Verfasst am 21.04.2010 um 07:21, Autor: DH
Rückblick auf ein Jahrzehnt, Aktienmärkte im Blick
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"Im ewigen Wettkampf zwischen Bullen, dem Symbol für Optimismus und Bären, dem Symbol für Pessimismus an den Börsen behielt in der zurückliegenden Dekade erstmals die Fraktion der Bären die Oberhand", so Gerhard Rehor, Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien. Denn gemessen am Weltaktienindex fielen Aktien von 1422 Indexpunkten zu Beginn des Jahrzehnts auf aktuell 1172 Punkte und damit um beinahe 18 Prozent.Krieg gegen den Terror - Nach dem Schock der Terroranschläge vom 11. September 2001 zogen die USA gegen die Regime in Afghanistan und Irak ins Feld: "Die Kriegskonjunktur stimulierte die seit dem Platzen der 'Dot.com'- Blase am Boden liegenden Aktienmärkte. - 'Kaufen, wenn Kanonen donnern' bewahrheitete sich Mitte des Jahrzehnts eine alte Börsenweisheit!", analysiert Rehor.
 
Allein in der ersten Phase seiner Präsidentschaft investierte Georg W. Bush rund 1/3 der Wirtschaftsleistung der USA in Rüstungsprojekte. Angesichts des explodierenden Staatsdefizits kam die Politik des billigen Geldes durch die US-Notenbank gerade recht. Der Leitzinssatz fiel von seinem Höchst bei 6,5 Prozent bis Juni 2004 auf den Tiefpunkt von 1 Prozent. "Die günstigen Kreditbedingungen regten Private in den USA übermäßig stark zu einem 'Leben auf Pump' an. Doch die kreditfinanzierten Immobilienkäufe bereiteten den Boden für die größte Finanzmarktkrise seit dem 2. Weltkrieg!", beschreibt Rehor den Weg zur Subprimekrise.
 
"Anything goes" - Rehor: "Getrieben von der scheinbaren Stabilität der Aktienmärkte und der Politik des billigen Geldes investierten immer mehr Menschen in innovative, aber komplexe Finanzprodukte!" Ihre Komplexität besteht in erster Linie darin, dass von ursprünglichen Produkten wie Aktien oder Anleihen abgeleitete Investments (Derivate) angeboten werden. "Dabei fehlte bei Kunden und Beratern oftmals die Erfahrung mit dem Verhältnis von Ertrag und Risiko, v.a. in Stresssituationen. Diese stellten sich jedoch mit dem Anziehen der Zinsschraube und den extrem gestiegenen Rohstoffpreisen in der 2. Hälfte der Dekade ein", sieht Rehor damit den Anfang der Probleme kommen.
 
Energie: Preisschock - "Spekulation und Energiehunger der Schwellenländer lösten ab 2006 bei den Rohstoffen einen steilen Anstieg aus!" skizziert Rehor wesentliche Faktoren für diese Entwicklung. Während ein Barrel Öl (Brent) 2002 für 17 $ zu haben war, stieg der Preis im Jahr 2008 auf 144 $ an. Hinter dem Preisschock stand neben der Spekulation über innovative Finanzprodukte v.a. der Energiehunger in den erfolgreichen Schwellenländern China und Indien. In Russland, einem der größten Rohstofflieferanten der Welt, ermöglichten die gestiegenen Preise eine selbstsichere Wirtschafts- und Energiepolitik, insbesondere Europa gegenüber.
 
Bescheidener Beitrag der Eurozone - "Rückblickend hat die Eurozone zum internationalen Finanzmarktgeschehen nur einen bescheidenen Beitrag geleistet!", ist der knappe Schluss von Rehor, er ist sich aber sicher, "dass mit der Einführung des Euro und einer einheitlichen Geldpolitik Europas eine neue Phase der Stabilität angebrochen ist!" 2004 hieß es dann "Willkommen Europa" zur Aufnahme der zehn neuen osteuropäischen Mitgliedsstaaten. "Die Integration der ehemals hinter dem Eisernen Vorhang liegenden Wirtschaftsräume bescherte Europa gleichermaßen Erfolge wie auch Verunsicherung zuletzt im Rahmen der Finanzmarktkrise," lautet die doch positive Bewertung dieser Phase.
 
Verunsicherte Anleger - Für Rehor ist die Konsequenz eindeutig. "Für die Geldanlage der privaten wie auch der institutionellen Investoren verlangt der Rückblick auf die 1. Dekade des Jahrtausends ein Umdenken. Passive Veranlagungsstrategien, also Aktien kaufen und liegen lassen, wie sie noch der im Jahr 1999 verstorbene legendäre Börseguru André Kostolany empfohlen hat, führen nicht mehr selbstverständlich zum Erfolg."
 
Für den Finanzmarktexperten und Vorstandsdirektor Rehor gibt es auch klare Konsequenzen für alle Beteiligten in Banken. "Die internationalen Ratingagenturen sowie die Wahrscheinlichkeitsrechnung der Portfoliomanager müssen hinterfragt werden". Und Rehor bringt die Lehre aus der vergangenen Dekade auf den Punkt: "Wer den fundamentalen Zusammenhang zwischen Realwirtschaft und den Finanzmärkten nicht aus dem Auge verliert, wird langfristig mehr Erfolg haben als der kurzfristige Opportunist!" Unabdingbar bleiben also für Aktienveranlagungen weiterhin die Aspekte einer guten Risikostreuung und ein langfristiger Veranlagungshorizont ohne Kreditfinanzierung.
 
Während die 90er-Jahre den Sieg des Kapitalismus über die Planwirtschaft feierten, zeigten die 00er-Jahre, dass Kritik am zügellosen Kapitalismus mehr als notwendig ist.
 
Aktienerfolge in den letzten Dekaden (USD) 01.01.1970-31.12.1979 31,10% 01.01.1980-31.12.1989 332,75% 01.01.1990-31.12.1999 150,45% 01.01.2000-24.12.2009 -17,62% 


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