XETRA-SCHLUSS/Gipfelsturm nach Gipfelbeschlüssen

Es gab daher auch skeptische Stimmen. "Die direkte Banken-Rekapitalisierung kann zu einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden durch die Hintertür verkommen", wertete Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann die Ergebnisse. In Ländern, in denen die Geschäftsbanken im großen Umfang Staatsanleihen kaufen, könnten die fiskalischen Probleme so auf den Bankensektor abgewälzt werden. Dieser erhalte dann Kapital vom Rettungsschirm ESM - womöglich ohne makroökonomische Auflagen.
Der Anstieg der Renditen spanischer und italienischer Anleihen hatte den Stein ins Rollen gebracht. Beide Länder drohten unter der zuletzt stetig gestiegenen Zinslast zusammenzubrechen und hatten deswegen auf dem Gipfel ihre Zustimmung zum bereits vereinbarten 120 Milliarden Euro schweren Wachstumspaket von Sofortmaßnahmen abhängig gemacht.
An den Anleihemärkten sorgten die Nachrichten für Entspannung. Nachdem die Renditen für spanische Benchmarkanleihen am Vortag zwischenzeitlich in den kritischen Bereich von 7 Prozent gestiegen waren, kamen sie mit den Gipfel-Ergebnissen deutlich zurück. Bei Zinsniveaus um die 7 Prozent, die als dauerhaft nicht finanzierbar gelten, waren Irland und Portugal unter den Rettungsschirm der EU geschlüpft.
Finanzwerte waren die großen Gewinner des Gipfels. Die Aktien der Deutschen Bank stiegen um 5,9 Prozent auf 28,50 Euro, die der Commerzbank um 6,2 Prozent auf 1,34 Euro. Auch konjunktursensible Werte waren gefragt. Sie waren in den vergangenen Tagen wegen der wachsenden Unsicherheiten, die ein Folge der Schuldenkrise sind, unter Druck geraten. So legten HeidelbergCement um 6,6 Prozent auf 37,77 Euro zu.
Die Aktien von adidas hinkten dagegen mit praktisch unverändertem Kurs hinterher. Belastet wurden sie von enttäuschenden Geschäftsergebnissen des Konkurrenten Nike. Analysten gaben aber Entwarnung. Mark Josefson von Silvia Quandt Research sieht sogar Einstiegschancen. "adidas gewinnt Marktanteile von Nike", sagte der Analyst.
GEA profitierten von einer Investorenverantaltung. "Das Management unternimmt die richtigen Schritte für eine bessere Profitabilität", stellten die Analysten von Hauck & Aufhäuser fest. Positiv sei auch, dass der Auftragseingang nach einer Schwäche im April im Mai wieder angezogen habe. Die Titel gewannen 5,9 Prozent auf 20,97 Euro.
Die Aktie von Rhön-Klinikum stieg nach anfänglichen Verlusten um 8,1 Prozent auf 18,88 Euro an. "Auffallend ist das schon, denn eigentlich ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Übernahme klappt", meinte ein Händler. Die Übernahme durch Fresenius, die den Besitz von 90 Prozent plus einer Aktie voraussetzt, ist mit dem Kauf von 5,01 Prozent der Aktien an Rhön durch Asklepios schwieriger geworden. Am Abend wird voraussichtlich bekannt gegeben, wie viele Aktien Fresenius angedient worden sind.
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Kontakt zum Autor: michael.fuchs@dowjones.com
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