Verfasst am 02.09.2010 um 18:06, Autor: APA
Treichl: "Die Leute wollen die Banker hängen sehen"
Erste-Group-Chef hält Basel III für falsch - Lehman hatte zur Pleite 11 Prozent Core-Tier-1-Kapital - Liquidität Schlüsselfaktor
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Erste-Chef Andreas Treichl hält den Ansatz des neuen Banken-Eigenkapitalregimes ("Basel III") für einen großen Fehler, weil kein Unterschied gemacht wird zwischen riskanten Investmentbankgeschäften und dem "normalen Sparkassengeschäft". Der Banker hat am Donnerstagnachmittag Pauschalkritik an den Banken und deren Lobbyisten zurückgewiesen. Sorge bereitet ihm das katastrophale Image, das Banker mittlerweile in der Öffentlichkeit haben."Ich glaube schon, dass wir uns überlegen müssen, warum wir so geprügelt werden", sagte der Vorstandsvorsitzende der Erste Group bei einer Podiumsdiskussion beim Forum Alpbach. Die Banker seien seit kurzem noch unbeliebter als Politiker. Hieß es früher (Stichwort Basel II), man möge die Banker "öffentlich auspeitschen, dann steinigen und dann aufhängen", werde jetzt das Auspeitschen ausgelassen und gerufen "wir hängen sie gleich auf. Die Leute wollen sehen, dass die Banker wirklich leiden", vermutet Treichl.

Die Finanzwirtschaft habe viele Krisen überstanden, viele auch verursacht, aber nie in den vergangenen Jahrhunderten hätten es Banker verstanden, ihr Image so kaputt zu machen. "Es gibt solche und solche Banken." Gerade die Kreditunternehmen, die sich aufs Kommerz- und Retailgeschäft in ihren Regionen konzentrierten, fühlt er als unfair beurteilt.

Treichl räumte in der Podiumsdebatte mit Österreichs Notenbankpräsident Claus Raidl und dem tschechischen Nationalbankgouverneur Miroslav Singer ein, in letzter Zeit keine sehr gute Beziehung zu Zentralbankern zu haben. Sei er doch vom österreichischen Notenbankchef wegen der Fremdwährungskredite in Ungarn mit spekulativen "Subprime-Krediten" in Zusammenhang gebracht worden. "Ich weise das auf das allerentschiedenste zurück", sagte Treichl heute. Was man in CEE machte mit Fremdwährungskrediten an Retailkunden "waren vielleicht schlechte oder dumme Kredite. Aber das ist unser Geschäft. Und wir haben jeden dieser Kredite noch auf unsern Büchern. Wir haben keine toxischen Assets."

Treichl glaubt, "dass wir mit Basel III einen ziemlich großen Fehler machen, weil wir nicht genug unterscheiden zwischen dem Geschäft, das Banken machen sollten und was sie nur eingeschränkt tun sollten". Die Banken müssten zurück zum normalen Kundengeschäft - Hereinnahme von Einlagen, Vergabe von Krediten. Und die Kunden müssten das auch zurückzahlen können. Das spiele es aber momentan nicht mit Basel III. Weil die großen Banken in den USA und in Großbritannien viel mehr im Investmentbanking verdienten als im normalen Retailbanking, hätten sie kein Interesse, dass das Basel-III-Regelwerk in Richtung des alten Sparkassengeschäfts verschoben werde. "Unsere Stimme ist nicht laut genug."

Für Treichl ist ausreichende Liquidität der entscheidende Faktor für Banken, eine Krise zu überstehen. "Nächste Woche jährt sich zum zweiten Mal der Konkurs von Lehman Brothers. Lehman hat die Finanzkrise nicht ausgelöst, aber damals begann die dramatische Entwicklung an den Börsen", erklärte der Wiener Banker. Und merkte an: "Lehman hatte damals ein Core-Tier-1-Kapital von 11 Prozent." Man könne also nicht sagen, dass es mangelndes Eigenkapital war, das diese Weltwirtschaftskrise ausgelöst habe. 


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