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Börsennews für Börsenpeople
Verfasst am 14.04.2011 um 10:18, Autor: MB
Q-Check 5.0: Ein Jahr "Q-Check": Japan-Beben und Rohstoff-Rally prägten 1. Börsenquartal 2011
Staatsbankrott einzelner Euro-Länder für Analysten keine Gefahr - Öko-Aktien gewinnen an Attraktivität
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UniCredit Bank Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer thematisierte die Risiken des wirtschaftlichen Aufschwungs in Europa und bot dabei einen Überblick über all jene Themen, die Börsianer im abgelaufenen Auftaktquartal 2011 bewegten. Der Atom-Unfall in Fukushima, die europäische Schuldenkrise, die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Rohstoffpreise auf Rekordjagd, der Höhenflug des Euro oder die Bankenregeln von Basel III - all dies sind für Bruckbauer Faktoren, welche mittelfristig das Wirtschaftswachstum gefährden könnten. In Bezug auf die Euro-Schuldenkrise sieht der Volkswirt allerdings kaum Probleme. Im Rettungsfonds seien genügend Mittel um Portugal und Spanien mitsamt ihren maroden Banken zu retten. "Da geht keiner pleite", so Bruckbauer.
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Mit Blick auf die Erdbeben-Katastrophe in Japan stand das Thema "Erneuerbare Energie" hoch im Interesse. Erste Sparinvest-Experte Wolfgang Pinner sieht den Zeitpunkt für Investments im Bereich der alternativen Energie gekommen. Einerseits seien nach der Blasenbildung 2007 im Bereich der Erneuerbaren Energie die Bewertungen wieder günstig, erklärt Pinner. Zudem sieht der Analyst steigende Energiepreise sowie die Suche nach Alternativen zu risikoreichen Energiequellen als weitere Gründe für einen Aufwärtstrend der Öko-Aktien. Alternativ-Energien sind für Pinner auch aufgrund knapper Ressourcen ein Zukunftsthema: "Wie lange haben wir noch Öl?".
"In den nächsten Jahrzehnten führt sicher kein Weg an Öl und Gas vorbei", ist SBO-Chef Grohmann überzeugt. Denn im Jahr 2010 habe man den stärksten Nachfrageanstieg nach Öl seit 30 Jahren verzeichnet, wobei vor allem das Wirtschaftswachstum in China und Indien als Nachfragemotor gilt. Allerdings ist der Ölpreis auf den aktuellen Niveaus für Grohmann nicht gerechtfertigt. Er sieht das schwarze Gold bei einem Preis zwischen 80 und 100 Dollar je Fass, wenn nur die reale Nachfrage und nicht Spekulation oder Risikoprämien, wie für die Libyen-Krise, berücksichtigt werde.
Der Ausblick für 2011 bringt eine weitere Nachfragesteigerung von 1,4 Mio. Barrel pro Tag, prognostizierte der SBO-Chef. Um diesen Energiebedarf zu decken sind laut Grohmann 500 Mrd. US-Dollar an Investitionen im Bereich Exploration und Produktion (E&P) notwendig. Zudem sei eine immense technologische Herausforderung zu bewältigen, da immer schwieriger erreichbare Ölvorkommen erschlossen werden müssen. Das Überschreiten des weltweiten Fördermaximums ("Peak Oil") könne durch neue Technologien hinausgezögert werden. Grohmann sieht sein Unternehmen hierbei gut aufgestellt, als Nischenmarktführer könne man mit den großen Mitbewerbern mithalten.
Kurt Kotzegger von Raiffeisen Capital Management legte den Fokus seiner Präsentation auf die europäischen Aktienmärkte. "Europäische Aktien sind all jene, die nicht beliebt sind", so das Resümee des Chief Investment Officers. Gemessen am Gesamtertrag seit Ende 1999 hätte man sogar mit Staatsanleihen höhere Erträge erzielt als mit europäischen Aktien. Die größten Kursgewinne streiften hingegen Aktien der "Emerging Markets" ein. 2010 verzeichneten die Euro-Aktien auch angesichts der Schuldenkrise die höchsten Investitions-Abflüsse im internationalen Vergleich. Doch in diesen Faktoren sieht Kotzegger die Chancen für den europäischen Aktienmarkt begründet. Aus seiner Sicht ist Europa für den Investor die attraktivste Region als Gesamtmarkt wie auch auf Einzeltitelebene. Insbesondere die Wertpapiere großer Unternehmen seien so billig wie schon lange nicht mehr. Wichtig sei es jedoch, eine klare Unterscheidung zwischen den europäischen Unternehmen und schuldengeplagten europäischen Staaten zu ziehen, so Kotzegger.
"Am österreichischen Aktienmarkt haben wir uns seit Jahresbeginn - abgesehen von der Japan-Katastrophe - in einer Seitwärtstendenz bewegt, die im zweiten Quartal ihre Fortsetzung finden wird", glaubt Alfred Reisenberger, Chefanalyst von CA Cheuvreux Österreich. Die nur verhaltene Aktienentwicklung habe jedoch keine fundamentale Begründung, denn die Quartalsbilanzen heimischer Konzerne dürften dem Experten zufolge im ersten Jahresviertel positiv ausfallen. Die Unternehmen hätten "ihre Hausaufgaben gemacht" und damit bewiesen, ihre Margen auch in einem schwierigen konjunkturellen Rahmen verteidigen zu können. "Die große Pause", wie Reisenberger das erste Halbjahr an der heimischen Börse bezeichnet, werde in der zweiten Jahreshälfte wieder in eine Aufwärtsbewegung münden.
Angesichts der jüngsten Zinsentscheidung der EZB legte Martin Bohn, Chief Investment Officer der BAWAG P.S.K. Invest, einen Fokus auf die aktuelle Inflationsentwicklung. Bis Ende 2011 rechnet Bohn mit zwei bis drei Zinserhöhungen der EZB und einer Inflationsrate von etwa 2,5 Prozent. Da der Analyst in den USA heuer keinen Zinsschritt mehr erwartet, dürfte die Inflation in den Vereinigten Staaten höher als in der Eurozone ausfallen und der Dollar gegenüber dem Euro unter Druck geraten. Noch keine vollständige Entwarnung gibt Bohn für die Euro-Sorgenkinder Spanien und Italien. "Hier gibt es noch kurzfristiges Rückschlagspotenzial und politische Risiken", so der Experte.
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