Vossloh verdient durch Projektverzögerungen deutlich weniger
Vossloh AG

Der Konzernüberschuss brach im ersten Quartal um mehr als die Hälfte auf 4,2 Millionen Euro ein, wie die Vossloh AG mitteilte. Vor Zinsen und Steuern verdiente das Unternehmen 10,2 Millionen Euro, ein Minus von über 40 Prozent. Die Erlöse lagen mit knapp 256 Millionen Euro allerdings nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Analysten hatten beim Umsatz etwas weniger, beim Ergebnis aber mehr erwartet.
An der Prognose hält das Unternehmen aus dem sauerländischen Werdohl fest. "Unser Auftragspolster untermauert unsere Wachstumsperspektive sehr klar", zeigte sich Vorstandssprecher Werner Andree optimistisch. Der Auftragsbestand erreichte mit 1,59 Milliarden Euro zum 31. März einen neuen Höchstwert.
Marktbeobachter sind skeptischer, ob Vossloh seine Prognose tatsächlich wird halten können. Für die DZ Bank sind diese Ziele im Licht der bescheidenen Erstquartalszahlen zu einer Herausforderung geworden. Händler sagten dagegen, der gute Ausblick könnte Vossloh stützen. "Die Aktie sollte das Schlimmste hinter sich haben", sagte ein Marktteilnehmer. Die Erträge seien im zurückliegenden Quartal zwar "zusammengebrochen". Der Ausblick auf 2012 und 2013 deute aber auf bessere Zeiten hin. Am Morgen lag die Aktie leicht im Minus.
Für den Rückgang des operativen Ergebnisses macht Vossloh vor allem den Geschäftsbereich Rail Infrastructure, also das Geschäft mit Bahnweichen, Schienenbefestigungen und Schienen verantwortlich. Hier schrumpfte der Umsatz um 11 Prozent auf 145,2 Millionen Euro.
Während Vossloh im ersten Quartal 2011 noch 20 Millionen Euro Umsatz aus dem Verkauf von Schienenbefestigungen nach China erzielt hatte, erfolgten nun wegen der anhaltenden Projektverschiebungen "keine nennenswerten Auslieferungen". Auch in Südeuropa sei die Nachfrage nach Produkten aus dem Geschäftsfeld Fastening Systems zurückhaltend verlaufen.
Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr hatten unter anderem Projektverzögerungen in China und eine Nachfrageschwäche in den europäischen Kernmärkten die Entwicklung belastet. Vorstandsmitglied Norbert Schiedeck hatte sich bei der Bilanzpressekonferenz Ende März aber zuversichtlich gezeigt, dass die Flaute in China nur vorübergehend sein wird. Der Bedarf an Transport sei dort "ungebrochen".
Im Segment Switch Systems verlief das Europageschäft und speziell der Geschäftsverlauf in Schweden, Frankreich und Polen den Angaben zufolge aktuell gut und ließ den Umsatz um 19,5 Prozent auf 97,0 Millionen Euro wachsen. Neue Aufträge für das Weichengeschäft gingen unter anderem aus den USA, Schweden, Frankreich und Australien ein.
Im Geschäftsfeld Rail Services sanken die Umsätze dagegen massiv auf 9,3 Millionen Euro von 17,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Grund dafür seien geringer als erwartet ausgefallene Schweißaufträge für Schienen in Deutschland, hieß es.
Der Umsatz des Geschäftsbereiches Transportation, das die Fertigung von Lokomotiven und Steuerungssystem für Schienenfahrzeuge umfasst, wuchs dagegen um 14,6 Prozent auf 110,5 Millionen Euro. Zum Umsatzanstieg trugen beide Geschäftsfelder, Transportation Services und Electrical Systems, bei.
Im Geschäftsjahr 2011 hatte Vossloh einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 96,5 Millionen Euro erzielt. Seine Kerngeschäfte sieht der Konzern in der Bahn-Infrastruktur, im Bereich Schienenfahrzeuge sowie im Geschäft mit Elektrobussen.
-Von Ursula Quass und Markus Klausen, Dow Jones Newswire
+49(0)69 29725 110, ursula.quass@dowjones.com
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