Verfasst am 08.03.2010 um 13:48, Autor: DH
Wien als Angelpunkt des italienischen Geldwäsche-Skandals
Gelder wurden über drei Banken in Österreich, RZB, Bank Austria und die damalige Anglo Irish Bank Austria im Kreis geschickt.
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Im größten Geldwäscheskandal der italienischen Geschichte war Wien finanzieller Angelpunkt. In den Jahren von 2005 bis 2007 seien über Tarngesellschaften und Bankkonten von italienischen Telekom-Firmen in Österreich 2 Mrd. Euro geflossen, die aus Geschäften der Mafia stammen sollen. Das schreibt "profil" unter Berufung auf Justiz-Unterlagen und eine 1.600 Seiten dicke Anklageschrift der italienischen Staatsanwaltschaft. Die österreichischen Banken, über deren Konten das Geld geflossen sein soll, haben damals (2007) selber die Polizei eingeschaltet. Es sind Gelder in Wien eingefroren und Geldwäsche-Verfahren gegen einen der "Erfinder" der Konstruktion, den in Rom in U-Haft sitzenden Dario P., anhängig. Die Staatsanwaltschaft Wien warte indes seit Jahren auf Beweismaterial aus Rom, schreibt "profil". Gegen 60 Personen wird von Rom aus ermittelt. Angefangen hat das Ringelspiel 2003.Dem Magazin zufolge sollen im italienischen Geldwäsche-Skandal um Fastweb - Italiens zweitgrößter Telekombetreiber - hauptsächlich Konten bei Banken in Österreich benutzt worden sein. Von 14 Konten, derer sich die Italiener bedienten, befanden sich nur zwei nicht in Österreich. Die Gelder wurden über drei Banken in Österreich, RZB, Bank Austria und die damalige Anglo Irish Bank Austria im Kreis geschickt.
 
Den italienischen Ermittlern zufolge wurden von den beiden italienischen Telekom-Konzernen Fastweb und Telecom Italia Sparkle Gelder auf die von mutmaßlichen Mafia-Tarngesellschaften eröffneten Konten in Österreich überwiesen. 2007 soll es in Wien nach einem Rechtshilfeersuchen zu Kontoöffnungen gekommen sein. Zuvor hatten die Wiener Banken Anzeigen erstattet.
 
Die österreichischen Banken fühlten sich "missbraucht", wie es heute aus der Kreditwirtschaft zur APA hieß. Ihrem heutigen Wissen nach ist es im Konzernumfeld der Telecom Italia offenbar zur Geldwäsche mit versuchtem Steuerbetrug gekommen.
 
Die RZB - die überhaupt nur Großkundengeschäfte mit Konzernen abwickelt - bestätigte heute, dass "drei Unternehmen aus diesem Konzernumfeld im Dezember 2005 Geschäftsbeziehungen mit der RZB aufgenommen" hätten. Nach vorherigen Compliance-Untersuchungen habe man diese Geschäftsverbindungen wegen der Verbindung zur Telecom Italia - einem langjährigen Kernaktionär der Telekom Austria - als unkritisch eingeschätzt. Weil die Transaktionsvolumina aber hoch wurden, habe man zusätzliche Untersuchungen durchgeführt. Zunächst hätten Kundenunterlagen und Verträge damals das Bild eines realen Geschäftshintergrunds ergeben. Sobald aber konkrete Verdachtsmomente vorlagen, seien "unverzüglich" die Geldwäscheverdachtsmeldungen an die Behörden ergangen. Das war 2007.
 
Die italienische Justiz hat in der Causa Dutzende Treffen und Telefonate der Bande abgehört und genauestens dokumentiert. In dem Dossier der italienischen Behörden sind Fotos von Treffen in noblen Restaurants zu sehen, bei denen Geldübergaben in Louis-Vuitton-Taschen vorgenommen wurden. Die Staatsanwaltschaft Rom hat Anklage wegen des Verdachts auf Geldwäsche gegen mehr als 60 Personen, darunter Politiker, Anwälte und Fastweb-Gründer Silvio Scaglia, erhoben. Auch die Staatsanwaltschaft Wien hat bereits Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche aufgenommen.
 
In italienischer Untersuchungshaft sitze mittlerweile auch der zurückgetretene italienische Senator Nicola di Girolamo von der Berlusconi-Partei Volk der Freiheit. Er soll der Verbindungsmann der kalabrischen Mafia Ndrangheta in die Politik gewesen sein. Laut "profil" zählt die 'Ndrangheta etwa 7.000 Mitglieder und umfasst etwa 90 Clans. Im jüngsten Geldwäscheskandal um Fastweb und Telecom Italia soll laut Staatsanwaltschaft Rom der Clan der Familie Arena involviert sein. 


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