Freitag, 24.05.2013 - aktualisiert um 13:02 MEZ
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© BAYER AG
Die Bayer AG setzt ihre Planungen zur Expansion in Indien um und hat ein Pharma-Joint-Venture in dem Land gegründet. Der Teilkonzern HealthCare und das indische Unternehmen Zydus Cadila unterzeichneten dazu eine entsprechende Vereinbarung, wie der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern am Freitag mitteilte. Das neue Unternehmen mit rund 600 Mitarbeitern soll Bayer Zydus Pharma heißen, beide Vertragsparteien seien mit je 50% gleichberechtigt vertreten.

Bayer will mit dieser neuen Marketing- und Vertriebsgesellschaft seine Präsenz in dem stark wachsenden Pharmamarkt Indiens "deutlich" stärken. Das Unternehmen nannte die Gründung von Bayer Zydus Pharma einen "wichtigen Baustein" in der Strategie, die Präsenz in Schwellenländern auszubauen. Finanzielle Details nannte ein Sprecher von Bayer HealthCare nicht. Das Pharmageschäft des Konzerns solle in dem kommenden Jahren in Indien "über dem Markt" wachsen, sagte er.

Das Beratungsunternehmen IMS Health prognostiziert für den indischen Pharmamarkt für den Zeitraum von 2009 bis 2014 ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 14,8%. Das Marktvolumen wird für 2014 bei konstanten Wechselkursen auf 21,5 Mrd USD geschätzt; 2010 machte es 12,3 Mrd USD aus.

Das Joint Venture Bayer Zydus Pharma soll in Kernsegmenten des indischen Pharmamarktes tätig sein mit dem Schwerpunkt auf Women's Healthcare, diagnostische Bildgebung, Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes-Behandlung und Onkologie. Das zukünftige Produktportfolio des Joint Ventures umfasse neben einlizensierter und Urhebermarken, auch selbstentwickelte Medikamente mit Patentschutz. Das kombinierte Portfolio beinhalte unter anderem Marken wie Glucobay, Xarelto, Nexavar und Yaz/Yasmin von Bayer sowie die derzeit von Zydus Cadila vermarkteten Produkte Euglim, Progynova und Ultravist.

Die indische Zydus Cadila ist ein weltweit tätiges Pharmaunternehmen und beschäftigt mehr als 12.000 Mitarbeiter. Für 2010 strebte die Gesellschaft einen Umsatz von mehr als 1 Mrd USD an, bis 2015 sollen es 3 Mrd USD sein. Bayer ist im indischen Pharmamarkt bislang nur schwach vertreten. Der Marktanteil beginne "mit einer Null vor dem Komma", hatte der Indien-Chef Stephan Gerlich vor kurzem in einem Zeitungsinterview gesagt. Das wolle Bayer schon seit längerem ändern, seit Jahren suche der Konzern auch nach Übernahmezielen.

Eine weitere Schwierigkeit in Indien stellt das dortige Patentgesetz dar. In dem Land können etwa Zulassungen für generische Pharmazeutika erteilt werden, auch wenn für die Substanzen noch Patentschutz besteht. Bis 2015 soll der Umsatz des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns in dem Land um durchschnittlich 16% auf dann 1 Mrd EUR steigen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) am Montag unter Berufung auf Wolfgang Plischke, als Vorstand der Bayer AG für deren Asiengeschäft zuständig, schrieb. Bayer erzielte in Indien 2009 den Angaben zufolge einen Umsatz von knapp 400 Mio EUR. Rund 60% trägt der Agrarchemie-Tochter CropScience zum Umsatz bei.

Der neue Bayer-Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers hatte nach seinem Amtsantritt verkündet, stärker in die schnell wachsenden Schwellenländer investieren zu wollen. Dazu gehört etwa auch der Ausbau des Kunststoffgeschäfts in China, in das Bayer 1 Mrd EUR investieren will, um die stark steigende Nachfrage in der Region befriedigen zu können.

Der Aktienhandel sieht das nun vereinbarte indische Joint Venture positiv: "Indien ist ein bislang noch ein weißer Fleck auf der Bayer-Landkarte, der mit dem Joint Venture jetzt abgedeckt wird. Das ist also sinnvoll", so ein Markteilnehmer. Allerdings hätten sich alle großen Pharmaunternehmen angesichts des weichen Patentrechts auf dem Subkontinent bislang schwer getan. Die Aktie von Bayer präsentiert sich am Mittag bei 54,34 EUR und verliert 0,3% gegenüber dem Vortag.
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Verfasst am 28.01.2011 um 10:52, Autor: dj
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