wird gerettet", weil man sich einen Zusammenbruch Griechenlands gar nicht erlauben könne, glaubt der Experte. Leiden würden unter dieser Rettungsaktion aber die Banken. "Man muss nachher nicht nur die Länder, sondern auch die Banken aus dem Feuer holen", so Strebel.
 
"Wir leben in einer künstlichen Welt"
 
Eine nachhaltige Lösung sei dies allerdings nicht: "Wir leben in einer künstlichen Welt", in der Branchen und Länder immer durch staatliche Hilfsaktionen und ein Anwerfen der Notenpresse gerettet werden. "Das ist ein ganz verrückter, ungesunder Kreislauf", glaubt Strebel: "Man muss lernen als Staat und als Individuum mit seinem Haushalt umzugehen." Irgendwann werde man eine Lektion lernen müssen, dies könne auch einen Staatskonkurs bedeuten.
 
Generell sind die Experten aber in ihren allgemeinen Marktausblicken im Rahmen des Q-Check vorsichtig optimistisch. "Die Erholung steht auf immer breiteren Beinen", glaubt der Sparinvest-Ökonom Gerhard Winzer. Damit sinke die Unsicherheit für risikobehaftete Papiere wie Aktien. Die Konjunkturerholung sei aber noch nicht selbsttragend sondern benötige weiter expansive Geldpolitik als Unterstützung.
 
Vorerst bleiben werden als "Vermächtnis der Krise" ein schwacher Arbeitsmarkt und steigende Staatsschulden. Die damit nötigen Steuererhöhungen und staatlichen Einsparungen werden in vielen Ländern auch die Inflation niedrig halten. In der Eurozone dürfte dies den Euro bis auf 1,20 Dollar drücken, glaubt Winzer. In vielen Emerging Markets wird Inflation hingegen ein zentrales Thema sein.
 
Reisenberger sieht die heimischen Unternehmen gut für die künftigen Herausforderungen aufgestellt. "Die österreichischen Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht", so Reisenberger. Die Unternehmensgewinne dürften damit in den kommenden Quartalen deutlich steigen und auch dem Wiener Aktienindex ATX eine solide Performance bescheren.
 
Großes Potenzial für "frontier markets"
 
Franklin Templeton Investments-Experte Horst Mathä ortet großes Potenzial für die künftigen Wachstumsmärkte, sogenannte "frontier markets" - Märkte mit noch sehr niedrigem, aber vor einem Wachstumsschub stehenden Einkommen und sehr volatilem Wachstum. Attraktiv sei etwa Kasachstan auf Grund seiner Rohstoffe. "93 von 105 Elemente des Periodensystems können in der kasachischen Erde gefunden werden", so Mathä.
 
Auch BAWAG-PSK-Vorstand Peter Pavlicek ortet großes Potenzial für Rohstoffe. Aber auch an den Aktienmärkten gäbe es noch Potenzial, viele Anleger seien hier auf den Erholungszug noch gar nicht aufgesprungen, so Pavlicek.
 
Vorsichtig optimistisch ist auch Strebel. Die Gewinndynamik der Konjunkturerholung und der geldpolitische Stimulus sollten die Börsen weiter stützen. Weniger wahrscheinlich sei als "Worst-Case-Szenario ein Double-Dip, also ein zweites Abrutschens in eine Rezession, und Börsenkorrekturen von 20 Prozent, erklärte der Experte im Rahmen des "Q-Check".
 
Der von APA-Finance, der Finanznachrichtenagentur der APA, und dem Börsenmedium "Der Börsianer.com", veranstaltete "Q-Check" lädt die Finanzcommunity viermal jährlich zum Austausch über Entwicklungen an den Finanzmärkten. "Wir wollen mit dem Q-Check eine professionelle Plattform für die Finanzcommunity in Österreich etablieren", erklärt APA-Finance-Chef Wolfgang Nedomansky bei der Auftaktveranstaltung. Gerade in Krisenzeiten sei eine "unabhängige, neutrale Kommunikations-Plattform über Unternehmensgrenzen hinweg" wichtig, sind Börsianer-Geschäftsführer Dominik Hojas und Nedomansky einig. 


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