Verfasst am 19.01.2012 um 13:50, Autor: DB
Q-Check 8.0: Finanzmarktexperten setzen in Börsenkrise wieder auf Aktien
Triple-A-Verlust von Österreich für Experten bei Finanz-Fachveranstaltung ein "non event"
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Wien (APA OTS) - Nach Finanzkrise, Schuldenkrise und der damit verbundenen Börsentalfahrt sehen viele Finanzexperten Aktien wieder als chancenreiches Investment. Vor allem die Aktien einiger solider europäischer Unternehmen sind derzeit attraktiv bewertet, so das Fazit der Experten auf dem von APA-Finance und DerBörsianer.com veranstalteten Expertenforum "Q-Check" am Mittwochabend.Auch die Konjunktur dürfte langsam wieder Fahrt aufnehmen. Der Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer stellt sich auf eine Erholung ein, einen Einbruch wie 2008/2009 fürchtet er nicht. Eine Fehleinschätzung europäischer Politiker war für Bruckbauer, dass nicht Wall Street-Spekulanten, sondern vor allem Pensionskassen und Banken der emittierenden Länder zuletzt Staatsanleihen gekauft haben.

So habe auch die EZB über ihre Liquiditätsspritzen Banken zu Anleihenkäufen motiviert. Die Anleihen-Investoren mit Stress-Tests und anderen Schwierigkeiten zu "prügeln", war für Bruckbauer "nicht besonders schlau". Letztlich sieht er im hohen Engagement der Banken aber auch eine Chance. Deutschland will hoffentlich nicht noch mehr Banken retten und wird vermutlich dafür sorgen, dass der Euro nicht zerbricht, erwartet Bruckbauer.

Angesichts der erhofften Erholung setzen viele Anlagestrategen wieder auf Aktien. Die Aktien vieler interessanter Unternehmen sind mittlerweile schon so stark gefallen, "dass man es wagen könnte, wieder einzusteigen", sagt etwa BAWAG PSK-Invest-Geschäftsführer Peter Pavlicek. So sind bei vielen Aktien Kurs/Gewinn- sowie Kurs/Buchwert-Verhältnis schon auf günstige Niveaus gefallen. Einen anhaltenden Boom und gute Investmentmöglichkeiten ortet der Experte auch bei hoch verzinsten "High Yield"-Anleihen.

Auf Aktien setzt auch der Leiter des Aktienbereichs von Raiffeisen Capital Management, Herbert Perus. Vor allem die teilweise stark zurück gekommenen Aktien europäischer Weltklasseunternehmen empfiehlt der Experte als Anlagechance: "Man sollte jetzt beginnen, in günstige europäische Unternehmen zu investieren".

Der Fondsstratege setzt hier vor allem auf eine sorgfältige Selektion von attraktiven Einzelwerten, den sogenannten "Stock Picking"-Ansatz. "Kaufe billige Aktien! Verkaufe teure Aktien!" sei zwar ein Gemeinplatz, viele Investoren machen aber tatsächlich das Gegenteil, erklärt der Fondsstratege.

So würden viele Handelsstrategien bestehenden Trends folgen und damit schon teure Aktien kaufen. Auch eine an der Zusammensetzung von Aktienindizes orientierte Anlagestrategie führe zu ähnlichen Ergebnissen, da in Indizes teure Aktien automatisch höher gewichtet seien, erklärt Perus die Vorzüge des Stock Picking.

Michael Kukacka von der Erste-Fondstochter Sparinvest ist ebenfalls vorsichtig optimistisch für Aktien und empfiehlt vor allem Europa. Ein Hauptargument dafür ist die wieder hohe Profitabilität europäischer und amerikanischer Unternehmen. "Wir erwarten, dass die Margen in den ersten beiden Quartalen wieder etwas zurück gehen, dann aber auf hohem Niveau bleiben", erklärt der Experte.

Deutliche Börsen-Gewinne erwartet Kukacka für Deutschland. "Wir erwarten, dass Deutschland heuer zu den besten Märkten zählen wird", so Kukacka. Historisch gesehen sehr attraktiv bewertet ist für Kukacka auch der Wiener Aktienmarkt.

Als "Non-Event" stufen die Experten unisono den Verlust des "Triple-A"-Ratings von S&P für Österreich ein. Die höhere Risikoeinstufung für Österreich wurde an den Anleihenmärkten schon lange eingepreist und war an den höheren Risikoprämien für österreichische Anleihen ablesbar, S&P habe hier lediglich das Rating an die Märkte angepasst, so das Fazit der Experten. Man müsse nun aber den heimischen Problemen arbeiten, wenn man nicht weitere Abstufungen riskieren will.

"Die Investoren haben schon lange gesehen, dass das Risiko für einzelne Euro-Staaten differenzierter ist", erklärt etwa der Bank Austria-Chefökonom Bruckbauer, "das war schon in den Spreads eingepreist. S&P hat das jetzt dokumentiert". Sobald die für den Rating-Verlust maßgeblichen Euro-Probleme gelöst sind, dürften auch die Risikoprämien wieder sinken. "Dann kann uns das Rating egal sein", so Bruckbauer. 


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