CEO Untersperger: "China ist eine Jahrhundertstrategie für Lenzing"
Warum 2012 schwieriger und es zu keinem Crash in China kommen wird
Lenzing AG
Im Vorjahr hat der Faserkonzern Lenzing beim Umsatz mit 2,14 Mrd. Euro (plus 21,2 Prozent) erstmals die 2-Milliarden-Grenze geknackt. Für 2012 werden Erlöse zwischen 2,2 und 2,3 Mrd. Euro erwartet. Das Betriebsergebnis erhöhte sich im abgelaufenen Jahr um fast 60 Prozent auf 364 Mio. Euro.
In unserem Live-Chat durften wir anlässlich der Jahreszahlen 2011 den CEO der Lenzing AG zum Talk begrüßen.
Moderator: Herzlich Willkommen Herr Untersperger!
Peter Untersperger: Auch von meiner Seite herzlich Willkommen!
Moderator: Wir starten mit einer Userfrage, die vorab an die Redaktion gesendet wurde: Das Rekordergebnis 2011 ist mit heute Vergangenheit. Was dürfen wir uns für 2012 erwarten?
Peter Untersperger: 2012 wird kein 2011, das steht fest. Das ist vor allem makro-bedingt, China versucht ein Soft Landing. Die Sparpakete in Europa haben einen negativen Einfluss auf das Konsumentenverhalten und der gestärkte amerikanische Markt kann das nicht ausgleichen. Dennoch erwarten wir eine ganz gute Entwicklung.
Gast37: Apple hat am Montag die 100 Mrd. Frage beantwortet, wann stellen Sie sich die 1 Mrd. Euro Frage, wenn es so weiter geht?
Peter Untersperger: Wenn es so weiter geht, freuen wir uns auf alle Fälle auf eine Mrd. Cash. Wir wüssten auch schon, was wir damit tun.
Gast41: Und was?
Peter Untersperger: In China steht eine größere Restrukturierung der gesamten Viscoseindustrie an. Da überlegen wir, aktiv mitzuspielen.
Gast24: Beteiligt Lenzing seine Mitarbeiter am Erfolg? Stichwort Prämienzahlung: Wie VW, Porsche und so weiter.
Peter Untersperger: Ja, wir beteiligen unsere Mitarbeiter seit Jahrzehnten ganz wesentlich am Erfolg. Auch für das Jahr 2011 wird es eine schöne Erfolgsprämie geben.
Gast2: Das Stichwort Apple ist im Chat gefallen. Dieser Konzern ist wegen Lieferanten (Produktionsbedingungen) in Asien im Kreuzfeuer der Kritik. Wie halten Sie es mit dem Thema CSR in Asien?
Peter Untersperger: Wir schauen uns unsere Lieferanten sehr genau an, sind auch immer wieder vor Ort. Das gilt ebenso für unsere Kunden, die wir im Rahmen von zertifizierten Supply Chains auch immer wieder vor Ort direkt besuchen und uns auch die Produktion sehr genau anschauen. Wir sind mit der Elektronikzulieferindustrie nicht vergleichbar und bieten auch in Asien qualifizierte Industriearbeitsplätze.
Gast2: Haben Sie die Löhne in Asien auch anheben müssen?
Peter Untersperger: Jedes Jahr steigen die Löhne in Asien, insbesondere in China zwischen 10 und 15 %. Die Lohnkosten belaufen sich bei Lenzing in China auf unter 5 % der Gesamtkosten.
Moderator: Eine eingesendete Frage: China ist einer der wichtigsten Märkte. Sehen Sie potenziellen Gefahrenherde (Wirtschaftsrückgang, Regulierungen)?
Peter Untersperger: Nein. China ist eine Frage der Relativität, 9 % von 4000 Mio USD Wirtschaftsleistung = 360 Mio. 6 % von 6000 Mio (GDP 2011) = 360 Mio. Die Chinesen fahren ein gekonntes "hartes" Soft Landing.
ATXfreak: 5% Lohnkosten bleibt für heimische KMUs ein Traumvorstellung. Bleiben die EBIT und EBITDA-Margen 2012 stabil?
Peter Untersperger: 2011 waren Rekordmargen, die man nicht jedes Jahr wiederholen kann. 2011 sind viele Wetten aufgegangen und das wird 2012 sicherlich etwas schwieriger.
Gast16: Also gibt es keine Blase in China?
Peter Untersperger: Ich persönlich erwarte mir keinen Crash in China. Wir sehen das in Europa alles zu problematisch.
Gast16: Was macht eine Tencel- oder Modalfaser besser und margenstärker als Viscosefasern?
Peter Untersperger: Beide Fasern decken wesentlich andere Applikationsbereiche ab, die die Konkurrenz eben nicht abdeckt. Und damit erzielen wir höhere Preise und Margen.
Gast16: Bitte ein Statement zu den Rohstoffen: Preisentwicklung, Abhängigkeit, Produzenten?
Peter Untersperger: Wir erwarten in 2012 steigende Rohstoffkosten, insbesondere im zweiten Halbjahr. Daher auch leicht steigende Verkaufspreise. Auf der Zellstoffseite wollen wir unseren Eigenversorgungsgrad deshalb weiter erhöhen.
ATXfreak: Warum war die Aktie trotz Rekord heute im Minus?
Peter Untersperger: Erstens waren wir in line mit dem gesamten Markt. Und zweitens haben wir die Erwartungen erfüllt, dann kann das schon vorkommen. Wir waren aber in den ersten 80 Tagen 2012 der Bestperformer.
InVestor: Bringt die ATX-Präsenz etwas bei den internationalen Investoren? Mehr Institutionelle pushen ja auch meinen Kurs.
Peter Untersperger: Auf alle Fälle. ATX-Präsenz bedeutet Liquidität und Internationalität, mehr Beobachtung, mehr Coverage. Und damit kommen auch größere Fonds in die Lenzing Aktie.
InVestor: Und was kann ich mir von der Aktie 2012 erwarten?
Peter Untersperger: Das kann ich Ihnen nicht beantworten, dafür sind die Analysten zuständig.
Gast24: Die heimischen Politiker sind unbeliebt wie nie zuvor! Orten Sie als führender Manager des Landes Führungsschwäche bzw. vermissen die Qualität und den Mut bei den Politikern? Ihr Handeln schadet früher oder später doch auch dem Wirtschaftsstandort Österreich.
Peter Untersperger: Damit könnten Sie schon recht haben - ich vermisse vor allem Mut zur Zuversicht und Mut zur Gestaltung.
Gast24: China, Indien, Lenzing - wie werden die jeweiligen Investitionen finanziert und wann sind diese abgeschlossen?
Peter Untersperger: China ist eine Jahrhundertstrategie für Lenzing. Indien ebenso. Auch wenn beide Märkte sehr schwierige Märkte darstellen muss Lenzing als Marktführer in diesen Märkten vertreten sein. Investitionen erfolgen auf Basis von Projektfinanzierungen mit ca. 25 bis 30 % Eigenkapitalanteil.
Gast7: Mit dieser Performance können sie nach mir ewig bei Lenzing bleiben? Vorstellbar?
Peter Untersperger: Das freut mich, ich werde es versuchen.
Moderator: Das waren 30 Minuten Live-Chat mit Herrn Untersperger! Herzlichen Dank für Ihren Besuch.
Peter Untersperger: Es war uns eine große Freude, hören uns in drei Monaten wieder!
Empfehlen
Matrix Schnellsuche
| 62,000 EUR | +1,79% |
ANZEIGE










































