MÄRKTE EUROPA/Anleger zweifeln an Erfolg des EU-Gipfels

FRANKFURT--Vorsicht vor dem EU-Gipfel zur Schuldenkrise bestimmt die Märkte zum Wochenauftakt. Der DAX fällt im frühen Handel um 1,5 Prozent auf 6.167 Punkte, der Euro-Stoxx-50 verliert 1,2 Prozent. "Die Märkte setzen die Politik unter Druck", meint ein Marktteilnehmer. Der Euro fällt um etwa einen Cent auf knapp unter 1,25 US-Dollar.
"Wir erwarten, dass der Druck auf das europäische Finanzsystem schnell wieder zunimmt und der Euro weiter abwertet", heißt es bei der Bank Standard Chartered. Bei dem vorangegangenen Treffen hatten die Staats- und Regierungschefs EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, EU-Ratspräsident Herman van Rompuy, Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker und den Präsidenten der Europäischen Zentralbank Mario Draghi mit einer Art Masterplan zur Lösung der Banken- und Staatsschuldenkrise beauftragt. Angesichts der weiter kaum zu überbrückenden Interessen könnten die Hoffnungen aber enttäuscht werden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel fliegt bereits am Mittwoch zum französischen Präsidenten Francois Hollande nach Paris. Dort soll der Gipfel vorbereitet werden. Die Spannung ist auch deshalb so groß, weil der Gipfel der letzte vor der Sommerpause sein soll.
Verunsichert sind die Anleger auch im Vorfeld neuer Staatsanleihen-Auktionen in Spanien und Italien am Dienstag. Marktteilnehmer erwarten, dass Spanien noch am Montag formal um Finanzhilfen für seine Banken nachsucht. Die EU hat bereits bis zu 100 Milliarden Euro aus den Rettungsschirmen bewilligt. Erste Stresstets der spanischen Banken förderten einen Finanzbedarf von 62 Milliarden Euro zutage.
Trotzdem zeigen sich die Anlagestrategen von AXA Invest skeptisch. Das Haus bezweifelt, dass die Renditeaufschläge wieder sinken: "Dabei besteht die Gefahr, dass Spaniens Kreditwürdigkeit weiter auf Ramschstatus heruntergestuft wird". Im frühen Handel steigt die zuletzt deutlich gesunkene Rendite spanischer Zehnjahrespapiere um 16 Basispunkte auf 6,42 Prozent.
Der Terminkalender am Montag ist spärlich bestückt: An bedeutenderen makroökonomischen Kennziffern stehen am Nachmittag lediglich die US-Neubauverkäufe auf dem Programm. Volkswirte rechnen für Mai mit einem Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat.
Konjunkturabhängige Aktien unter Druck
Auf der Aktienseite sprechen Händler von Druck auf breiter Front. Besonders am Terminmarkt sehen Händler Verkäufe. Damit sichern sich Marktteilnehmer gegen Verluste ab. Bei den Einzelwerten geben konjunkturabhängige Titel besonders stark nach. Angeführt wird die Verliererliste im DAX von ThyssenKrupp, die 3,3 Prozent auf 12,26 Euro abgeben. Auch mit Finanztiteln geht es weiter nach unten, hier fallen Deutsche Bank um 2,2 Prozent auf 27,91 Euro zurück. Aber auch Aktien aus den Bereichen Telekommunikation und Versorgung werden nach der Stärke der vergangenen Handelstage wieder verkauft.
In der zweiten Reihe tendieren Rheinmetall mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 37,30 Euro wenig verändert. Kraus-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall sollten sich zusammenschließen, meint KMW-Miteigentümer Burkhart Braunbehrens, dessen Familie knapp die Hälfte des KMW-Kapitals hält.
DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 8.40 Uhr Fr, 17.35 Uhr
EUR/USD 1,2495 -0,09% 1,2506 1,2537
EUR/JPY 100,1480 -0,07% 100,2231 100,9977
EUR/CHF 1,2010 -0,01% 1,2011 1,2010
USD/JPY 80,1290 0,00% 80,1310 80,5400
GBP/USD 1,5547 -0,18% 1,5575 1,5565
Kontakt zum Autor: herbert.rude@dowjones.com
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