Verfasst am 02.04.2010 um 13:00, Autor: APA
voestalpine ringt mit Erzpreisen
Verhandlungen mit Rohstofflieferanten in heißer Phase - Teuerung bis zu 90 Prozent befürchtet - Jahresverträge drohen in Quartalsverträge umgewandelt zu werden
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Der börsenotierte Stahlkonzern voestalpine steht vor einer veritablen Kostenexplosion bei den Rohstoffen - und das bei nur 80 Prozent Auslastung im Linzer Stahlwerk. Die Zeichen stehen auf Sturm, denn der weltgrößte Eisenerzlieferant Vale aus Brasilien hat die Preise in Asien kürzlich um 90 Prozent erhöht und zudem die seit 40 Jahren übliche Laufzeit der Verträge von einem Jahr auf ein Vierteljahr gestutzt. Die Verhandlungen in Europa sind noch nicht abgeschlossen und befinden sich derzeit in einer heißen Phase. "Die Abschlüsse in Asien sind ein Signal, das heißt wir gehen auch von einer massiven Verteuerung der Erzpreise aus", sagte Unternehmenssprecher Peter Schiefer heute, Freitag, zur APA."Die Stahlindustrie ist da momentan in einer unangenehmen Situation", räumte Schiefer ein. Sie will die anstehende Erhöhung an ihre Kunden weitergeben, "weil sonst die Margen nicht mehr stimmen". Die Nachfrage in Europa rechtfertigt aber keine großen Preissprünge. Für 2010 liegt die durchschnittliche Auslastung der Stahlwerke voraussichtlich bei 80 Prozent. Die Konjunktur sei zwar besser, aber nicht so gut. "Das wirkt sich über die gesamte Wertschöpfungskette aus", so Schiefer.

Die voestalpine in Linz ist zwar den Angaben zufolge mengenmäßig "ganz gut, das heißt annähernd zur Gänze", ausgelastet. Doch die Preise waren im ersten Quartal unter Druck, weil viele Stahlwerke die Kapazitäten wieder in Betrieb genommen haben. "Wir gehen davon aus, dass sich die Preise in den nächsten Quartalen erhöhen werden - der Abschluss in Asien war bei 90 Prozent, das ist sicher ein Indikator", so Schiefer. Bei Kohle gehe es ebenfalls um Preiserhöhungen in dieser Größenordnung - die Verhandlungen sind auch noch im Laufen.

Die Rohstoffkonzerne drehen aber nicht nur spürbar an der Preisschraube, sondern wollen auch deutlich kürzere Vertragslaufzeiten. "Momentan woll die Lieferanten die Preise nicht jährlich verhandeln, sondern auf Quartalsbasis", so Schiefer. Die Voest habe eine eindeutige Präferenz für Jahresverträge, weil dies mit der Kundenstruktur zusammenpasse. "Da müssten wir die Preise bei den Kunden auch regelmäßiger anpassen." Die seit Jahrzehnten jährlich ausverhandelten Lieferverträge galten bisher jeweils rückwirkend per 1. April für ein Jahr.

Durch die starke Nachfrage aus China sind die Minenbetreiber in einer komfortablen Situation: Bei den japanischen Stahlschmieden Nippon Steel und Posco hat Vale bereits Vierteljahresverträge durchgesetzt, wie diese Woche bekanntwurde. Damit könnten die Brasilianer zusammen mit den australischen Unternehmen BHP Billiton und Rio Tinto künftig alle drei Monate kräftig zulangen. Die drei großen Eisenerzförderer kontrollieren rund 70 Prozent des weltweiten Eisenerzhandels.

Von Vale beziehe die voestalpine "doch signifikante Mengen" - etwa 10 Prozent des Eisenerzbedarfs. BHP und Rio Tinto liefern primär nach Asien. Etwa ein Drittel ihres Erzes bezieht die Voest aus Osteuropa und einen kleinen Teil aus Südafrika. Der oberösterreichischen Stahlkocher ist aber auch zu einem Gutteil Selbstversorger - zu rund einem Viertel deckt er seinen Bedarf aus dem ihm eigenen steirischen Erzberg.

Die Rohstoffkonzerne Vale, Rio Tinto und BHP machen seit Monaten Druck, um das seit etwa vier Jahrzehnten geltende System von Jahresverträgen zu kippen. Bisher schlossen sie mit den Stahlkonzernen in der Regel Vereinbarungen zum April mit einer Laufzeit von einem Jahr. Seitdem die Stahlnachfrage in den vergangenen Monaten wieder deutlich angezogen hat, sind auf dem Spotmarkt die Eisenerzpreise explodiert. Bei kurzfristigen Verträgen hätten die Rohstoffkonzerne Analysten zufolge zusätzliche Milliardensummen eingenommen.

 


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