Mittwoch, 22.05.2013 - aktualisiert um 19:59 MEZ
Sie befinden sich hier: DerBörsianer / News / Deutschland »  
EADS N.V.
Der immense Auftragsbestand der Flugzeugbauer Boeing und Airbus könnte sich nach Einschätzung eines Branchenkenners als Fata Morgana erweisen. Die Hersteller sitzen auf dem Papier zwar auf Aufträgen, die ihnen auf Jahre hinaus eine Auslastung ihrer Werke sichern. Aengus Kelly, Chef der niederländischen Flugzeug-Leasinggesellschaft AerCap Holdings NV, warnt jedoch davor, dass diese Aufträge oftmals gar nicht abgerufen werden dürften.

Der Branchen-Insider begründet seine Skepsis damit, dass viele Aufträge von teils sehr kleinen Airlines stammen, die gerade erst dabei sind, ihre Flugzeugflotten um ein Vielfaches auszubauen. Mit diesen, möglicherweise unsicheren Aufträgen rechnen Boeing und die EADS-Tochter Airbus aber.

Beide Flugzeughersteller wollen ihre Produktion in den kommenden zwei Jahren um 40 Prozent erhöhen. Mit den Erlösen der gestiegenen Auslieferungen sollen nach den kostspieligen Schwierigkeiten beim Dreamliner von Boeing und beim Großraumflieger A380 von Airbus gerade auch Zukunftsprojekte finanziert werden.

Das Duopol von Airbus und Boeing hat im vergangenen Jahr ein Riesenpolster an Aufträgen aufgebaut. Hunderte an modifizierten kleinen Standardrumpfflugzeugen wie dem A320neo wurden von mitunter sehr kleinen Airlines bestellt. Ob die indonesische Lion Air und die Norwegian Air Shuttle AS jedoch jemals alle georderten Flugzeuge realisieren, bezweifelt Kelly.

Der Manager wundert sich, dass eine kleine indonesische Fluggesellschaft zum größten Kunden des weltweit führenden Exporteurs aufsteigen konnte. Boeing hatte sich jüngst einen Auftrag der Lion Air über 230 Flieger zu einem Listenpreis von 22,4 Milliarden US-Dollar gesichert. Und der norwegische Billigflieger verteilte vor kurzem einen Auftrag von insgesamt 222 Modellen zu gleichen Teilen auf den A320 neo und die neue Boeing-737-Maschine. Bisher betreiben die Norweger nur eine Flotte von 62 Fliegern.

Dass Lion Air und Norwegian mit ihren Mega-Aufträgen Schiffbruch erleiden könnten, weisen beide Airlines weit von sich. Bei Inlandsflügen und auf regionalen Märkten wachse die Nachfrage nach billigen Flügen rasant, betonen sie. Mit diesem Wachstum im Rücken will Lion Air etwa seine Flugzeugflotte verachtfachen.

Airbus und sein amerikanischer Konkurrent zeigen sich trotz der Abhängigkeit von kleinen Kunden optimistisch. Die Nachfrage und die Finanzierung seien beide in trockenen Tüchern, betonen die Flugzeughersteller. Die Fertigung entspreche genau der realen Nachfrage, versichert eine Airbus-Sprecherin. Ein Boeing-Vertreter äußerte sich in der gleichen Weise.

Branchenexperten sehen das zunehmend kritisch. Hohe Kerosinpreise und flaue Kundennachfrage hätten in den vergangenen Monaten ein halbes Dutzend Fluggesellschaften ihre Kreditwürdigkeit gekostet. Leasing-Fachmann Kelly sieht die Industrie zwar noch nicht auf Krisenkurs wie Ende 2008 und Anfang 2009. Aber die Niederländer mussten gerade erst zwei Flugzeuge von angeschlagenen Airlines zurückfordern. Die Skepsis von Kelly ist also begründet.

Von Doug Cameron, The Wall Street Journal;

+49 (0)69 29725 111; unternehmen.de@dowjones.com
Empfehlen

Jetzt Ordern »

      
Verfasst am 23.02.2012 um 08:56, Autor: dj
zum Seitenanfang