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Verfasst am 06.10.2010 um 17:22, Autor: MB
Q-Check 3.0: Börsenexperten setzen auf Schwellenländer und ausgewählte Aktien
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Die konjunkturelle Lage der Wirtschaftskernländer wird noch nachhaltig von der großen Rezession beeinträchtigt sein, zeigte sich Volkswirt Gerhard Winzer von der Erste Group-Fondstochter Sparinvest überzeugt. Die niedrige Kapazitäts- und Ressourcenauslastung, hohe Arbeitslosenraten, niedrige Zinsen, eine gedämpfte Inflationsentwicklung sowie hohe und ansteigende Staatsverschuldungen prägen Winzer zufolge das aktuelle Konjunkturbild in den Industriestaaten.
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Angesichts rigoroser Einsparungsmaßnahmen in Europa und der restriktiven Fiskalpolitik falle die Geldpolitik durch niedrige Leitzinsen umso expansiver aus. Die Folge davon sei eine hohe überschüssige Liquidität an den Finanzmärkten, welche die Suche nach Rendite erfordere, so der Sparinvest-Analyst. "Diese große Nachfrage nach Rendite lässt vor allem Aktien mit überdurchschnittlichen Dividendenauszahlungen attraktiv erscheinen, außerdem sehen wir verstärktes Interesse in den Emerging Markets", so Winzer.
Adam Lessing von der österreichischen Niederlassung von Fidelity International zufolge ist die aktuelle Wirtschaftslage in Europa ausschlaggebend für das Investmentportfolio. Des Experte ging auf Fragen wie "Wo stehen wir im Konjunkturzyklus aktuell?" ein und verriet im "Q-Check" Details zu seinen Investmentempfehlungen. In Zeiten wirtschaftlicher Expansion und niedriger Inflation setzt er auf Bonds und verzichtet auf Aktien und Rohstofftitel.
Fondstratege Hannes Andreas Karre der BAWAG P.S.K. Invest empfiehlt zyklusunabhängige Investments. In das Portfolio gehören ihm zufolge Aktien aus dem Bereich "Güter des täglichen Bedarfs" wie Lebensmittel, Energie und Versorger, Telekommunikation sowie Wohnen. "Jeder konsumiert diese Güter unabhängig vom Zyklus. Wir setzen auf Wachstum und Solidität", so Karre. Darüber hinaus sieht der Experte die Chance von Aufholprozessen in Europa. Während beispielsweise der türkische Milchkonsum 2007 nur ein Drittel des EU-25-Durchschnittsbetrug, dürfte dieser bis 2016 auf knapp die Hälfte zunehmen. Dieser Markt biete somit deutliches Potenzial, erklärt Karre.
Edi Berger, Experte bei CA Cheuvreux, ortet jedoch auch bei einigen heimischen Wertpapieren eine starke Entwicklung. "Wir unterscheiden zwischen Nord- und Südeuropa. Starke Firmen aus Nordeuropa muss man im Portfolio haben", so Berger und unterstreicht seine "bullischen" Ansichten für diese Region. Bei CA Cheuvreux stelle man sich die Aufgabe "Show me your five best ideas!". Für den Experten lautet die Antwort in Österreich Andritz, CA Immo, RHI, VIG und voestalpine.
Martin Linsbichler, Managing Director bei Franklin Templeton, drückt angesichts der konjunkturellen Schwäche der Industrieländer die Schwellenländer in den Fokus. Unter den Emerging Markets sieht er den lateinamerikanischen Markt mit der stärksten Entwicklung in den letzten fünf Jahren. "Hat man vor fünf Jahren in Lateinamerika investiert, konnte man seinen Einsatz bis heute verdoppeln", so Linsbichler. Da wenig Fremdkapital in diesen Ländern tätig sei, waren auch nicht alle Länder des Kontinents in die Rezession geschlittert. Als drei große Vorteile von Investments in Lateinamerika sieht der Experte das anhaltend starke Wirtschaftswachstum, die positive Entwicklung der Rohstoffpreise sowie die zunehmende Binnenkaufkraft dieser Staaten. Dementsprechend empfiehlt Linsbichler Aktienkäufe aus dieser wachstumsstarken Region.
Erstmals beim "Q-Check" wurde mit dem RHI-Vorstandssprecher Henning Eskild Jensen ein Vorstand eines börsenotierten Unternehmens an das Präsentationspult geladen. Jensen unterstrich das Entwicklungspotenzial in den Emerging Markets, indem er die zahlreichen Investitionen des Feuerfestkonzerns in diesen Märkten aufzählte. Vor allem die sogenannten BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien und China stehen demnach für die RHI auf der Investitionsliste.
Eine intensive Diskussion wurde zum Thema Goldpreis geführt. Erste Sparinvest-Volkswirt Winzer begründet den steigenden Edelmetallpreis mit den auf Hochtouren laufenden Gelddruckmaschinen der Zentralbanken. Da an der expansiven Geldpolitik aktuell kein Weg vorbei führe, sei auch eine Blasenbildung beim Goldpreis nicht auszuschließen. Franklin Templeton-Experte Linsbichler relativiert den Optimismus bei der Goldpreisentwicklung. Im Vergleich zu den Emerging Markets zeige der Goldpreis langfristig nur eine moderate Wachstumsentwicklung.
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