Verfasst am 25.02.2010 um 18:40, Autor: APA
RZB ohne Wahl: Raiffeisen Int. fusionieren oder verkaufen
RI-Aktie stürzte ab, in drei Tagen weit mehr als eine Milliarde Kursverlust - Börse erzwingt, Hintergründe vorzeitig zu lüften - Aufsichtsratsbeschluss am 22. März erwartet
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Raiffeisen ist von der Börse aus der Deckung gezwungen worden. Raiffeisen International (RI) und RZB werden nicht mehr bis Ende März warten, bis McKinsey-Konzepte und Organbeschlüsse zur geplanten Fusion von Ostbankentochter und Mutter vorlegen. Ein Aktienkurseinbruch der Ostbankenholding RI von mehr als 20 Prozent in drei Tagen - das heißt über 1,2 Mrd. Euro Kursverlust seit Dienstagfrüh - und anhaltende Börsespekulationen über zwingende wirtschaftliche Hintergründe für eine Wiedervereinigung erzwingen eine vorgezogene Bekanntgabe.Stand Donnerstagnachmittag: Pressekonferenz Montag Vormittag. Stand am Abend: Wahrscheinlich werden schon früher Pflichtveröffentlichungen abgesetzt.

Am späten Donnerstagnachmittag hat die Nachrichtenagentur Reuters aus einem mit 24. Februar datierten vertraulichen Memo zitiert, wonach die Vorstände der Raiffeisen Zentralbank (RZB) und ihrer derzeit 70-prozentigen Ostbankenholdingtochter Raiffeisen International für ihre geplante Fusion bis zum 22. März die Zustimmung der Eigentümer einholen wollen. Kern des internen Memos: Ohne Fusion könnte der RZB drohen, ihren gesamten Anteil an der RI verkaufen zu müssen, heiße es in dem Papier.

Bis September 2010 soll die Fusion vollzogen sein. Dem Geheimpapier zufolge ist keine Alternative dazu in Sicht. Andere Optionen würden mit Begriffen wie "keine Lösung für die strategischen Probleme" oder "schafft neue Herausforderungen" beurteilt. Die Prüfer von BDO und Deloitte sind schon am Werk. Im Memo werde die RZB mit 6,1 Mrd. Euro bewertet, die RI mit 6,2 Mrd. Euro und damit auf einem Aktienkurs von 40 Euro. Basierend auf dieser Bewertung würde der Streubesitz 23 Prozent betragen, hieß es in dem Reuters-Bericht unter Berufung auf das interne Papier.

In der RZB-Gruppe wurde das Papier am Abend nicht kommentiert.

Am Donnerstagnachmittag ist die RI-Aktie kurz vor Börsenschluss wieder abgestürzt. Das Papier schloss heute in Wien mit 31,40 Euro um 5,71 Prozent tiefer als am Mittwoch. Zwischenzeitig hatte es heute Kursrückgänge von fast 8 Prozent gegeben. Seit Dienstagfrüh hat Raiffeisen International damit mehr als 20 Prozent an Kurs eingebüßt. Zum aktuellen Börsenkurs beträgt der Marktwert jetzt rund 4,8 Mrd. Euro. Dass es Raiffeisen schlecht gehe, wurde als Hintergrund für eine Fusion seit Dienstag von der Bank dementiert. Trotz 1,7 Mrd. Euro Vorsorgen für Ostkredite weise RI für 2009 Gewinn aus.

In einer Pressekonferenz am Montag (1. März, 10 Uhr) in Wien wollten die Chefs der RZB, Walter Rothensteiner, und der Raiffeisen International, Herbert Stepic, "Hintergrundinformationen zur strategischen Option einer möglichen Fusion" von RZB und RI geben. Ursprünglich wollten die Beteiligten vor Vorliegen eines McKinsey-Konzepts bis Ende März und vor zugehörigen Organbeschlüssen gar keine Äußerung abgeben. Nach APA-Informationen wird nun auch nicht mehr bis Montag mit Informationen zugewartet. Erste Infos werden derzeit für morgen erwartet.

Am Montag dieser Woche nach Börsenschluss hatte die RZB-Ostbankenholding RI amtlich mitgeteilt, einen Zusammenschluss mit der RZB zu "prüfen". Damit würde wie berichtet die Trennung vor mehr als fünf Jahren rückgängig gemacht.

Hauptziel sei, der fusionierten Gesellschaft Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen, schreiben die Verfasser des heute bekanntgewordenen Memos. Die RZB hat Kapitalbedarf für die Rückzahlung des Staatskapitals aus dem Bankenhilfspaket vom Vorjahr in Höhe von 1,75 Mrd. Euro sowie möglichen höheren Eigenkapitalanforderungen durch Basel III. Bisher musste sich die RZB das Geld von ihren Eigentümern, den acht Landesbanken holen.

In der Bankenbranche rankten sich um die raiffeisen-interne Fusion und der angekündigten vorherigen "Austöchterung" der RZB-Spitzeninstitutsfunktionen neue Spekulationen, dass es in Österreich eine "deutsche" Lösung eines gemeinsamen genossenschaftlichen Spitzeninstituts für die österreichischen Raiffeisenbanken und Volksbanken geben könnte. So wie das in Deutschland die DZ-Bank für die deutschen Raiffeisen- und Volksbanken ist. Die RZB hat heute umgehend dementiert. Das sei keine Frage der Organisation, sondern der Kompatibilität. "Wir glauben, dass wir nicht gut zusammenpassen".
 


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