Freitag, 24.05.2013 - aktualisiert um 07:59 MEZ
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Münchener Rück AG
Der Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re hat sich für die Zerschlagung von Großbanken ausgesprochen. Er sei ein Freund des Trennbankensystems, Investmentbanken müssten vom übrigen Bankengeschäft abgekoppelt werden, sagte Nikolaus von Bomhard zu Journalisten. Angeschlagene Institute müssten dann auch pleitegehen können. "Ein 'too big to fail' darf es nicht geben", sagte der Manager, ohne jedoch einzelne Institute beim Namen nennen zu wollen.

Vor Einführung einer Bankenunion in Europa müssten deren Regeln und Eingriffsmöglichkeiten geklärt sein, so von Bomhard. Außerdem sei eine Beteiligung der Gläubiger an der Rettung von in der Krise steckenden Länder im Prinzip notwendig, auch damit der Kapitalmarkt Kreditrisiken risikoadäquat preisen könne. Die Bedingungen bei den Staatsschulden sollten aber für alle klar sein, es dürfe keinen "plötzlichen Paradigmenwechsel" geben. Bei strukturellen Reformen zu diesen Themen drängte von Bomhard die europäischen Politiker zur Eile.

Nachhaltige Fortschritte seien wichtig, damit Unternehmen wie Munich Re zum Tagesgeschäft zurückkehren können, sagte Nikolaus von Bomhard. Zwar sind Versicherer trotz beträchtlicher Abschreibungen auf Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie sowie der Teilnahme am Schuldenschnitt Griechenlands größtenteils besser durch die Krise gekommen als Banken. Die Erträge der Versicherer leiden jedoch unter dem Niedrigzinsumfeld, was durch die Liquiditätsflut zur Unterstützung des Bankensektors noch verschärft wird. Das zwingt sie gleichzeitig dazu, woanders nach Anlagemöglichkeiten mit höheren Renditen zu suchen, ohne höhere Risiken auf die Bücher zu nehmen.

Europa müsse bei der weitreichenden Reform seiner Institutionen, Prozesse und der Kapitalmarktregulierung nun auch liefern, sagte von Bomhard, nicht zuletzt, um das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen.

Auf Roadshows würden internationale Investoren derzeit nur nach Europa fragen und danach, wann die Region endlich ihre Probleme lösen wird, anstatt über die Strategie der Munich Re zu diskutieren. Sein Unternehmen selbst sei bei der Krise auf jeden Ausgang vorbereitet, denn der Konzern verfüge über ein gut diversifiziertes Geschäft, das sowohl Rück- als auch Erstversicherung sowie breit gestreute Investments umfasst.

"Wir gehen keine Wette ein, wir sind sowohl gewappnet für ein Auseinanderbrechen des Euro wie auch für eine Fiskalunion", sagte von Bomhard. Das gehe aber zu Lasten der Rendite. Eine nachhaltige Lösung wäre deshalb wünschenswert.

"Die Rolle der Finanzmärkte ist neu zu definieren und neu zu kalibrieren", forderte der Manager, auch die Interaktion zwischen Banken und Staaten, die die Zinsen extrem niedrig halten. Darunter leiden die Versicherer extrem. Er forderte fundamentale Veränderungen an den Kapitalmärkten, bei den Banken mehr als bei den Versicherungen. Verbesserungen seien notwendig bei der Aufsicht sowie den Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften.

Unter den europäischen Institutionen sei der Europäische Rat am dringendsten reformbedürftig. Europa brauche eine demokratische Verfassung. Den damit einhergehenden Souveränitätsverlust nannte von Bomhard "schmerzlich aber notwendig". Eine Direktwahl der Exekutive in Europa, zum Beispiel einen Präsidenten, könnte identitätsstiftend für Europa als Ganzes wirken.

Kontakt zum Autor: ulrike.dauer@dowjones.com
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Verfasst am 17.07.2012 um 12:20, Autor: dj
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