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Commerzbank AG
© Commerzbank AG

Der Abbau von bis zu 6.000 Stellen in der Commerzbank hat dem Institut im ersten Quartal einen Verlust beschert. Insgesamt musste die Bank 500 Millionen Euro in den Umbau investieren, was sich in einem Verlust nach Steuern in den ersten drei Monaten widerspiegeln wird, sagte Vorstandschef Martin Blessing auf der Hauptversammlung des Unternehmens.

In einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland hatte bereits Finanzvorstand Stephan Engels wegen der Kosten für den Stellenabbau ein weiteres schwieriges Jahr für die Commerzbank angekündigt, ohne einen Verlust auch für das Gesamtjahr auszuschließen.

Blessing versuchte in seiner Rede an die Aktionäre, trotz der Hiobsbotschaft für das erste Quartal Optimismus aufkommen zu lassen. Er schwor die Aktionäre darauf ein, das Jahr 2013 als "Übergangsjahr" anzusehen. Mit einer Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe hat die Commerzbank alles Mögliche getan, um den Staat abzuschütteln. Das Frankfurter Institut befindet sich seit der Übernahme der Dresdner Bank in einer Schieflage. Die Bank musste teilverstaatlicht werden und Tausende Stellen streichen. Auch die langfristigen Prognosen konnte Blessing nicht erfüllen.

Baldige Erfolge konnte der Vorstandschef auch bei der Hauptversammlung nicht versprechen. "Wir werden Kraft, Ausdauer und Willensstärke benötigen, um auf unserem Weg erfolgreich zu sein", sagte er. "Der sinkende Anteil des Bundes markiert für uns den Einstieg in den Ausstieg des Staates als Aktionär, also die Rückkehr zur Normalisierung der Aktionärsstruktur."

In einem Gespräch mit dem Anlegeranwalt Klaus Nieding, das am Tag der Hauptversammlung in der Mitarbeiterzeitung veröffentlicht wurde, verteidigte Blessing die Kapitalerhöhung. Diese bedeute für die Altaktionäre zunächst einmal einen weiteren Verlust nach dem massiven Kursverlust ihrer Anteilsscheine, die derzeit wenig mehr als einen Euro kosten.

Dieser Schritt sei aber notwendig, um die Kapitalposition der Bank zu stärken, erklärte Blessing. "Wenn Basel III schon voll gelten würde, hätten wir heute ein Problem", erklärte er. "Denn unsere stillen Einlagen zählen zwar jetzt noch als Eigenkapital, aber bald nicht mehr."

Die Befreiung aus den Staatsfesseln ist nicht der einzige Quantensprung für die Commerzbank in diesem Jahr. Vielmehr erfindet sich die Bank gerade neu, indem sie Filialen, die sich nicht mehr rechnen, schließt und sich ihre Online-Tochter comdirect zum Vorbild nimmt. Blessings Strategie lautet: Mehr Online, weniger Präsenz. Damit reagiert er auf die Technisierung der Welt, in der auch Bankkunden ihre Geschäfte lieber über das Internet abwickeln als in der Filiale.

Inwieweit er die Aktionäre überzeugen kann, ist allerdings fraglich. Bei den bisherigen Hauptversammlungen musste er sich wiederholt massive Kritik anhören. Auch diesmal droht ihn, allein wegen des Kursverfalls der Aktie, erneut der Zorn der Aktionäre zu treffen.

Kontakt zur Autorin: Madeleine.Nissen@wsj.com

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Verfasst am 19.04.2013 um 08:15, Autor: dj
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