WSJE: Aussichten für Europas Banken verdüstern sich wieder
Deutsche Bank AG

Bis vor kurzem sonnten sich die Institute noch im Glanz der billigen EZB-Kredite, die das Geschäft leicht machten. Eine Billion Euro hatte die Europäische Zentralbank auf den Markt geschüttet, und damit den Umsatz im Investmentbanking angekurbelt - das wiederum gab den Banken Raum, ihre Bilanzen zu säubern.
In den Geschäftszahlen des Auftaktquartals spiegelte sich der Optimismus: Banken wie BNP Paribas und Lloyds Banking Group erklärten, sie seien mit ihren Restrukturierungsplänen weit vorangekommen.
Doch nun werden sie von der Realität eingeholt: Es geht wieder die Angst um, dass Griechenland die Eurozone verlassen könnte, die Ratingagentur Moody's überprüft derzeit die Bonität von 114 europäischen Finanzinstituten, und viele Banken der Region müssen sich weiterhin gesundschrumpfen.
"Die Stimmung hat sich deutlich eingetrübt", sagte James Longsdon, Managing Director für Institute in Europa, dem Nahen Ostern und Afrika bei der Ratingagentur Fitch. In den vergangenen drei Monaten ist der Bankenindex Stoxx Europe 600 um 6,5 Prozent gefallen. Analysten erwarten im weiteren Verlauf des zweiten Quartals keine wesentliche Verbesserung.
"Ich glaube es wird glanzlos verlaufen, und der Markt sieht das bereits", sagt Amit Goel, Analyst bei Credit Suisse. "Die Vergleiche mit den Vorjahreszahlen werden durchwachsen ausfallen, wir erwarten von den Banken keine besonders starken Zweitquartalsergebnisse."
Während sich die Stimmung verschlechtert, lautet die Botschaft der Analysten: Investiert in gut kapitalisierte Banken mit großen Barbeständen oder einfach zu verkaufenden Anleihen, die den Großteil ihrer Geschäfte in Europas gesünderen Volkswirtschaften, und zwar den nordischen Ländern, in Großbritannien und Deutschland haben.
Der Fokus auf starke Volkswirtschaften könnte beispielsweise der britischen Barclays oder der Deutschen Bank zu Gute kommen, so Goel. Beide haben große Investmentbank-Sparten und sind in robusten Binnenwirtschaften stark vertreten.
Andere Schwergewichte wie die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria and Banco Santander in Spanien oder UniCredit in Italien dürften Investoren weniger schmackhaft gemacht werden können - ihre Heimatmärkte leiden derzeit unter ehrgeizigen Sparmaßnahmen.
Doch selbst bei den besser aufgestellten Instituten läuft es nicht glänzend: Zwar hatten sowohl Barclays als auch die Deutsche Bank respektable Zahlen für die ersten drei Monate vorgelegt, beide warnten aber auch für einem verhaltenen Start ins zweite Quartal.
Barclays berichtete für das erste Quartal sogar einen Verlust von 337 Millionen britischen Pfund nach einem Gewinn von 1,24 Milliarden Pfund im Vorjahreszeitraum. Der Grund dafür war aber vor allem ein Bucheffekt, nämlich die Neubewertung eigener Kredite. Andernfalls hätte der Konzerngewinn auf 1,9 Milliarden Pfund zugelegt.
Die Deutsche Bank fuhr einen Ertrag von 1,4 Milliarden Euro ein, ein Drittel weniger als im Vorjahr, aber im Rahmen der Analystenprognose.
Da die Konkurrenten sich verkleinern, hätten die beiden Investmentbanken künftig weniger Wettbewerb, sagte Longsdon von Fitch. Allerdings müssen sie sich auch einer Welle neuer Regulierungsvorschriften stellen, um sicherzugehen, dass sie künftige Marktkrisen überstehen.
Großbritannien formuliert derzeit etwa Regeln, wonach die Institute ihr Privatkundengeschäft vom Investmentbanking trennen müssen. Hinzu kommen die verschärfen europaweiten Bankenregeln Basel III, über die in der EU debattiert wird.
Analysten von Silvia Quandt & Cie zeigten sich weiterhin sehr vorsichtig im Hinblick auf den Bankensektor und besonders die Investmentbanken. Diese seien der aktuellen Finanzkrise direkt und indirekt stark ausgesetzt und müssten ihre Risiken- und Bilanzstrukturen an die striktere Regulierung nach Basel III anpassen.
Von Max Colchester, The Wall Street Journal Europe,
+49 (0)69 29725 104, unternehmen.de@dowjones.com
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