MÄRKTE EUROPA/Ausbleibende Kavallerie lässt die Kurse fallen

"Dass sich der Markt mittlerweile an solche Strohhalme klammert, zeigt, wie verzweifelt die Lage angesichts des sich in Spanien zusammenbrauenden Ungemachs mittlerweile ist", sagt ein Börsianer. Wie bei solchen Konstellationen üblich kommt auch der Euro zum Dollar unter Druck und fällt nicht nur auf das frische Jahrestief von 1,2453 Dollar, sondern damit auch den niedrigsten Stand seit dem 1. Juli 2010. Sollte die Unterstützung um 1,25 Dollar nicht halten, sehen Charttechniker Abwärtspotenzial bis auf 1,2150 Dollar. Die als sicherer Hafen geltenden deutschen Bund-Futures ziehen hingegen an, der Kontrakt mit Fälligkeit im Juni steigt um 48 Ticks auf 144,51 Prozent. Mit 144,62 Prozent hat er zuvor ein neues Allzeithoch markiert.
Spanien bleibt Hauptgesprächsthema
Hauptgesprächsthema in den Handelsräumen ist weiter die Lage in Spanien. Die Sanierung des nach dem Platzen einer Immobilienblase unter faulen Krediten ächzenden Bankensystems kommt die Iberer immer teurer. Die Analysten von Nomura schätzen, dass die Madrider Regierung dafür 50 bis 60 Milliarden Euro aufwenden muss. Gleichzeitig verschlechtern sich allerdings die Refinanzierungsbedingungen für das Land dramatisch. So steigt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen am Morgen um 8 Basispunkte auf 6,48 Prozent. Damit marschiert sie weiter stramm in Richtung von 7 Prozent, ein Niveau, das bereits Irland und Portugal unter den Rettungsschirm von EU und IWF zwang.
Der jüngste Plan zur Rekapitalisierung des drittgrößten Kreditinstituts Bankia, die alleine 19 Milliarden Euro verschlingen dürfte, sieht daher vor, neue Schuldtitel aufzulegen. Diese sollen dann als Sicherheiten bei der EZB eingereicht werden. Laut Financial Times lehnen die Währungshüter dieses Vorhaben allerdings ab, sie befürchten eine Vermischung von Monetär- und Fiskalpolitik. "Die kurzfristige finale Kapitulation als Reaktion auf Spanien steht uns leider noch bevor", sagt ein Händler. Der IBEX verliert in Madrid 1,7 Prozent auf 6.147 Punkte und hat damit abermals die "rote Laterne" unter den europäischen Kursbarometern inne.
Die Agenda der Konjunkturdaten ist zur Wochenmitte dünn und noch dazu lediglich mit makroökonomischen Kennziffern aus der zweiten Reihe bestückt. Am Vormittag steht eine ganze Reihe von Stimmungsindikatoren für Mai aus dem Euroraum auf dem Programm. "Vor allem die rückläufigen nationalen Geschäftsklima- sowie die enttäuschenden Einkaufsmanagerindizes weisen den Weg. Ein Rücksetzer im Rahmen der Konsensschätzung ist zu erwarten, aber auch ein Wert darunter sollte nicht allzu sehr überraschen", sagt Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. Aus den USA werden am Nachmittag die ausstehenden Hausverkäufe für April erwartet.
Zykliker und Banken unter Druck
"Brief" sind an Europas Börsen angesichts der ausbleibenden Kavallerie vor allem die konjunktursensitiven Aktien sowie Finanzwerte. So verlieren Automobilaktien im Schnitt 1,2 Prozent, Grundstoffwerte 1,7 Prozent. Für den europäischen Bankenindex geht es um 1,6 Prozent nach unten. Im DAX fallen BMW um 2,1 Prozent auf 62,68 Euro zurück und sind damit Schlusslicht im deutschen Leitindex. China ist für den Hersteller von Luxusfahrzeugen ein wichtiger Absatzmarkt. Commerzbank verbilligen sich um 1,7 Prozent auf 1,33 Euro.
Gegen den Trend ziehen Deutsche Börse um 0,1 Prozent auf 38,83 Euro an. Der Börsenbetreiber will für etwa 100 Millionen Euro eigene Aktien zurückkaufen. Damit verknappt sich das Angebot, was den Kurs in der Regel steigen lässt. Metro legen um 1,4 Prozent auf 22,93 Euro zu und sind damit bislang Tagesgewinner. Das Einzelhandelsunternehmen verkauft alle 30 britischen Großmärkte an die Booker Group. Dafür erhält Metro 9,99 Prozent des Aktienkapitals von Booker sowie 15,8 Millionen Britische Pfund in bar.
DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Di, 18.09 Uhr
EUR/USD 1,2458 -0,2% 1,2487 1,2477
EUR/JPY 98,8215 -0,5% 99,3130 99,1130
EUR/CHF 1,2010 -0,0% 1,2012 1,2010
USD/JPY 79,3250 -0,3% 79,5400 79,4250
GBP/USD 1,5583 -0,3% 1,5635 1,5619
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