Hannover Rück erneuert Verträge zu stabilen Preisen

"Die Erneuerungsrunde verlief für uns besser als erwartet", sagte der Vorstandsvorsitzende des MDAX-Konzerns, Ulrich Wallin. "Trotz der Aufweichungstendenzen im Markt konnten wir weitgehend stabile Raten und Konditionen erzielen."
Traditionell laufen zum 1. Januar auf Jahresbasis geschlossene Schaden- und Unfall-Verträge mit Erstversicherungen aus. Ein Großteil davon betrifft Geschäft in Europa und Asien. Hannover Rück erneuerte Verträge mit einem Volumen von insgesamt 3,3 Mrd EUR oder 67% des Portfolios. Hiervon wurden Verträge im Umfang von 3,0 Mrd EUR verlängert, Verträge über 284 Mio EUR hingegen gekündigt bzw in abgeänderter Form erneuert.
Laut Gräber war in einigen Bereichen ein verschärfter Wettbewerb spürbar. Mit dem Abklingen der Finanzkrise werde wieder verstärkt Versicherungsschutz angeboten, was die Prämien teilweise unter Druck setze. Hannover Rück habe sich deshalb bei der Kredit- und Kautionsversicherung oder dem Katastrophengeschäft mit Großkunden zurückgehalten. Dass weniger Katastrophengeschäft als im Vorjahr gezeichnet worden sei, sei auch darauf zurückzuführen, dass es an schadenträchtigen Großereignissen in richtungsweisenden Märkten gefehlt habe. Zwar sei das abgelaufene Jahr das drittschwerste Jahr in der Rückversicherungsgeschichte gewesen, dies sei jedoch einer Vielzahl kleinerer Schäden geschuldet.
Auf dem deutschen Heimatmarkt entwickelte sich der Kraftfahrt-Haftpflichtbereich aus Sicht der Hannover Rück "sehr erfreulich". "In dieser für uns wichtigen Sparte konnten wir im nichtproportionalen Geschäft erneut Ratenerhöhungen um durchschnittlich 5% erzielen", sagte Vorstandsvorsitzender Wallin.
In Nordamerika sei die Vertragserneuerung insgesamt "zufriedenstellend" verlaufen. Laut Gräber musste die Hannover Rück zwar "leichte Ratenreduzierungen" bei Sachversicherungen hinnehmen, die Preise seien aber immer noch adäquat zum eingegangenen Risiko gewesen. Haftpflichtversicherungen hätten sich stabil bis leicht schwächer entwickelt.
Als "sehr erfreulich" bezeichnete Gräber die Situation im Transportgeschäft, speziell im Offshore-Energy-Bereich. Erwartungsgemäß habe die Explosion der Ölbohrinsel "Deepwater Horizon" die Preise deutlich steigen lassen. Das Prämienvolumen sei hier um 20% gestiegen.
Nach Abschluss der Erneuerungsrunde rechnet der Konzern für 2011 besonders in der Personenrückversicherung mit kräftigen Umsatzzuwächsen. Die Nettoprämien sollen hier um 10% bis 12% steigen und damit deutlich stärker als in der Schaden-Rückversicherung. In der Schaden-Rückversicherung erwartet CEO Wallin netto maximal 3% Prämienwachstum. Mindestens soll das Niveau aber gehalten werden. Zusammen werde dies die Brutto- und Nettoprämien um jeweils rund 5% steigen lassen, so Wallin.
Den Nettogewinn sieht der CEO 2011 weiterhin bei 650 Mio EUR und damit unter dem Ergebnis des vergangenen Jahres, das dank eines günstig ausgegangenen Steuerstreits bei mehr als 700 Mio EUR liegen dürfte. Berichte über 2,10 EUR Dividende für 2011 seien "keine schlechte Schätzung", sagte Wallin, nachdem er im Dezember bereits etwas über 2,10 EUR Dividende für 2010 angekündigt hatte.
Keinen Einfluss auf die Gewinnprognosen für 2010 und 2011 haben Wallin zufolge die Fluten in Australien. Die Überschwemmungen im australischen Bundesstaat Queensland Ende vergangenen Jahres werde mit 16 Mio EUR Nettobelastung zu Buche schlagen. Die Überflutung der Stadt Brisbane könnte das erste Quartal netto mit 40 Mio bis 100 Mio EUR belasten, fügte er hinzu.
Nach Einschätzung von Silvia Quandt Research ist die Erneuerungsrunde für Hannover Rück besser als erwartet gelaufen. Hervorzuheben sei, dass der Rückversicherer seine Ziele für das laufende Jahr trotz der verheerenden Überschwemmungen in Australien bekräftigt habe. Damit habe das Unternehmen erneut bewiesen, dass es eine konservative Reservepolitik für Großschäden verfolge. Das Unternehmen sei auf dem besten Wege, beim diesjährigen Nettogewinn sein eigenes Ziel zu übertreffen.
Auch am Aktienmarkt wurden die Ergebnisse der Erneuerungsrunde honoriert: Hannover Rück schlossen um 0,8% im Plus bei 42,24 EUR, nachdem sie zeitweise bis auf 42,73 EUR geklettert waren.
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