XETRA-SCHLUSS/Wie gewonnen so zerronnen

Stark steigende Anleihenrenditen in den Südländern der Euro-Zone ließen schließlich auch die Kursgewinne auf der Aktienseite völlig dahinschmelzen. Die Risiko-Aversion der Anleger kehrte zurück, gefragt waren wieder einmal deutsche Anleihen. "Im Fall einer Auflösung des Euro könnten deutsche Anleihen von einer starken Währungsaufwertung profitieren", meint ein Händler. Zyklische Aktien und auch die Aktien der Banken gerieten dagegen im Verlauf der Sitzung immer stärker unter Druck.
Besonders Italien geriet am Nachmittag unter den Beschuss der Hedge-Fonds. "Das ist der nächste, der schwach auf der Brust ist", sagt der Leiter des Wertpapierhandels einer Großbank mit Blick auf Italien. "Wir sehen große Verkaufsaufträge Londoner Hedge-Fonds", ergänzte er. Hauptziel des Angriffs war der italienische Bond-Markt, hier stieg die Rendite der Langläufer auf 6,01 Prozent von 5,74 am Freitagnachmittag. Bei Renditeständen über 6 Prozent waren Irland, Griechenland, Portugal und nun auch Spanien unter den Rettungsschirm gegangen. Der Aktien-Index MIB schloss 2,8 Prozent im Minus, Unicredit brachen um fast 9 Prozent ein. Auch der spanische Aktienmarkt drehte nach anfänglichen Kursgewinne von fast fünf Prozent ins Minus.
Deutsche Bank fielen um 0,5 Prozent und Commerzbank um 1,6 Prozent. Angeführt wurden die Verlierer allerdings von ThyssenKrupp, die ihre Talfahrt mit einem Minus von 2,8 Prozent auf 11,69 Euro fortsetzten. Lufthansa verloren 1,9 Prozent auf 8,09 Euro. Händler verwiesen auf die neue Prognose des Luftfahrtverbands IATA. Der internationale Verband rechnet damit, dass die europäischen Fluggesellschaften im laufenden Jahr 1,1 Milliarden US-Dollar Verlust machen wird, fast doppelt so viel wie die bisherige Schätzung von 600 Millionen Dollar.
Dagegen laufen die Geschäfte beim Gesundheitskonzern Fresenius trotz Staatsschuldenkrise laufen bestens. Wegen "der sehr guten Geschäftsentwicklung" in allen Bereichen hob der DAX-Konzern seinen Ausblick für das Gesamtjahr an. "Das bestätigt zwar die positive Entwicklung, kommt aber nicht ganz unerwartet", sagt Ulrich Huwald, Analyst bei Warburg Research. Die Tochter Kabi profitiere in den USA im Geschäft mit intravenös verabreichten Arzneimitteln gegenwärtig von einer Verknappung des Angebots, was sich nun positiv im Ergebnis niederschlage. Die Aktie legte um 1,3 Prozent auf 77,80 Euro zu.
VW gewannen 1,3 Prozent auf 123,45 Euro. Der Konzern setzt auch längerfristig auf starkes Wachstum in China. Außerdem könnte er den Sportwagenbereich von Porsche nach Medienberichten übernehmen, ohne dass dann hohe Steuern bezahlt werden müssten. In der zweite Reihe fielen Deutsche Wohnen um 4,2 Prozent. Der Konzern will den Kauf von 23.500 Wohnungen mit einer Kapitalerhöhung finanzieren.
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-Kontakt zum Autor: herbert.rude@dowjones.com
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