Samstag, 18.05.2013 - aktualisiert um 14:32 MEZ
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Volkswagen AG Vz
Europas größter Autobauer Volkswagen will sich die Sportwagenschmiede Porsche rasch komplett einverleiben. "Wir wollen den integrierten Automobilkonzern zu wirtschaftlich sinnvollen Bedingungen und so schnell wie möglich vollenden", sagte Martin Winterkorn, in Personalunion Vorstandschef von VW und der Porsche Holding, auf der Hauptversammlung der Zuffenhausener laut Redetext. Die Porsche SE bereitet sich schon auf die Zeit danach vor und will sich auf dem Aktionärstreffen einen neuen Selbstzweck verpassen.

Eigentlich wollten VW und die Porsche-Holding schon im Jahr 2011 verschmelzen. Im September vergangenen Jahres wurde der Plan aufgrund rechtlicher Risiken allerdings auf Eis gelegt. Denn in den USA und Deutschland laufen Investorenklagen gegen die ehemalige Porsche-Führungsriege um Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter wegen möglicher Marktmanipulationen, die für Porsche horrende Schadenersatzforderungen nach sich ziehen könnten.

Als Plan B für die Bildung des geplanten integrierten Automobilkonzerns sah die 2009 nach zähem Übernahmekampf von VW und Porsche unterzeichnete Grundlagenvereinbarung ein komplexes Gebilde aus Put- und Call-Optionen auf das Porsche-Sportwagengeschäft, die AG, vor. Diese könnten zwar steuerfrei gezogen werden. Die vollständigen Synergien könnten dann allerdings erst 2014 gehoben werden.

In den vergangenen Monaten kristallisierte sich deshalb heraus, dass VW wohl schon früher den Rest der Porsche AG übernehmen wird. Bis 2014 zu warten, "hilft keinem Beteiligten - weder den Unternehmen, noch dem Fiskus", sagte Winterkorn auf dem Aktionärstreffen. "Deshalb haben wir intensiv geprüft, ob es wirtschaftlich sinnvolle Alternativen gibt, um den integrierten Automobilkonzern zügiger zu schaffen".

Mit einem vorzeitigen Kauf, der Europas größten Autobauer etwa 4,5 Milliarden Euro kosten würde, wäre allerdings eine milliardenschwere Steuerzahlung verbunden. Diese potenzielle Belastung war lange ein Hemmschuh für die Unternehmen; man suchte Monate nach Optionen zur möglichst geschickten Ausgestaltung des Deals.

In den vergangenen Wochen deutete sich dann an, dass die mittlerweile seit Jahren andauernde "Porsche-Saga" bald ein Ende finden könnte, einem Steuerschlupfloch sei dank. Würde VW den Rest der Porsche AG kaufen und gleichzeitig eine Stammaktie an Porsche abgegeben, wäre es juristisch gesehen eine Umstrukturierung und kein Verkauf mehr. In diesem Fall würden keine Steuern anfallen. Medien hatten daraufhin berichtet, es könnte schon im August eine Einigung geben.

Wegen der angeblichen Steuerfreiheit formierte sich schnell politischer Widerstand. Winterkorn versuchte auf der Hauptversammlung, die Wogen zu glätten. Von einem schnelleren Zusammengehen von Porsche und Volkswagen würde auch der Fiskus profitieren, sagte er. Denn durch höhere Erträge eines kombinierten Unternehmens würden auch höhere Steuern fällig, rechnete er vor. "Porsche und Volkswagen waren, sind und bleiben gute, verlässliche Steuerzahler".

Zum möglichen Zeitrahmen für den integrierten Automobilkonzern äußerte sich Winterkorn nicht. Die Prüfung dauere noch an, nach ihrem Abschluss werde der Konzern "zeitnah" informieren. Der 65-Jährige und VWs Finanzchef Hans Dieter Pötsch sitzen im Vorstand der Porsche-Holding, seit der Plan der Stuttgarter 2009 gescheitert war, die vielfach größere Volkswagen AG zu übernehmen. Nach einem erbitterten Machtkampf mit dem damaligen Porsche-Management hatte VW knapp die Hälfte am Sportwagengeschäft der Stuttgarter übernommen. Für 3,9 Milliarden Euro sicherten sich die Wolfsburger auch die Kontrolle über die Holding. In der Porsche SE liegen seither ein 50,7-Prozent-Anteil an Volkswagen und 50,1 Prozent der Anteile der Porsche AG.

Die Porsche-Holding will sich auf der Hauptversammlung auf die Zeit nach dem Verkauf der AG vorbereiten und sich einen neuen Selbstzweck geben. Dazu soll der "Unternehmensgegenstand", also faktisch der Geschäftszweck, geändert werden. Der Hintergrund: Würde die Porsche AG an VW verkauft werden, wäre die Holding nichts mehr als eine Hülle mit der Beteiligung an Volkswagen. Mit den milliardenschweren Mitteln, die der Verkauf der AG in die Kassen spülen würde, will die SE daher zuerst ihre Schulden abbezahlen und den verbleibenden Rest in andere "strategische Beteiligungen" investieren.

"Der Schwerpunkt soll bei Aktivitäten entlang der automobilen Wertschöpfungskette liegen", sagte Winterkorn und warb für die Zustimmung der Aktionäre. Die Porsche SE könnte dann irgendwann beispielsweise ins Geschäft mit Rohstoffen einsteigen, sollten die Anteilseigner den Wandel abnicken. Da 90 Prozent der Stimmrechte bei den Familien Piech und Porsche und 10 Prozent beim Emirat Qatar liegen, dürfte dies jedoch nur eine Formalie sein. "Volkswagen bleibt auch in Zukunft das Kerninvestment der Porsche SE", stellte Winterkorn klar.

Mit Blick auf das Marktumfeld sprach Winterkorn von "dunkleren Wolken", die aufziehen. "Das gilt natürlich vor allem für Europa. Hier entwickelt sich die Staatsschuldenkrise mehr und mehr zur Belastung auch für unser Geschäft". Trotz aller Unwägbarkeiten könne man für die kommenden Monate grundsätzlich zuversichtlich sein - auch wenn die zweite Jahreshälfte für die gesamte Industrie schwieriger und fordernder werde.

Kontakt zum Autor: nico.schmidt@dowjones.com
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Verfasst am 25.06.2012 um 08:01, Autor: dj
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