Samstag, 18.05.2013 - aktualisiert um 14:32 MEZ
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BAYER AG
Für den Vorstandsvorsitzenden des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer hat Wachstum aus eigener Kraft weiterhin Vorrang. "Wichtigstes Ziel ist organisches Wachstum", sagte Marijn Dekkers auf einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf. "Wir haben eine gute Produktpipline und wollen damit unseren Umsatz antreiben." Bayer habe keinen Bedarf, Akquisitionen zu tätigen.

Auch wollen die Leverkusener nicht einfach "aus Prinzip" zukaufen. Kaufen sei einfach, erläuterte Dekkers, "damit Werte zu schaffen umso schwieriger". Er messe seinen eigenen Erfolg nicht an Zukäufen.

Ausschließen wollte der Manager Akquisitionen damit jedoch nicht. "Wenn sich eine Möglichkeit ergibt, es passt und es nicht zu teuer ist, haben wir den finanziellen Spielraum, um zuzukaufen."

Auf spezifische Zukäufe wollte Dekkers nicht eingehen. Bayer wird derzeit Interesse an dem Tiermedizingeschäft des US-Konzerns Pfizer nachgesagt. Ein unverbindliches Angebot soll bereits abgegeben worden sein. Die Amerikaner haben den Bereich auf den Prüfstand gestellt. Dabei ist noch offen, ob Pfizer überhaupt verkauft oder die Tiermedizin nicht sogar vielleicht an die Börse bringt. Mit mehr als vier Milliarden US-Dollar Jahresumsatz ist es die größte Veterinärsparte der Welt. Bayer bringt es lediglich auf 1,2 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Die Tiergesundheit sei ein wichtiges Geschäft und ein wichtiger Teil der Bayer-Strategie, erläuterte Dekkers. Bayer sei das einzige Unternehmen weltweit, dass die Bereiche Human-, Tier- und Pflanzengesundheit unter einem Dach vereine. Langfristig bietet dies Bayer nach Ansicht Dekkers viele Möglichkeiten. Der Manager fährt damit eine andere Strategie als andere Gesundheitskonzerne, die sich auf ein Kerngeschäft konzentrieren und andere Bereiche abstoßen.

Das Unternehmen sieht er mit seinen drei Säulen - HealthCare, CropScience und das Kunststoffgeschäft MaterialScience - dagegen gut aufgestellt.

Vor allem in den LifeScience-Bereichen Gesundheit und Ernährung sieht Dekkers großes Potenzial, durch Innovationen zu wachsen. Hier attestiert er aber Deutschland ein zunehmendes Problem durch eine fehlende gesellschaftliche Akzeptanz von Technologie und Industrie. Er nannte Beispiele wie die Proteste um den Bahnhof Stuttgart21, den Flughafenausbau in Frankfurt, das Kohlekraftwerk in Datteln oder die Bayer selbst betreffende CO-Pipeline. Er kritisierte, dass bereits genehmigte Projekte plötzlich in Frage gestellt werden und manchmal Jahre in der Warteschleife hängen - wie etwa die CO-Pipeline, die zwar seit Jahren so gut wie fertig gebaut ist, jedoch nicht in Betrieb gehen kann.

"Wenn bei einer öffentlichen Diskussion über solche Projekte vor der Genehmigung ein Nein herauskommt, ist das in Ordnung. Aber ein Ja muss ein Ja bleiben" - und nicht nachträglich in ein Nein verwandelt werden. Eine belastbare Planung und eine angemessene Risiko-Abwägung würden unmöglich, wenn Genehmigungsprozessen die Verbindlichkeit fehle.

Auch unterstellt Dekkers Deutschland eine zunehmende Entfremdung von Technologien. "Entweder ist die Konkurrenz besser geworden oder wir haben in Deutschland ein wenig die Lust an Technologie - und vielleicht sogar am Thema Fortschritt verloren." Dies gelte für Bio-, Gen- und Nanotechnologie, Hybrid- oder Antriebstechnik.

Gerade das Thema Gentechnik in Lebensmitteln werde als Risiko eingestuft und abgelehnt. Diese strikte Ablehnung kritisiert Dekkers: "Sind wir sicher, dass wir dieses Feld und damit auch das Ruder aus der Hand geben wollen?" Die grüne Gentechnik finde statt. "Die Frage ist nur: Mit uns oder ohne uns."

Bayer forscht lediglich im belgischen Gent an gentechnisch veränderten Bestandteilen in Lebensmitteln. Dekkers gibt zu, auf diesem Gebiet gerne mehr machen zu wollen, dies jedoch wegen der mangelnden Akzeptanz keinen Sinn mache. Bei den meisten anderen Unternehmen findet die Forschung in den USA statt. Auch der weltweit größte Chemiekonzern BASF hat nach jahrelanger Kritik angekündigt, die Forschung an grüner Gentechnik aus Deutschland wegzuverlagern.

Insgesamt, konstatierte Dekkers, sehe er, dass in Deutschland versucht werde, Risiken zu vermeiden. Dies könne irgendwann fatal enden, Deutschland könnte abgehängt werden: Die Wachstumsländer China, Indien, Russland oder Brasilien würden "nicht auf uns warten".

Dabei müsse Deutschland das Thema Innovationsfähigkeit nicht neu erfinden. Das Land habe das Know-how und die Leute, das Potenzial müsse nur konsequent genutzt werden.

-von Natali Schwab, Dow Jones Newswires;

+49 69 29725119, natali.schwab@dowjones.com
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Verfasst am 22.03.2012 um 09:00, Autor: dj
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