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TUI AG
© TUI AG

TUI will künftig als reiner Touristikkonzern ohne Schulden in Europa den Ton angeben. Ein ganzes Bündel an Optionen bietet sich, auch Zukäufe gehören dazu. Im Fokus steht aber - zumindest noch - Hapag-Lloyd. Hier stockt der seit langem geplante Komplettausstieg der Hannoveraner. Daher dürften die Pläne im wichtigen Reisegeschäft weiter nur mit angezogener Handbremse verfolgt werden.

Michael Frenzel, Vorstandsvorsitzender der TUI AG, will zwar die Spielräume in der Touristik ausloten. Gleichzeitig soll aber auch die finanzielle Situation nicht gefährdet werden. Bis zum Ende des Geschäftsjahres will TUI, so der Plan, schuldenfrei sein.

Wachsen will der Konzern in Russland, China und in diversen Schwellenländern. "Wir besitzen das Knowhow, die Experten und die Systeme, um das Potenzial dieser rasant wachsenden Märkte zu erschließen", gibt sich Frenzel optimistisch. Außerdem will der Manager das Onlinegeschäft ausbauen.

Der am Vortag beschlossene Verkauf von weiteren Anteilen an der Reederei Hapag Lloyd spült TUI zwar Geld in die Kasse und reduziert die Nettoverschuldung. Das wichtige Ziel, schuldenfrei zu sein, scheint auch damit in greifbarer Nähe. Analysten sind sich aber uneins, wie der stockende Ausstieg aus der Containerschifffahrt letztendlich zu bewerten ist.

Bei Silvia Quandt Research bemängeln die Experten den Verkaufspreis, den TUI vom Konsortium Albert Ballin für weitere Hapag-Anteile erhält. Der Preis liege unter dem Nominalwert der Anteile, so die Experten. Quandt zufolge liege der errechnete Gesamtwert rund 140 Millionen unter dem zuletzt kommunizierten fairen Wert.

Wesentlich positiver sieht equinet-Analyst Jochen Rothenbacher den Vertragsabschluss. "Der Deal um Hapag-Lloyd ist gut", sagte er. Der Discount auf das investierte Kapital liege nur bei 7 Prozent. "Damit muss TUI wenn überhaupt nur marginale Abschreibungen hinnehmen", sagt der Analyst. TUI selbst wollte sich zu einem möglichen Abschreibungsbedarf zunächst nicht äußern.

Silvia Quandt kritisiert zudem TUIs Zugeständnisse beim Zeitplan und den Verzicht auf das Recht, den verbleibenden Hapag-Lloyd-Anteil an Albert Ballin zu verkaufen. Andere Markteilnehmer begrüßen indes, dass TUI und Albert Ballin sich überhaupt geeinigt haben und der Touristikkonzern nun schon einmal einen Teil seiner Reedereianteile in absehbarer Zeit verkaufen kann.

Trotz der differenzierten Einschätzung der Analysten spricht die Aktie von TUI eine eindeutige Sprache: Sie verteuert sich im Nachmittagshandel um 4,1 Prozent auf 6,46 EUR.

Das positivste Echo kam von TUI, Albert Ballin und Hapag-Lloyd. "Wir kommen damit unserem obersten Ziel, einen schuldenfreien Konzern zum Jahresabschlussstichtag zu schaffen, noch im laufenden Geschäftsjahr sehr nahe", sagte Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel am Mittwoch der Hauptversammlung in Hannover.

Das Erreichen von Zielen nimmt der Hannoveraner Konzern auch für das Ergebnis des ersten Geschäftsquartals für sich in Anspruch. Man habe die Entwicklung im Zeitraum von Oktober bis Ende Dezember vorausgesehen und bestätige deswegen trotz des im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Verlustes den Ausblick für das Gesamtjahr. Bis Ende September sollen Umsatz und bereinigter Gewinn moderat steigen. Das Ergebnis vor Minderheiten wird im positiven Bereich gesehen. Für die Aktionäre könnte dies schöne Folgen haben. Der Vorstand will die Dividendenzahlung so schnell wie möglich wieder aufnehmen.

Belastet wurde das Erstquartal von den politischen Unruhen in Nordafrika, gesunkenen Frachtraten und hohen Treibstoffpreisen. Der Nettoverlust kletterte um fast das Doppelte. Dazu trug auch die Beteiligung an der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd bei, die mit 8,7 Millionen Euro zu Buche schlug. Die nachlassende Nachfrage nach Reisen in nordafrikanische Länder reduzierte den Gewinn um 30 Millionen Euro.

- Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires;

+49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com

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Verfasst am 15.02.2012 um 14:23, Autor: dj
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