Metro versieht nach Gewinnsprung Ausblick mit Fragezeichen
METRO AG St

So gab Metro für 2011 ein um Portfolioänderungen bereinigtes Umsatzwachstum von mehr als 4% und ein Plus beim EBIT vor Sonderfaktoren von rund 10% aus - jedoch versehen mit einem "Aber". "Ob wir das erreichen werden, hängt am äußeren Umfeld", sagte Cordes. So könnten die Erdbebenkatastrophe in Japan oder die politischen Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben, "die im Moment von keinem abschätzbar sind", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Das liegt außerhalb unserer Kontrolle."
Hinzu komme, dass auch einige Länder in Europa mehr Zeit bräuchten, mit der Krise des Jahres 2009 fertig zu werden. Zusätzlich trügen die verschiedenen Sparanstrengungen der Regierungen nicht dazu bei, den Konsum anzukurbeln.
An der Börse kamen die vorsichtigen Aussagen nicht gut an. Die Aktie gab am Mittag deutlich nach und war der größte Verlierer im DAX. Sie gab bis Mittag 3,9% auf 48,12 EUR nach. So bezeichneten mehrere Analysten den Umsatzausblick als enttäuschend. LBBW-Analyst Bernd Müll sagte allerdings auch, das Geschäft von Metro in den Krisenregionen Japan, Nordafrika und Naher Osten sei nicht sehr bedeutend. Metro sei generell vorsichtig und konservativ in ihren Ausblicken und habe insofern nur darauf hingewiesen, dass die Prognosen angesichts der aktuellen Umstände gefährdet sein könnten.
Weiter positiv wird sich nach Einschätzung der Metro das Programm "Shape 2012" auf die Ergebnissituation auswirken. Bislang hat das Transformationsprogramm seit 2009 mehr als 500 Mio EUR zum EBIT vor Sonderfaktoren beigetragen. Bis 2012 sollen es den Plänen zufolge brutto 1,5 Mrd EUR sein. Die organisatorischen Änderungen wurden in diesem Jahr abgeschlossen. So löste Metro den zentralen Einkauf auf, was zu besseren Konditionen führte, baute den Eigenmarkenanteil bei allen Vertriebslinien - Cash & Carry (C&C), Media Markt/Saturn, Real und Kaufhof - aus, bereinigte Sortimente und verstärkte den Außendienst bei C&C.
Auch im E-Commerce - bislang eine Schwachstelle im Konzern - kommt die Metro voran - in allen Vertriebslinien. Auch das Elektronikgeschäft plant in Deutschland mit Saturn.de im zweiten Halbjahr dieses Jahres nach langen Diskussionen den Online-Start; Media Markt plant eine eigene Online-Plattform.
Wichtigstes Thema auf der Cordes-Agenda bleibt die Beschleunigung der internationalen Expansion. Dabei hat der Manager vor allem die asiatischen Wachstumsmärkte sowie Russland im Visier. Mehr als 110 Märkte sollen im laufenden Jahr weltweit eröffnet werden, davon die meisten bei Media Markt/Saturn und Cash & Carry. Die Investitionssumme liegt bei 2,2 Mrd EUR.
Mittlerweile erzielt Metro 61% ihres Umsatzes im Ausland. Im vergangenen Jahr erhöhte sich der gesamte Umsatz um 2,6% auf 67,3 Mrd EUR - davon verzeichnete Asien/Afrika als einzige Region ein zweistelliges Wachstum. Gewinne erzielt Metro hier allerdings noch nicht - vor allem hohe Anlaufkosten für den Markteintritt von Media Markt in China sowie Cash & Carry in Ägypten waren 2010 der Grund dafür. "Bis 2013 wollen wir mit jedem Land in Asien profitabel sein", sagte Finanzvorstand Olaf Koch auf der Bilanzpressekonferenz.
Insgesamt zeigte sich Metro mit dem vergangenen Jahr zufrieden, obwohl, so Cordes, Metro der Rückenwind durch die Konjunktur trotz einer Aufhellung weiterhin gefehlt hat. So erzielte Metro mit 2,4 Mrd EUR das bislang höchste EBIT vor Sonderfaktoren - die bevorzugte Kennziffer des Konzerns. Alle Vertriebslinien arbeiteten Metro zufolge profitabel. Media Markt/Saturn litt dabei unter den Anlaufkosten für das Online-Geschäft und den Einstieg in China, hinzu kam der Ausstieg aus dem französischen Markt. Darum bereinigt, legte der Bereich auch auf der Ergebnisseite zu.
Mit einer EBIT-Rendite von 3,9% erzielte ausgerechnet das nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Warenhausgeschäft Galeria Kaufhof die höchste Rendite im Konzern und schaffte die sechste Ergebnissteigerung in Folge. Nichtsdestotrotz ist Cordes weiter bereit, das Geschäft abzugeben, weil es sich seiner Ansicht nach nicht internationalisieren lässt. "Wir sind weiter offen für Allianzen." Der Druck, hier unbedingt tätig werden zu müssen, nehme jedoch "von Jahr zu Jahr ab".
Auch die SB-Warenhaus-Tochter Real hat steigende Chancen, im Konzern zu verbleiben. Das Restrukturierungsprogramm habe Früchte getragen, sagte Cordes. So erzielte Real auch international 2010 erstmals Gewinne. Das Geschäft sei im Gegensatz zu 2007, als er das Ruder bei Metro übernommen habe, kein zwingender Verkaufskandidat mehr, sagte der Manager. Zwar verdiene Real noch nicht seine Kapitalkosten, sei aber auf gutem Weg, die mittelfristige EBIT-Rendite von 2% zu erreichen.
Die Restrukturierung trug auch bei C&C Früchte, die ein zweistelliges Ergebniswachstum erzielte und mit einem operativen Ergebnisbeitrag von mehr als 1 Mrd EUR eine tragende Säule des Konzern war.
Die Aktionäre sollen an der guten Geschäftsentwicklung teilhaben: Erstmals seit 2007 will der Konzern wieder eine höhere Dividende zahlen: 1,35 (Vorjahr: 1,18) EUR je Stammaktie sollen die Anteilseigner erhalten und damit so viel wie nie zuvor.
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