AT&S AG
Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S (ISIN AT0000969985) steigerte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2012/13 den Umsatz, verdiente dabei aber weniger. Konnten Anleger auf 3-Jahre 100% mit der Aktie des Technologieunternehmens verdienen so verzeichnen die Papiere seit Jahresanfang ein Minus von 18%. DerBörsianer spricht anlässlich der Vertragsverlängerung und den Q1 Zahlen mit AT&S CEO Gerstenmayer im großen Sommergespräch über das Ergebnis, die Wachstumslokomotive China, CSR als Erfolgsmodell und die Leiterplatte der Zukunft.

DerBörsianer: Der Markt hat auf die Veröffentlichung der Zahlen für das 1. Quartal negativ reagiert und die AT&S Aktie verzeichnete prompt hohe Verluste – eine überzogene Reaktion?
 
Andreas Gerstenmayer: Manche sagen der Markt hat immer recht, aber aus wirtschaftlicher Sicht ist die Reaktion für mich schwer nachvollziehbar, denn Saisonal bedingt ist unser erstes Quartal immer schwächer. Leider sind einige Dinge in der zweiten Quartalshälfte zusammengekommen, wie verschobene Anläufe neuer Projekte und geringere Nachfrage nach Auslaufmodellen. Aber im Juli hat sich die Auftragslage wieder verbessert und wir sind zuversichtlich, dass wir unseren Ausblick erreichen werden. Also gute Gründe die Aktie nicht zu shorten. Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass der Markt das Potential der AT&S massiv unterschätzt.
 
DerBörsianer: Wenn wir uns die Zahlen im Detail ansehen konnten Sie den Umsatz über den Erwartungen steigern, aber unterm Strich blieb weniger über und auch die EBIT-Marge hat sich verschlechtert, warum?
 
Andreas Gerstenmayer: Immer wenn wir eine Unterauslastung haben wirken sich die Fixkosten wie Abschreibung negativ auf die EBIT Margin aus. Zusätzlich hatten wir noch mit Wechselkursschwankungen zu kämpfen gehabt. Daher auch die etwas schwächere Margin von rund 3% gegenüber 4% im Vergleichsraum zum Vorjahr. Wenn wir jedoch das EBITDA ansehen, zeigt sich, dass die operative Performance in Ordnung ist und bei zurückkehrendem Volumen auch die Bottom Line wieder stimmen wird.
 
DerBörsianer: Analysten zeigten sich in letzter Zeit immer wieder über die Finanzierung und Verbindlichkeiten des Unternehmens besorgt. Gibt es dazu einen Grund?
 
Andreas Gerstenmayer: Nein, wir sind im Gegensatz zu anderen Unternehmen, bei der Finanzierung sehr gut aufgestellt. Wir haben unser Fristenprofil deutlich zum langen Ende hin gedreht und haben mit einer EBITDA Margin von 17% genug Innenfinanzierungskraft. Wir sind also für die nächsten Jahre ausfinanziert.
 
DerBörsianer: Wirken sich der Vollausbau des Werks in Shanghai sowie gekürzte Investitionen bereits positiv auf den Cashflow aus?
 
Andreas Gerstenmayer: Aber sicherlich, wir haben kaum mehr Investitionsbedarf in Shanghai und sind mit dem Bauvorschritten in Chongqing in Plan. Damit haben wir im ersten Quartal nur rund 9 Mio. Euro ausgegeben und auch im zweiten Quartal werden wir in dieser Größenordnung zu liegen kommen. Erst wenn die Maschinen für Chongqing eintreffen wird unser Cash-Profil  wieder etwas stärker belastet.
 
DerBörsianer: Viele Anleger und Investoren sind gespannt, ob die von Ihnen versprochene Umsatz- und Gewinnsteigerung für das Geschäftsjahr 2012/13 eintritt. Sind Sie heute guter Dinge, diese Vorhersage einhalten zu können?
 
Andreas Gerstenmayer: Wie gesagt mit den in Vorbereitung befindlichen Produktionsstarts und den Aussichten auf neue Kunden und Projekte sind wir sehr zuversichtlich unser Versprechen „besser zu sein als das letzte Jahr“ halten zu können. Vorrausetzung ist natürlich, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht verschlechtern.
 
DerBörsianer: Könnte die Absatzschwäche, von einem Ihrer Großkunden, Research in Motion (RIM) die Ziele noch gefährden?
 
Andreas Gerstenmayer: Wie sie wissen, können und wollen wir zu einzelnen Kunden nichts sagen, aber natürlich ist es immer schwierig wenn ein großer Kunde Probleme hat. Dennoch ist die AT&S groß genug und diversifiziert genug, um auch mit solchen Problemen umgehen zu können. Schwierig würde es natürlich bei einem Totalausfall, von dem wir heute definitiv nicht ausgehen.
 
DerBörsianer: Wechseln wir das Thema und kommen zum 2. Teil des Interviews. Es gibt verstärkte Anzeichen, dass China, die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft an Fahrt verloren hat. Sehen Sie hier eine Gefahr für die Weltwirtschaft und ihre Absatzzahlen?
 
Andreas Gerstenmayer: Also mal ganz ehrlich, ob China mit 9% 8% oder 7% wächst, ist immer  noch um ein vielfaches höher als Europa und USA zusammen. China ist und bleibt die Lokomotive auch wenn einige Ökonomen etwas anderes hinein interpretieren wollen. Sorgen bereiten mir Europa und USA mit ihrer Zögerlichkeit vorhandene Probleme schnell und beherzt zu lösen bzw. mit ihrer Politik des Schuldenmachens.
 
DerBörsianer: Auf der anderen Seite gibt es ein wachsende Mittelschicht in China. Eine interessante Zielgruppe, immerhin stecken in Tablets, Smartphones oder Autos auch Leiterplatten?   
 
Andreas Gerstenmayer: Sie geben sich selbst die richtigen Antworten. Wir sind zuversichtlich was China betrifft sonst würden wir auch nicht unser modernstes Werk in Chongqing bauen.
 
DerBörsianer: Wenn wir über China und Asien sprechen, gab es zuletzt immer wieder Kritik an den Produktionsbedingungen beim Apple-Zulieferer Foxconn. Wie geht AT&S als Zulieferer mit dem Thema Corporate Social Responsibility (CSR) in Asien um? 
 
Andreas Gerstenmayer: Hier haben wir sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal in unserer Branche, die doch von Asiaten dominiert wird. Wir produzieren die komplexesten Leiterplatten mit der geringsten Belastung der Umwelt in China genauso wie in Österreich. Wir legen großen Wert auf Aus- und Fortbildung unserer Mitarbeiter und genießen dafür auch hohes Ansehen in China, Indien und Korea von den Behörden. Man sieht die AT&S dort als „Role Model“ in Sachen Corporate Social Responsibility und das nicht zuletzt weil wir weltweit die gleich hohen Standards etabliert haben.
 
DerBörsianer: Man hört die Produktion in Shanghai ist ein Vorzeigerwerk in China, wie äußert sich dies und wie sorgen Sie vor Ort für gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter? 
 
Andreas Gerstenmayer: Wie uns unabhängige Analysten Zu Beispiel von HSBC und CITI aber auch viele unserer Kunden bestätigt haben, haben wir das modernste und höchst automatisierte Leiterplattenwerk in Shanghai. Um den Prozessanforderungen und Qualitätsstandards standhalten zu können, brauchen wir motivierte und engagierte Mitarbeiter. Daher bilden wir unsere Mitarbeiter selbst aus und versuchen Ihnen ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen.
 
DerBörsianer: Inwieweit wird man von der Regierung vor Ort unterstützt, immerhin schafft man tausende Arbeitsplätze?
 
Andreas Gerstenmayer: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis mit den Behörden vor Ort und pflegen dieses auch. In China ist sehr viel zentral bestimmt und daher ist es wichtig, dass man mit den Verantwortlichen spricht und im regen Austausch mit den Behörden steht. Diese schätzen aber auch unser Know How und unsere Arbeitsweise. Es bewährt sich immer ein verlässlicher Partner zu sein.
 
DerBörsianer: Ist CSR langfristig ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Ihren Mitbewerbern bzw. was erwartet man sich als Unternehmen davon? 
 
Andreas Gerstenmayer: Auf alle Fälle, wir haben hier einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren asiatischen Mitbewerber und nutzen diesen auch.
 
DerBörsianer: Eine kühne Zukunftsvision - wie sieht die Leiterplatte der Zukunft aus und wo kommt diese zum Einsatz? 
 
Die Einsatzbreite von Leiterplatten wird auch in der Zukunft enorm sein. Daher gibt es DIE Leiterplatte nicht. Die hochwertigsten Modelle werden in ihrem Aufbau und ihre Strukturfeinheit weitere Schritte vorangehen. Wir sehen einen klaren Trend, dass das Silizium (Halbleiter) und die Leiterplatten immer stärker zusammenwachsen. Hierzu sind enorme technologische Entwicklungen nötig und bereits in Gange und AT&S arbeitet mit Partner in diese Richtung. Wir wollen und werden auch künftig einer der Technologieführer der Branche sein.
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Verfasst am 30.07.2012 um 09:10, Autor: DH


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