Bayer gibt nach schwächerem Quartal vorsichtigen Ausblick
BAYER AG

"Wir blicken mit Zuversicht nach vorne", sagte der Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers. Mit dem Beginn des neuen Jahres zeigte er sich zufrieden. "Wir sind ordentlich in das Geschäftsjahr 2012 gestartet", fügte er hinzu. Zum Wachstum sollen vor allem die Teilkonzerne HealthCare und CropScience beitragen. Hingegen geht Bayer für das konjunktursensible Kunststoffgeschäft von schwierigen Marktverhältnissen aus.
Weiter wachsen will Bayer auch durch Akquisitionen, wenn sich die "richtige Möglichkeit" dafür bietet. Dabei hat Dekkers weiterhin die Teilkonzerne HealthCare und CropScience im Blick.
Insgesamt erwartet der Konzern 2012 einen währungs- und portfoliobereinigten Umsatzanstieg von etwa drei Prozent. Das würde einem von Bayer zugrunde gelegten Euro-US-Dollar-Kurs von 1,40 einem Konzernumsatz von rund 37 Milliarden Euro entsprechen. Das bereinigte operative Ergebnis EBITDA sowie das bereinigte Ergebnis je Aktie sollen "leicht" steigen. Einige Marktbeobachter werteten die Prognose als konservativ. Für alle drei Kennziffern erwartet Bayer auch 2013 weitere Steigerungsraten. Im Schlussquartal verhinderte das Kunststoffgeschäft MaterialScience ein besseres Ergebnis.
Für das Jahr 2011 erreichte Bayer jedoch trotz der schwächeren Entwicklung zum Jahresende die selbstgesteckten Ziele. Der Umsatz erreichte Rekordniveau, auch das operative Ergenbis erreichte einen Höchstwert. Überdurchschnittlich entwickelten sich die Schwellenländer, deren Umsatz zusammengenommen um neun Prozent zulegte. Unter dem Strich verdiente Bayer knapp 2,5 Milliarden Euro, eines der höchsten Ergebnisse, die der Konzern je erzielte. Die Aktionäre sollen wie bereits bekannt mit einer um 15 Cents höheren Dividende von 1,65 Euro je Aktie am Erfolg beteiligt werden.
Die Krise in einigen Ländern der Eurozone machte sich auch bei den Leverkusenern bemerkbar. So sitzt Bayer auf hohen Forderungen gegenüber Kunden aus den Schuldenstaaten. Vor allem die spanischen Außenstände nannte Finanzvorstand Werner Baumann besorgniserregend. Hingegen gebe es in Griechenland Fortschritte. Zahlen nannte der Manager nicht. In Frage stellen will Vorstandsvorsitzender Dekkers die Geschäfte in den problematischen Staaten dennoch nicht. Bayer müsse hier Geduld bewahren. Auch den Schritt, wie andere Unternehmen die Kunden nur noch gegen Vorkasse zu beliefern, geht Bayer nicht mit.
Wermutstropfen im vergangenen Jahr war das Kunststoffgeschäft. Während die Teilkonzerne HealthCare und CropScience ihre Ergebnisse verbesserten, musste MaterialScience einen Rückgang hinnehmen. Hohe Rohstoffkosten konnten hier nicht vollständig durch höhere Absatzpreise ausgeglichen werden. Zudem fielen höhere operative Kosten an, unter anderem aus der Inbetriebnahme der TDI-Anlage in China. Insgesamt sei der Geschäftsbereich unter den Erwartungen geblieben, erläuterte Dekkers.
Im HealthCare-Geschäft will sich Bayer im laufenden Jahr auf die Vermarktung ihrer neuen Pharmaprodukte konzentrieren. Die Pipeline ist dabei gut gefüllt. An erster Stelle steht der Gerinnungshemmer Xarelto, dem Bayer mehr als zwei Milliarden Umsatz zutraut. Xarelto ist in den USA seit Juli 2011 für die Prophylaxe von venösen Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operationen zugelassen. Im November 2011 hat Xarelto die Zulassung für die Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern erhalten.
In einer weiteren Indikation kommt die Tablette zudem womöglich schneller auf den Markt als geplant: Die US-Gesundheitsbehörde FDA will das Mittel zur Sekundarprävention nach einem akuten Koronarsyndrom vorrangig prüfen. Innerhalb von sechs Monaten statt der üblichen zehn Monate soll eine Entscheidung getroffen werden. Bis Bayer jedoch mit Xarelto Geld verdient, wird es nach Aussagen Dekkers' jedoch "noch einige Jahre dauern". So haben die Leverkusener zusammen mit ihrem US-Partner Johnson & Johnson zwei Milliarden Euro in die Erforschung des Mittels gesteckt, die erst einmal zurück verdient werden müssen. Die Kosten für die Vermarktung sind in dieser Summe noch nicht einmal enthalten.
Auch in der Krebsforschung hat Bayer mit Apharadin und Regorafenib zwei potenzielle Blockbuster, denen ein Spitzenumsatz von mindestens eine Milliarde Euro zugetraut wird. Diesen Mitteln wurde von der FDA ebenfalls eine schnelle Prüfung zugesichert. Mit dem Augenmittel VEGF Trap-Eye, dass bereits in den USA zugelassen ist, hat Bayer eine weitere Milliardenhoffnung in der Pipeline. Insgesamt hat der Konzern derzeit 40 Pharma-Produkte in der klinischen Forschung.
Im Vergleich zu anderen Pharmakonzernen steht Bayer damit gut da. Der deutsche Konkurrent Merck KGaA hat nach mehreren Rückschlägen in der Forschung den Pharma-Chef ausgetauscht und einen weitreichenden Umbau angekündigt. Größen wie die US-Konzerne Pfizer oder Eli Lilly hatten im vierten Quartal aufgrund von Patentverlusten mit zweistelligen Ergebnisrückgängen zu kämpfen. Pfizer senkte sogar seinen Ausblick für das laufende Jahr.
Neben Patenverlusten belasten Sparmaßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen aufgrund knapper Kassen die Pharmaunternehmen zusätzlich. Bayer selbst bezifferte die Umsatzausfälle aus diesen beiden Faktoren für sich auf mehr als 600 Millionen Euro für die vergangenen zwei Jahre.
Während der Pharmamarkt noch im Umbruch ist, herrschen in der Agrarchemie weiter gute Marktbedingungen, die sich 2012 fortsetzen sollen. Nach einem Umsatz- und Ergebnisplus im vergangenen Jahr will Bayer hier 2012 stärker als der Markt wachsen. Auch im Pflanzenschutz und in der Saatguttechnologie verfügt Bayer über eine gut gefüllte Pipeline. Der Konzern erhofft sich mit zwischen 2011 und 2015 neu eingeführten Produkten einen Spitzenumsatz von rund zwei Milliarden Euro.
Dagegen dürfte das Kunsstoffgeschäft etwas abfallen. Es reagiert auf konjunkturelle Schwankungen besonders sensibel.
-von Natali Schwab, Dow Jones Newswires;
+49 69 29725119, natali.schwab@dowjones.com
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