Praktiker - Kapitalerhöhung abwarten

Die Begeisterung der Anleger hält sich dennoch in Grenzen. Gerade in den vergangenen Tagen befand sich die Aktie erneut stark im Sinkflug. So gut wie der gesamte Anstieg, den der Titel seit Ende des vergangenen Jahres erzielte, ist damit wieder hinfällig, und auch das Allzeit-Tief vom Dezember bei rund 1,12 Euro ist wieder in Sichtweite. Die Gefahr, dass der Wert demnächst nochmals unter dieses Niveau rutscht, ist erheblich.
Kapitalerhöhung schwebt drohend im Raum
Neben den allgemeinen Bedenken, ob das Unternehmen auch mit frischem Kapital die Umstrukturierung schaffen wird, ist es sicherlich vor allem die bevorstehende Kapitalerhöhung, die den Kurs momentan unter Druck hält. Auf der Hauptversammlung im Juli will sich Praktiker die Emission von bis zu 57,14 Millionen neuer Anteilsscheine genehmigen lassen – und wie immer in derartigen Krisensituationen ist die Aktie bereits so stark nach unten gegangen, dass der dadurch entstehende Verwässerungseffekt unverhältnismäßig hoch erscheint.
Ein weiterer kritischer Punkt ist ein Darlehen der Anchorage Capital Group über 85 Millionen Euro, das mit der Tochtergesellschaft Max Bahr besichert werden soll. Selbst die Anteilseigner Maseltov und Semper Constantia sprachen sich zuletzt gegen diese Vorgehensweise aus, denn immerhin ist Max Bahr im Rahmen des Sanierungskonzepts der große Hoffnungsträger der Gesellschaft.
Chance auf ein Schnäppchen
Auf der Positivseite ist zu vermerken, dass man bei Maseltov / Semper Constantia die Kapitalerhöhung selbst mittragen will. Daneben scheinen die bisherigen Sanierungsschritte bereits erste Erfolge erzielt zu haben – zumindest hat sich im zweiten Halbjahr 2011 die Geschäftsentwicklung stabilisiert. Angesichts des aktuellen Börsenwertes von nur noch 80 Millionen Euro besteht ein beträchtliches Rebound-Potenzial – allerdings nur dann, wenn die Umstrukturierung in den kommenden Jahren auch tatsächlich greifen sollte.
Anleger, die bei Praktiker noch nicht investiert sind, sollten sich mit Engagements noch Zeit lassen. Die Wahrscheinlichkeit, hier günstig zum Zuge zu kommen, ist noch höher, wenn die Kapitalerhöhung erst einmal durchgeführt wurde, bzw. wenn mehr Details darüber bekannt sind. Aber auch dann bleibt das Papier ein spekulatives Investment.
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